×
Staatsanwalt will fünf Jahre Haft mit Sicherungsverwahrung für mutmaßlichen Kinderschänder

"Dann sieht er die Freiheit nie wieder"

Stadthagen/Bückeburg (ly). Selten müssen Richter Entscheidungen von solcher Tragweite treffen: Ein Schuldspruch im Missbrauchsprozess gegen einen Rentner (72) aus Stadthagen könnte bedeuten, dass der Angeklagte den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen muss. Mit der Urteilsverkündung am kommenden Montag entscheidet sich dasSchicksal eines mutmaßlichen Kinderschänders.

Staatsanwalt Malte Rabe von Kühlewein und Nebenklage-Anwältin Selvi Arslan-Dolma haben für den alten Mann fünf Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung gefordert. "Dann sieht mein Mandant nie wieder die Freiheit", befürchtet Verteidiger Tobias A. Feltus, der auf Freispruch plädierte. "Das Gericht hat die schwere Aufgabe, über den Lebensabend eines Menschen zu entscheiden." In den Sommerferien des Jahres 2003 soll der Stadthäger einen neun Jahre alten Jungen in seine Wohnung gelockt und sexuell missbraucht haben (wir berichteten). Mann und Kind kannten sich aus dem Schrebergarten. Zeugen für die Tat gibt es nicht. Abhängen dürfte der Ausgang des Prozesses deshalb auch davon, wie die 1. Große Jugendkammer am Bückeburger Landgericht ein Gutachten über die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers bewertet. Eine Psychologin war zu dem Ergebnis gekommen, dass eine bewusste Falschaussage zulasten des Angeklagten zumindest möglich sei. Mit hinreichender Sicherheit sei nicht zu belegen, dass die Schilderung des heute 14-Jährigen auf einem Erlebnis beruht. Von der Expertise zeigte sich Staatsanwalt Rabe von Kühlewein enttäuscht. "Ein so schlechtes Gutachten haben wir lange nicht gehabt", stellte der Ankläger fest. Wissenschaftlich sei es nicht zu halten, fügte er hinzu und zitierte zur Untermauerung Passagen aus Standardwerken der Fachliteratur. Den Angeklagten sieht Rabe von Kühlewein durch die Aussage des Kindes als überführt an. Verteidiger Feltus hält das Gutachten für gelungen, seinen Mandanten für unschuldig. Klarer fiel die Einschätzung eines zweiten Sachverständigen aus, der unter anderem Fragen zum Thema Sicherungsverwahrung beantworten sollte. Ergebnis: Der Psychiater erkennt in dem Angeklagten zum jetzigen Zeitpunkt eine Gefahr für die Allgemeinheit. Weil er jedoch nicht wisse, wie sich das Alter des 72-Jährigen weiter auswirke, schlug der Facharzt eine Überprüfung gegen Ende der Haftstrafe vor, falls es zu einer entsprechenden Verurteilung komme. Dies würde bedeuten: Das Gericht behielte sich die Anordnung der Maßregel vor. Dem Psychiater zufolge wäre der Stadthäger bundesweit einer der ältesten Menschen in Sicherungsverwahrung. Fest steht, dass der Rentner bereits mehrfach als Kinderschänder zu Haftstrafen verurteilt worden ist. "Er bevorzugt Kinder im Alter von acht bis neun Jahren und nähert sich ihnen von hinten", so Opferanwältin Selvi Arslan-Dolma mit Blick auf die Entscheidungen. Außer vier Vorstrafen wegen sexuellen Missbrauchs stehen 13 andere Eintragungen im Registerdes Angeklagten, der zusammen fast 20 Jahre in Gefängnissen gesessen hat. Auch in Sicherungsverwahrung war er schon. "Mit seinen Taten hat er nahezu das gesamte Strafgesetzbuch durchmessen", sagte Rabe von Kühlwein. "Ich habe niemandem etwas zuleide getan'', beteuerte der bereits inhaftierte Rentner im Schlusswort. "Dies ist eine ganz schmutzige Verleum dung."




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt