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Straßenmeistereien in Hameln und Rinteln leisten diesen Winter einen ungewöhnlich langen Dienst

Danke!

Es ist einer der drei am längsten anhaltenden Winter in den 14 Jahren, in denen ich die Straßenmeisterei in Hameln leite“, bilanziert Norbert Schaaf. Frost- und Tauperioden sowie teils heftiger Schneefall haben einen überdurchschnittlichen Aufwand im Winterdienst erforderlich gemacht. 60 Tage sind 28 Straßenwärter in Morgen- und Abendschichten mit zehn Streu- und Räumfahrzeugen bislang unterwegs gewesen, um die Befahrbarkeit von Bundes-, Kreis-, und Landstraßen im Landkreis Hameln-Pyrmont (außer Hessisch-Oldendorf und Bad Münder, für die die Straßenmeisterei in Rinteln zuständig ist), zu ermöglichen. Die Straßenmeisterei Hameln betreut ein Streckennetz von insgesamt mehr als 400 Kilometern; jedes Fahrzeug fährt jeweils ein Gebiet von rund 40 Kilometern Straßen ab.

Autor:

von alda maria grüter

Im Vergleich zur laufenden Saison sind im vergangenen Winter gerade einmal 17 Einsatztage zusammengekommen, 45 waren es im Winter 2010/ 2011. „Wir haben es mit einem der Spitzenwinter zu tun“, bestätigt der technische Mitarbeiter der Hamelner Straßenmeisterei Heinz Evers. „2011 sind wir das letzte Mal am 12. Februar ausgerückt – jetzt sind wir schon mehr als vier Wochen drüber.“ Damit die Straßen ab 6 Uhr befahrbar sind, beginnt der nächtliche Dienst schon um 2 Uhr mit einer Kontrollfahrt, die zwei Mitarbeiter übernehmen und die die Zentrale per Telefon und Funk über die Lage auf den Straßen und den erforderlichen Räumeinsätzen informieren. Hinweise auf Schnee und Glatteis erhalte die Straßenmeisterei manchmal auch von Bus- und Autofahrern sowie von Anwohnern. Dass darunter auch Anrufe von verärgerten Bürgern seien, will Norbert Schaaf nicht verheimlichen: „Das gibt es jeden Winter. Leute, die sich aufregen, weil noch nicht gestreut wurde und Leute, die sich aufregen, weil gestreut wurde. Es gibt natürlich auch begründete Beschwerden, aber wir tun immer unser Bestes. Wenn wir mal später räumen, dann hat das meist unvorhersehbare technische Gründe.“

Gegen 3 Uhr rücken die Streu- und Räumfahrzeuge aus, „und, wenn absolut erforderlich, läuft der Winterdienst 24 Stunden durchgehend“, sagt Norbert Schaaf. Um darauf vorbereitet zu sein, in welchem Zeitraum beispielsweise mit Glatteis zu rechnen ist, werden mehrmals täglich Meldungen des Wetterprognosesystems „Swiss“ abgerufen. Möglichst genaue Daten zu erhalten, sei wichtig, um schnell handeln zu können. Insbesondere, weil die Wetterverhältnisse, so Schaaf weiter, wegen der unterschiedlichen geografischen Verhältnisse variieren: „In Höhenlagen wie auf der Ottensteiner Hochebene oder am Ith wird es früher glatt als in unteren Lagen. Zwischen den Temperaturen beispielsweise in Bad Pyrmont und in Baarsen können drei bis vier Grad Unterschied liegen.“

Abweichungen werden auch in puncto Kosten verbucht: Viel Salz kostet auch viel Geld. Trotz eines sorgsamen Umgangs mit dem Streusalz seien bislang 2600 Tonnen Salz, die etwa zu je einem Drittel von Bund, Land und Kreis bezahlt werden, in dem von der Straßenmeisterei Hameln betreuten Gebiet verteilt worden: „Das ist recht viel, wenn man bedenkt, dass in einem schwachen Winter, wie beispielsweise im letzten Jahr, nur rund 1000 Tonnen verbraucht werden.“

Alles im Blick und im Griff: Werner Hundertmark ist einer von 55 Straßenwärtern in Rinteln und Hameln.

