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Dadaismus in Flegessen: Kultur mit Frosch und Nashorn

FLEGESSEN. Banalitäten als Kultur: Die Gäste von Ulrich Kerntke van Scharrel ließen sich im Hofcafé nur zu gerne entführen in eine vergangen geglaubte Zeit der modernen Lyrik. Er hatte schnell seine Zuhörer in der Wanderscheune in den Bann gezogen, als er seine Lesung mit Friedhelm Kändlers „Poesie“ einleitete.

Ulrich Kerntke van Scharrel aus Negenborn begeistert in der Flegesser Wanderscheune. Foto: Honig

Autor

Gerhard Honig Reporter

Nach dem abgedrehten Motto „Poe-ich, Poe-du, Poe-er, Poe-sie und Poe-es“ ging es um viel Skurriles und viele Blödeleien. Schon im zweiten Titel, ebenfalls von Kändler, „Dornröschen“, das aber als „Dorn-röschen, nicht als Rös-chen“ gesprochen wurde, lief Kerntke zu dramatischer Hochform auf, begleitet vom Gelächter seines wohlgesonnenen Publikums. Ein dicker grüner Gummifrosch spielte in dem Stück die Hauptrolle, alleinen schon weil sich der Plural „Frösche sehr gut auf „Dornröschen“ reimt.

Als ruhender Pol in den kurzen Pausen zwischen den skurrilen Reimen und Balladen begleitete Michael Stude auf dem Piano mit alten Stücken wie „Tom Dooley“, „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein“, mit Freddy-Quinn-Romanzen oder dem „Mitternachtsblues“. Der Musiker gewährte in der Pause sogar Einblicke in seine Sammlung alter Notenblätter von Schlagern aus den Fünfzigern und Sechzigern – eine kurzweilige Pause, bei der interessierte Betrachter in Erinnerungen aus der Jugendzeit schwelgen konnten und dies auch entsprechend kommentierten.

Kerntke fuhr schließlich fort mit Versen von Joachim Ringelnatz, Christian Morgenstern, des Dadaisten Kurt Schwitters und wieder Kändler, bevor er zum Abschluss bei Harry Rowohlt und Heinz Erhardt landete, dessen „Nashorn“ nicht fehlen durfte.

Kerntke van Scharrel hatte als eine seiner wenigen Requisiten ein Modell von Duckdalben mitgebracht, auf dem er eine Möwe Platz nehmen ließ. Alles nur als Anspielung auf ein Gedicht von Ringelnatz, in dem der „Duc d’Alba“ als Namensgeber dieser in jedem Hafen vorkommenden maritimen Bauwerke vorkam. Ein weiteres Requisit war ein schlichter Holzklotz, der nach „einem Stips als Reh aus Gips“ vom Tische fiel. Nachdem zum Schlussapplaus eine Zugabe gefordert wurde, gab er noch eine Reihe von Zweizeilern von Umbach, Schwitters und wieder Kändler zum Besten.

Eingangs hatte Astrid Werner vergeblich versucht, die Gäste zum Tanzen nach den Melodien von Michael Stude zu animieren. Vielleicht war das literarische Moment zu fesselnd. Kerntke wiederum kündigte unter Beifall eine weitere Lesung an, dann aber mit Geschichten erotischen Inhalts.



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