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Insassen des "Arbeitserziehungslagers" Eilsen erlebten Fürchterliches / Für den Holländer Anton Traas wird Willy Honebein zum Retter

"Da schlug ihn der Wachmann mit dem Axtstiel halb tot"

Bad Eilsen. Ein ehemaliger Strafgefangener aus dem "Arbeitserziehungslager Eilsen" hat jetzt seine Leidensgeschichte erzählt: Willy Honebein aus Bad Eilsen, Bürgermeister nach dem Zusammenbruch, holte Anton W. Traas damals aus dem Lager ...

Anton W. Traas

Autor:

Fritz Winkelhake

Prinz Heinrich zu Schaumburg-Lippe schreibt in seinem Tagebuch am 25. Mai 1945: "Im Harrl arbeiteten Leute aus dem Lager Eilsen in der Forst. Einem zerbrach ein Axtstiel. Der Wachmann schlug ihn mit dem Axtstiel scheinbar tot und gab den Auftrag, ihn zu vergraben. Da sich herausstellte, dass er sich noch etwas bewegte, ließ man den Kopf frei. Nach zwei Tagen befreite sich der Mann aus eigener Kraft. Eine Frau aus dem Lager durfte nicht im selben Raum mit ihrem kranken Kind schlafen. Als sie nachts doch hinüberging, wurde sie aufs Schwerste misshandelt, dabei bekam sie eine Frühgeburt und wurde nach sieben Stundenwieder zur Arbeit angestellt." Eineältere Bürgerin aus Ahnsen berichtete, dass sie mit ihrer Mutter beim Vorbeigehen am Lager versucht hatte, den Häftlingen etwas zuzustecken. Man drohte aus der Wachmannschaft heraus mit Einweisung ins Lager, wenn sich das wiederholen würde. Auch die versuchte Betreuung einer im Kurmittelhaus "niedergekommenen" Gefangenen aus dem Lager wurde sofort mit Bestrafung durch die Gestapo bedroht. Als Anton Traas eines Tages am Bahnhof eingeteilt war, gab es Luftalarm, und die Bewacher suchten mit den Gefangenen Schutz in der Werkstatt "Eisenkonstruktion Honebein". Traas als Fachmann begann sofort, in der Werkstatt mitzuarbeiten. Ein dort beschäftigter A. Rötte (in Aachen ausgebombt) riet ihm, sich mit dem Chef, Willy Honebein, zu unterhalten, da er dringend Fachleute benötigen würde. Honebein nahm Kontakt mit der Gestapo auf und es gelang ihm, Anton Traas einige Wochen aus dem Lager frei zu bekommen. "Ich erhielt heimlich etwas zu essen von Frau Honebein (was eigentlich verboten war). Schließlich wurde ich am 16. Februar auf Antrag Willy Honebeins zur Arbeit in seiner Firma aus dem Lager entlassen und durfte bei der Schwester Willy Honebeins an der Friedrichstraße wohnen (Villa Großkopf)," so erzählt Traas. Bei Willy Honebein durfte er dann bis zum Zusammenbruch des NS-Staates arbeiten. Anton Traas erinnert sich daran, dass ein polnischer Offizier im Jeep als Befreier erschien, und zwar am 8. April um 15.15 Uhr. Bis zum 10. April, so Anton Traas, wurde in Richtung Buchholz-Steinbergen noch geschossen. "Am 9. April war ich frei. Herr Honebein hatte mich gebeten, sein Dolmetscher zu sein. Ich sagte gerne zu und erhielt einen Schnaps und eine Zigarre. Herr Honebein ließ sich von mir unterschreiben, dass ich vom Februar an bei ihm gearbeitet hatte und es mir dort gut gegangen sei. Er war kein Nazi, das merkte ich. Zuletzt hatte ich noch Glück im Unglück. In der Werkstatt traf mich ein Unfall. Es stürzte eine große Stahlplatte vom Arbeitstisch auf meinen Fuß. Der Fuß wurde von einem Militärarzt beurteilt und verbunden. Ich konnte kaum gehen. Die Deutschen nahmen kurz vor Einmarsch der Amerikaner und Engländer auch die "Nicht-Gefangenen" mit gen Norden. Ich konnte nicht gehen. So blieb ich in der Werkstatt bei Herrn Honebein". Zunächst gab es für die Deutschen eine Ausgangssperre. Alle Häuser hissten eine weiße Fahne. Fotoapparate, Dolche, Flinten und Munition mussten abgeliefert werden. Zum Einkaufen durfte man von 8 bis 10 Uhr auf die Straße. Wir Ausländer durften auch außerhalb der Sperrzeit auf der Straße sein. Ich hatte aus Stoff eine holländische Fahne auf meine Jacke genäht. Weil es Tausende Ausländer gab, die wieder heimwärts gingen, waren die Straßen ,überwuchert'. Man lief, man fuhr, man zog Karren. Das störte die Amerikaner und Engländer bei ihren Fronttransporten. Die Ausländer wurden deshalb in Kasernen untergebracht. So kam ich langsam über Gronau über die holländische Grenze zurück nach Haus". Anton Traas lebt heute in seiner Heimat und bemüht sich, seine Erinnerungen an die Nazizeit aufzuarbeiten. So kamen seine Erinnerungen auch zu uns nach Bad Eilsen.



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