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NDZ-Interview mit Günther Sigl von der Spider Murphy Gang / „Mir san a bayrische Band“

„Chuck Berry hat praktisch mein Leben verändert“

„Unter 32-16-8 herrscht Konjunktur die ganze Nacht“, sang Günther Sigl und verriet Ende 1981 die wohl begehrteste Telefonnummer Deutschlands. Doch nicht jeder hatte die Nummer von „Rosi“ in seinem Notizbuch.

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„Der Song löste bei einigen Leuten blankes Entsetzen aus, wurde kaum gespielt und stand beim Bayrischen Rundfunk wegen seiner frivolen Thematik sogar auf der schwarzen Liste. Das legte sich aber schnell wieder“, erklärte uns Bassist und Sänger Günther Sigl, der bereits 1977 zusammen mit Gitarrist Gerhard Gmell („Barny Murphy“), Schlagzeuger Franz Trojan und Keyboarder Michael Busse die „Spider Murphy Gang“ gründete.

Günther: Wir spielten zunächst Rock’n’Roll-Coverversionen von bekannten Bands und Musikern, bevor wir im Schwabinger Musikclub „Memoland“ von Bayern1-Radiomoderator Georg Kostya in seine Sendung „Rockhouse“ verpflichtet wurden. Der Georg hat uns in den Anfangstagen so manches Türchen geöffnet. Das war ein toller Anfang, denn in seiner Sendung traten auch Künstler wie Konstantin Wecker, Inga Rumpf oder Sigi Schwab auf.

Danach ging alles rasend schnell. Produzent Harald Steinhauer wurde auf die Band aufmerksam und fädelte einen Platten-Deal mit der EMI ein.

„Wir werden noch ein paar Jahre weitermachen“, versp
  • „Wir werden noch ein paar Jahre weitermachen“, versprach uns Günther während des Interviews.
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Günther: Das war schon eine verrückte Sache. Wir fuhren in unserem alten Tourbus ins Kölner Studio und spielten in wenigen Tagen unser erstes Album „Rock’n’Roll Schuah“ ein. Alle eingespielten Stücke waren schon live-erprobt, insbesondere der gleichnamige Song „Rock’n’Roll Schuah“ gehört bis heute zu meinen Lieblingsstücken. Immerhin haben wir von unserem Debüt 50 000 Alben verkauft.

Die Hitfabrik der Spiders fährt Doppelschichten, produziert einen Hit nach dem anderem. Nach dem „Skandal“ folgt gleich der nächste Aufreger: Als zweite Single wird „Schickeria“ nachgeschoben – die Abrechnung mit der hochnäsigen bayerischen „Bussi-Gesellschaft“ löst erneut einen mittelschweren Skandal aus. Der „Skandal“ holt die „Schickeria“ ein, das Album „Dolce Vita“ katapultiert auf Platz 1 der Album-Charts und geht rund eine Million Mal über die Ladentische, von der Single „Skandal im Sperrbezirk“ werden 750 000 Stück verkauft.

„Wo bist Du?“, „Ich schau Dich an“ – die Hits der SMG gibt es in einer Japan-Ausgabe, der „Skandal“ macht in einer spanischen Cover-Version die Runde und „Peep, Peep“ wird an der Copacabana auf einem Sampler mehr als 500 000 Mal verewigt.

Günther: Das lag mehr oder weniger daran, das „Peep Peep“ in Brasilien natürlich eine ganz andere Bedeutung hatte. Obwohl unsere Songs in Spanien, Japan und auch Brasilien gespielt wurden, sind wir niemals dort aufgetreten. In dieser SMG-Hochzeit konnten wir nicht einmal den deutschen Markt flächendeckend bedienen. Uns fehlte ganz einfach die Zeit für derartige Auslandsausflüge.

