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Marius Müller-Westernhagen rockt im restlos ausverkauften Capitol

Das „Alphatier“ unterstreicht seine musikalische Führungsrolle

Er ist „Wieder hier“, in seinem Revier – doch das fiel vorgestern im Capitol wesentlich kleiner aus, als noch vor einigen Jahren. Nach dem Motto „Back on the road“ und wieder hinein in die Clubs, stellt Marius Müller-Westernhagen sein am 25. April erscheinendes Album „Alphatier“ zunächst nur in handverlesenen Locations vor.

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Vor Konzertbeginn nimmt sich der Künstler im Raucherbereich des seit Monaten ausverkauften Capitols 20 Minuten Zeit für Fotografen und Journalisten, beantwortet Fragen über sein Album, erklärt seine Rolle als „Alphatier“, freut sich darüber, mit so tollen Musikern zusammenzuarbeiten und bezeichnet Hannover als „Hochburg des Rock ’n’ Roll“. Zu seinem aktuellen Privatleben waren aber keine Fragen erlaubt.

Das letzte Studioalbum „Williamsburg“, benannt nach dem New Yorker Stadtteil, erschien 2009 – jetzt präsentiert der 65-Jährige auf seiner Tournee den 14 Songs umfassenden Longplayer „Alphatier“. Da die meisten Songs noch keiner gehört hat, ist die Erwartungshaltung der Fans dementsprechend hoch. Der Sänger spricht von seinem bis dato emotionalsten Album, das in New York aufgenommen, aber komplett in Südafrika geschrieben wurde. Die Idee, das gesamte Songmaterial in kleinen Clubs vorzustellen, entstand jedoch erst nach Fertigstellung der CD.

Westernhagen: Bei den letzten beiden Tourneen haben wir, bevor es richtig los ging, auch immer ein Clubkonzert vorweg gegeben – das hat uns sehr viel Spaß gemacht, weil du immer sehr nah am Publikum warst. Wenn du in Stadion spielst, haut dich das manchmal regelrecht um, wenn da 60 000 Leute zu Beginn des Konzerts aufschreien. Diese Zeit ist für mich schon lange vorbei. Ich sah einfach keine Möglichkeit mehr, das Ganze noch künstlerisch weiterzuentwickeln. Das Schöne in kleinen Clubs ist, das du dich einfach besser hörst. Die Musiker stehen enger zusammen, man ist konzentrierter – ich finde, bei Massenzusammenkünften geht die Qualität der Musik immer etwas unter. Erstaunt war ich jedoch darüber, dass die Clubs so schnell ausverkauft waren. Alles in allem ist das eine „Non-profit“-Tournee – ich kann mir nicht vorstellen, dass hier jemand daran groß verdient.

Immer wieder wurde der gebürtige Düsseldorfer in der Vergangenheit von den Medien als Alphatier bezeichnet – ein Grund mehr, dass er sein Album so betitelt hat.

Westernhagen: Ich lasse mich grundsätzlich nicht von anderer Musik beeinflussen. Die Musik muss einfach aus dir herausfließen, nur so kannst du kreativ arbeiten. „Alphatier“ ist für mich ein großes Wort mit einer großen physischen Präsenz, die ich aber eigentlich gar nicht besitze. Dennoch, wenn ich eine Idee habe, etwas zu machen, finde ich auch Mittel, sie umzusetzen.

Immer wieder betont Westernhagen, dass er froh darüber ist, mit solch professionellen Musikern auf der Bühne zu stehen.

Westernhagen: Es ist das erste Mal, dass meine Songs so klingen, wie ich es mir immer erträumt habe. Das im bereits fortgeschrittenen Alter zu erreichen, ist schon bewegend. Die Musiker, alles US-Amerikaner, sind in jeder Sekunde voll da, spielen für den Song. Ich bin dankbar, dass ich sie getroffen habe und sie mit mir auch spielen wollten. Natürlich haben wir auch in Deutschland gute Musiker – wenn du aber ein blueslastiges Album produzieren willst, bist du bei den Amis an der richtigen Adresse. Die haben diese Art von Musik irgendwie in den Genen.

90 Minuten später heißt es „Hereinspaziert, hereinspaziert“ – Westernhagens Opener groovt und rockt, lässt das Stimmungsbarometer sofort in die Höhe schnellen. Im dritten Song fordert Westernhagen bei „Liebe“ (Um der Freiheit Willen) unter anderem Freiheit für Schwule, Lesben, Junkies und Huren. „Ich hoffe, wir können euch musikalisch befriedigen?“, gab uns der Sänger nach der Pressekonferenz noch mit auf den Weg. Kann er – das Capitol tobt, bloß die gewohnte Textsicherheit fehlt. Kein Wunder, denn der Silberling steht erst ab dem 25. April in den CD-Regalen. Gemeinsam mit seiner neuen Flamme, Lindiwi Suttle, singt MMW „Oh, Herr“ – uah, Gänsehaut-Feeling pur. 80 Minuten singt sich Westernhagen durch sein aktuelles Album – dann zum Schluss doch noch etwas zum Mitsingen: Mit Songs wie „Sexy“, „Johnny W.“ und „Mit 18“ macht der mehrfache Echo-Preisträger seine Fans noch einmal „Willenlos“ – „Halleluja“, Marius kann’s immer noch.

14 neue Songs und als Zugabe MMW-Klassiker – Westernhagen hatte sein Publikum voll im Griff.

Texte und Konzertfotos: Lars Andersen



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