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Christa Westphal erinnert sich an ihre Kindheit in Springe

SPRINGE/VÖLKSEN. Damals, sagt Christa Westphal, brauchten die Kinder nicht viel, um glücklich zu sein. Nach der Schule ging es raus auf die Straße und dann wurde Ball gespielt – oder beim Bauern Bormann verbotenerweise Heuburgen gebaut, erinnert sich die 78-Jährige, die heute in Völksen wohnt.

Christa Westphal wohnt heute in Völksen. Sie hat in Springe ihre kaufmännische Ausbildung im Betrieb Wolf und in der Berufsschule absolviert und hat die Entwicklung der Kernstatdt immer intensiv verfolgt. FOTO: HELMBRECHT
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Ihre Kindheit hat sie in Springe verbracht.

„Wir hatten nie Langeweile“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Mal verwandelte sich im Winter der Vorplatz der St.-Andreas-Kirche in eine Rodelbahn, oder es wurde auf der „Schurrebahn“, einer längeren Eisstrecke, ab der Bürgermeister-Peters-Straße gerutscht. Nicht nur mit ihrer Clique, auch mit der sogenannten Jungschar, einer kirchlichen Jugendgruppe, war sie unterwegs. „Irgendwas musste man ja machen.“

Und weil das Geld knapp war, gab es maximal einen Schokokuss für zehn Pfennig am Kiosk. Hatte sie sich mal Trinkgeld beim Zeitungsaustragen verdient, wurde für fünf Pfennig bei Eis Jochim, der an der Friedhofsmauer Völksener Straße stand, eine Kugel Eis geholt. „Und die hat sogar bis zum Bahnhof gereicht, so sparsam waren wir mit dem Essen.“

Eine Selbstverständlichkeit war damals noch die Teilnahme am Konfirmandenunterricht und sofort erinnert sich die 78-Jährige an den strengen Pastor. „Auch vor den Kirchenvorstehern hatten wir mächtig Bammel, das waren richtige Respektspersonen.“ Die Prüfung, die damals ebenfalls vor jeder Konfirmation Pflicht war, haben aber trotzdem alle bestanden. Und Zeit für Hausaufgaben blieb ebenfalls noch: „Heute sind die Kinder zeitlich so eingebunden, da ist nichts mehr mit Spielen.“ Ein Fan vom Schützenfest war sie allerdings nicht, das fand damals noch auf dem Tivoliplatz statt. „Einmal durfte ich mit meinem Cousin hingehen, alleine war das verboten.“ Ärger, etwa über die Lautstärke der Feiernden, gab es nicht. Eine große Vereinskultur habe dafür noch nicht geherrscht. „Wir Kinder waren uns selbst überlassen.“ Mal ins Café oder Restaurant gehen? „Undenkbar, uns fehlte das Geld.“ Gespielt wurde mit Puppen oder einer ausgestopften Katze, die mit Garn von den Kindern hinterhergezogen wurde.

Dafür hat sie gleich drei Mal einen Tanzkurs belegt, weil oft Mädchen-Mangel herrschte. „Beim letzten Kurs habe ich dann meinen Mann kennengelernt.“ So hat sie 1962 in Springe dafür gesorgt, dass zum zweiten Mal überhaupt eine Doppelhochzeit gefeiert wurde.

Nach ihrem Abschluss an der Volksschule begann sie 1955 ihre dreijährige Lehre bei Wolf und ging zur Berufsschule in Springe bei Lehrer Dietzel: Wo sich jetzt ein leer stehendes Restaurant am Niederntor 7 befindet, gab es in den 50er-Jahren ein Spielwaren-, Porzellan, Haushalts- und Glaswarengeschäft, wo Westphal ihre kaufmännische Ausbildung machte. „Die vielen kleinen Betriebe sind heute alle weg“, bedauert sie. Das Stadtbild habe sich in den Jahren immens gewandelt. Von Feinkost Bethmann, der Kegelbahn Friese, dem Bäcker Hüper oder Maurer Bormann stehen heute nur noch die Häuser direkt in der Innenstadt. Und es gab sogar noch einen Hutmacher und einen Tierpräparator. „Unsere Milch haben wir bei Howind geholt.“

Bis 2001 hat sie in Springe gewohnt, dann zog sie nach Völksen. Während es früher zahlreiche Lebensmittelgeschäfte gab, gibt es heute im Zentrum keinen einziges. „Ich hoffe daher, dass sich die Pläne von Investor Othmer wirklich umsetzen lassen.“



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