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Steht für Qualität: Photo-Struck

Damit Fotos Freude machen

Rinteln. Das Geschäft hatte Hugo Struck schon vor drei Jahren an seinen Sohn Markus übergeben, aber zur Photokina fuhr der Senior 1996 noch selbst. Und bestaunte eine der ersten Digitalkameras: 1,2 Millionen Pixel, für 36 000 Mark. Vater Hugo und Sohn Markus Struck hatten so ihre Zweifel, ob sich die neue Technik durchsetzen würde, waren sich aber in einem Punkt einig: „Wir sind dabei.“

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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Rinteln. Das Geschäft hatte Hugo Struck schon vor drei Jahren an seinen Sohn Markus übergeben, aber zur Photokina fuhr der Senior 1996 noch selbst. Und bestaunte eine der ersten Digitalkameras: 1,2 Millionen Pixel, für 36 000 Mark. Vater Hugo und Sohn Markus Struck hatten so ihre Zweifel, ob sich die neue Technik durchsetzen würde, waren sich aber in einem Punkt einig: „Wir sind dabei.“

Es war ein kluger Entschluss, und er wurde nicht von allen getroffen, die mit der Fotografie ihr täglich Brot verdienten. Vor allem Inhaber von Fotogeschäften, die die 50 schon überschritten hatten, nahmen die neue Technik bestenfalls zur Kenntnis. Ihre Annahme: Bis zur Rente würden sie sich schon durchwursteln, denn die Erfahrung hatte gezeigt, dass sich neue Techniken in der 150-jährigen Geschichte der Fotografie stets und ohne Ausnahme nur sehr, sehr langsam durchsetzen würden.

Es kam anders, ganz anders. Innerhalb von fünf Jahren stand in der Fotografiebranche kein Stein mehr auf dem anderen, die Digitalfotografie hat das gesamte Berufsfeld explodieren lassen, innerhalb eines halben Jahrzehnts war nichts mehr, wie es einst und sehr lange Jahre erschien.

Das Haus Struck hat das Auf und Ab zuweilen deutlich gespürt, aber auch im 94. Geschäftsjahr können Markus und Kerstin Struck am Marktplatz handwerkliche Qualität anbieten, die ihren eigenen Ansprüchen genügen. Und die fallen hoch aus: „Wir wollen alles selbst machen, wir wollen unabhängig von Zulieferern arbeiten, wir wollen den Werdegang selbst bestimmen, und vor allem wollen wir das Ergebnis selbst bestimmen“, sagt Markus Struck, der mit seiner Ehefrau am 1. Januar 1993 das Geschäft übernahm.

Die Firma Photo-Struck wurde 1920 gegründet. Gründer der Firma war Walter Struck, ein gebürtiger Mindener aus einer Familie von Goldschmieden, Graveuren und Kunstmalern. Er erlernte das Handwerk der Fotografie durch seine Tätigkeit als Luftbildfotograf im Ersten Weltkrieg. Einige Jahre darauf zog man in die Brennerstraße 37 und 1930 in das Geschäftshaus am Marktplatz 10. Nach dem frühen Tode von Walter Struck im Jahre 1949 beendete Sohn Hugo seine Ausbildung in Minden und führte das Geschäft mit der Mutter weiter. Dabei hatte Hugo Struck für sich einen ganz anderen Lebensweg vorgesehen: Maurer wollte er werden und dann ins Bauamt der Stadt Rinteln wechseln. Es kam anders, und im Laufe der Jahrzehnte wurde Hugo Struck zu der markanten Gestalt im Rintelner Alltagsleben, die man immer mit einer Kamera in der Hand (oder der Westentasche) in Verbindung bringen sollte.

In den fünfziger Jahren begann die große Zeit der Amateurfotografie. Was lag näher, als dem Atelier eine Fotohandlung anzuschließen? 1963 hat die Familie das Haus Marktplatz 10 endgültig erworben. Nun wurde das Studio auf über 70 Quadratmeter vergrößert und mit den modernsten technischen Hilfsmitteln versehen.

Die achtziger Jahre waren eine Zeit des Umbruchs. Rinteln erhielt einen Marktplatz, der nicht mehr mit dem Auto befahren werden konnte, dann kam die Fußgängerzone. Natürlich habe dies Umsatzeinbußen bedeutet, und zwar größere, erklärt Markus Struck, schließlich seien die Kunden daran gewöhnt gewesen, mit dem Auto bis vor die Tür fahren zu können: parken, rein ins Geschäft, Film abgeben, wieder raus und wegfahren – keine große Sache.

Zugleich begann der Siegeszug der Drogerien. Dort gab es zwar kein ausgebildetes Fachpersonal und keine Kompetenz, aber Filme entwickeln und Bilder abziehen war dort schnell ein Angebot: eintüten, abschicken, fertig. Dass die „großen Bilderfabriken“, wie Struck sie nennt, keineswegs die gleiche Qualität liefern wie das heimische Fachgeschäft, begriffen die Kunden erst nach und nach.

Struck, der seinen Beruf von der sprichwörtlichen Pike auf lernte und sich auch heute noch mit sichtlichem Stolz als echter Handwerker bezeichnet, setzte weiterhin auf Qualität: 1994 gab es eine hochmoderne Entwicklungsmaschine, Porträt- und Industrieaufnahmen wurden im eigenen Hause gefertigt, um eine noch bessere Qualität zu bieten, 2000 zog die elektronische Datenverarbeitung ein. Ein komplettes Netzwerk wurde im Haus installiert, ein Jahr später wird eine der ersten digitalen Entwicklungsmaschinen gekauft. Es ist ein mächtiger Schritt nach vorn: Von nun an können die Kunden ihre Datenträger bei Photo-Struck abgeben oder auf elektronischem Weg übermitteln.

Wie in anderen Berufen auch, ist die Berufsbezeichnung Fotograf heute nicht mehr geschützt, „jeder darf sich Fotograf nennen“, und: „Viele beherrschen das Handwerk nicht mehr.“ Wie auch, wenn es kaum noch Geschäfte gibt, die ausbilden können, denn wer den Sprung zur digitalen Fotografie verpasst hatte, der war ein paar Jahre später nicht mehr am Markt: Der Wind des Wandels wehte mächtig auch durch diesen Geschäftszweig. Fotograf, Fotolaborant, Einzelhandelsverkäufer: Zwei dieser Berufe hat Markus Struck noch selbst mit Abschluss gelernt, daher wird am Marktplatz bis heute ausgebildet.

„Es gibt wohl kaum einen Rintelner, den wir nicht fotografiert haben“, sagt Markus Struck, und nicht nur einmal, möchte man hinzufügen: Man wird zuerst als Baby bei Photo-Struck fotografiert, dann bei der Einschulung, es folgen die Konfirmation und die Hochzeit, und wenig später steht man selbst mit einem Baby im 70 Quadratmeter großen Studio vor der Kamera von Markus oder Kerstin Struck.

Und von noch einem Trend kann Struck berichten: Wer einmal selbst eine Familienfeier fotografiert hat, um das Geld für den Profi zu sparen, der wird alsbald feststellen, dass diese Bilder schnell an Qualität verlieren, und wie es Struck formuliert, „in zehn Jahren nicht mehr ansehbar sind“. Man gibt die nächste Feier daher lieber in die Hände des Profis. Und bei Photo-Struck gibt es einen weiteren Grund: Sämtliche Bilder werden archiviert. Und das Archiv im Hause Struck reicht bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zurück.

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