260 000 Euro habe der Salzverbrauch in diesem Winter schon verschlungen. Eine umweltfreundlichere Alternative zu dem auftauenden Stoff Salz gebe es jedoch nicht, meint Norbert Schaaf: „Versuche haben gezeigt, dass Splitt und Sand zu teuer und uneffektiv sind.“ Man müsse Prioritäten setzen, und an oberster Stelle stehe, nach Umwelt und finanziellen Aspekten, die Verkehrssicherheit. Gestreut werde herkömmliches trockenes Auftausalz, das zur besseren Haftung und Tauwirkung auf den Straßen mit Sole angefeuchtet wird. Ein Streufahrzeug könne, je nach Straßenzustand, pro Quadratmeter 5 bis 40 Gramm dieses Feuchtsalzes ausstreuen. „Bei Schnee sind etwa 20 Gramm pro Quadratmeter erforderlich, bei Reifglätte rund fünf Gramm.“

Nachteinsätze am Stück seien in dieser Saison zwar vorgekommen, „Horrorvisionen“ mit Eisregen, heftigem Wind und starkem Schneefall zum Glück nur begrenzt. Witterungsbedingte Straßensperrungen seien nicht erforderlich gewesen, und abgeschnittene Ortschaften habe es nicht gegeben, sagt Norbert Schaaf. Insgesamt kann ein Vorrat von 1400 Tonnen Salz angelegt werden, davon 800 Tonnen im Depot in Hameln, 600 Tonnen in Emmerthal. Um Engpässen vorzubeugen, werde ständig nachgefüllt.

In Niedersachsen nehmen 73 Straßen- und Autobahnmeistereien mit 600 Fahrzeugen den Winterdienst wahr. 2400 Tonnen Streusalz sind in diesem Winter im Rintelner Zuständigkeitsbereich (Landkreis Schaumburg und Hameln-Pyrmont, nördlich von Hameln bis kurz vor Minden und Obernkirchen und zur Landesgrenze NRW) eingesetzt und 180 000 Euro dafür ausgegeben worden. Karl-Heinz Klages, seit zwei Jahren Leiter der Straßenmeisterei in Rinteln, meldet einen im Vergleich zu dem milden Winter des Vorjahres gestiegenen Verbrauch: 2011/2012 wurden gerade einmal 800 Tonnen Salz gestreut. Kosten: 70 000 Euro. „Wir betreuen eine Strecke von 352 Kilometern, davon 64 Kilometer Bundesstraßen, 118 Kilometer Landesstraßen und 180 Kreisstraßen, außerdem 113 Kilometer außerorts liegende Radwege.“ 27 Mitarbeiter sind in einem festen Streu- und Räumbezirk tätig, neun Großfahrzeuge (vier eigene, fünf von Unternehmen angemietete Fahrzeuge inklusive Fahrern) werden eingesetzt. „Priorität haben beispielsweise Autobahnzubringer wie die B 83 sowie Straßen, auf denen Schulbusse fahren.“ Im Gegensatz zum 24-Stunden-Dienst auf Autobahnen, gebe es keine gesetzliche Räumpflicht, aber zwischen 6 und 22 Uhr sollen alle Hauptverkehrsstraßen befahrbar sei, ergänzt Norbert Schaaf. Aus diesem Grunde überprüfe der Kontrolldienst denn auch schon ab 2 Uhr die Straßen und löse den Winterdiensteinsatz bei Bedarf ab 3 Uhr aus. „Im Regelfall wird kein Rund-um-die-Uhr-Winterdienst versehen, sondern nur in Ausnahmesituationen, wenn nichts mehr geht“, sagt auch Karl-Heinz Klages. „In diesem Winter kam das in unserem Bereich allerdings nicht vor.“ Und weiter: „Zu Beginn der Wintersaison im Oktober hatten wir einen einzigen Streueinsatz, richtig angefangen hat es im Januar – und es zieht sich hin. Wenn man durchgehend Winter hat, dann weiß man, woran man ist. Schwierig ist es bei Temperaturen um null Grad, wo man nicht voraussehen kann, ob es zur Glatteisbildung kommt oder nicht.“ Im Zweifelsfall werde gestreut. „Swiss“-Prognosen und Glatteismeldeanlagen zum Beispiel an der B 83 bei Fischbeck und bei Steinbergen würden ziemlich gute Anhaltspunkte liefern, wie sich die Temperatur der Fahrbahn in den nächsten Stunden entwickeln werde. Eine 100-prozentige Sicherheit auf den Straßen könne trotz aller Maßnahmen jedoch nicht gewährleistet werden: „Letztlich liegt es an den Autofahrern, die Fahrweise den Straßenverhältnissen anzupassen.“

Laut Wetterprognosen soll es ab morgen, Sonntag, etwas wärmer werden – doch in die „Sommerpause“ wird der Winterdienst der Straßenmeistereien deswegen noch nicht gehen können. Denn: Im kritischen Bereich um null Grad muss weiter kontrolliert werden.

Schnee, Glatteis, Minustemperaturen – und das noch Mitte März, nur einige Tage vor dem kalendarischen Frühlingsbeginn. Dieser Winter dauert lang, immer wieder ist es morgens draußen weiß. Der Winterdienst ist im Dauereinsatz. Und hat viel geleistet.




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