Dennoch, 1983 erhält die Spider Murphy Gang die Einladung zu einem „Rock’n’ Roll-Rendezvous“ der besonderen Art. Als erste erfolgreiche Band aus Westdeutschland flatterte der Formation eine Einladung zu einer DDR-Tournee ins Haus. Noch bevor Panik-Udo sein Ticket für den „Sonderzug nach Pankow“ löste, öffnete sich für die Bayern der Eiserne Vorhang. Die Tournee wird zum Medienspektakel, in Erinnerung an diese außergewöhnliche Tour veröffentlichte die Band das Lied „Mädchen drüben“, das vom damaligen Schlagzeuger der Band, Franz Trojan, gesungen wurde.

Günther: Schon während der Tour haben uns die Fans Zettel zugesteckt und uns um Mithilfe bei Ausreiseanträgen gebeten. Wir haben uns darauf hin mit dem damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß in Verbindung gesetzt, der sich dann im Nachhinein für einige DDR-Bürger eingesetzt hat. Später haben wir erfahren, dass einige DDR-Bürger auch tatsächlich ausreisen durften.

Es folgen die Alben „Scharf wi a Peperoni“, „Wahre Liebe“ – zum zehnjährigen Bandjubiläum erscheint 1987 das Album „Überdosis Rock’n’ Roll“. Die Spider Murphy Gang avanciert in den folgenden Jahren zu einer der beliebtesten Live-Bands Deutschlands.

25 Jahre Rock’n Roll – die vier Geburtstagskonzerte 2002 im „Circus Krone“ sind in kürzester Zeit ausverkauft. Mit dabei sind: Peter Kraus, Sportfreunde Stiller, Willy Astor und Michael Mittermeier. Zum Jubiläum erscheint die CD „Radio Hitz“. Fast alle Songs wurden von Günther Sigl geschrieben. Produziert hat wieder Harald Steinhauer, der auch für die erfolgreichen LPs der Anfangszeit verantwortlich war.

Im Rahmen ihres 30-jährigen Bestehens lässt die Spider Murphy Gang beeindruckend ihre Erfolgsgeschichte Revue passieren – mit dabei: Willy Astor, Klaus Eberhartinger, Ringswandl, Bana Fishbones und Viva Voice. Besonders freut sich Günther Sigl jedoch, wenn er mit seinen Idolen aus den 60er- und 70er Jahren auf der Bühnen stehen darf.

Günther: Das ist immer etwas ganz besonderes für mich. Wir haben schon oft mit der Suzi, Slade oder Smokie im Rahmen eines großen Oldiefestivals auf der Bühne gestanden – der Hammer war jedoch, als „Barny“ und ich unser Idol Chuck Berry in München getroffen haben.

Da haben wir praktisch da gestanden wie die kleinen Buben. Chuck Berry hat mein Leben verändert. Wir spielen noch heute gern „Rock’n’Roll Music“ oder andere Songs von ihm. Ganz besonders stolz sind wir, dass wir neben den Scorpions die einzige deutsche Band sind, die auf seiner Website unter „Covered Berries“ einen Eintrag erhalten haben.

Wenn sich Günther Sigl mal nicht die „Rock’n’Roll-Schuah“ anzieht, unternimmt er in seiner freien Zeit ab und an kleine Ausflüge in die Welt der Malerei. Insbesondere zur impressionistischen Malerei fühlt sich der Sänger hingezogen.

Günther: Im letzten Jahr habe ich in Paris eine Ausstellung von Claude Monet besucht. Auch die Gemälde und Grafiken von Wassily Kandinsky mag ich gern. Ich war auch vor kurzem in seiner Ausstellung im Münchner Museum.

Mehr als 30 Jahre „on the road“, den Rucksack voll gestopft mit Rock’n’Roll-Perlen – das letzte Kapitel der Spider Murphy Gang ist noch lange nicht geschrieben – eine hoffentlich „Neverending Story“ geht in die nächste Runde. „It’s Only Rock’n’Roll, But We Like It“, Jungs.its

Günther Sigl – Gründungsmitglied, Bassist und Sänger der Spider Murphy Gang

„Barny“ und Willie Duncan (von rechts) bei der Arbeit.



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