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Ensemble mit ungewöhnlichem Passionskonzert

Chortheater in St. Martini

Stadthagen (dis). Auf ansprechende Weise hat das "Vokalensemble Stadthagen" in der gut besetzten Martinikirche die Passionsgeschichte in ein besonderes Licht gerückt.

Unter dem Titel "Bleibet hier und wachet mit mir" zeigten die renommierten Sängerinnen und Sänger unter Leitung und Mitwirkung von Kantor Christian Richter ein crossmediales Stück mit Gesang, Pantomime, Tanz und Rezitationen von konventionellen und aktuellen Texten. Die Entwürfe stammten teilweise von den Akteuren und griffen somit auf Erlebnisse und Erfahrungen der Mitwirkenden unmittelbar zurück. Außerdem verbandelte die Crew schillernd "alte" und "neue" Musik. Für den hiesigen Raum war dieses unter die Haut gehende "Chortheater" in der Regie und Choreographie des gebürtigen Niederländers und Wahlschweden Jaap Knevel eine Premiere - und die Neugier darauf nicht unbeträchtlich. Mit dem Lied der Ost-Samen, "O allsmäktige fader", zog die dunkel gekleidete Mannschaft ausdrucksbewusst singend und trommelnd in das Kirchenschiff ein, um sich dann auf der eigens für sie errichteten Bühne unter mächtig aufwallenden Orgelklängen von Tunders "Praeludium in g" zu versammeln. Auch die folgenden Orgelabschnitte bildeten eine lebendige Hinführung zu den vokalistischen und darstellerischen Vorträgen. Die "Königin der Instrumente" bediente bei dieser ebenso ungewöhnlichen wie imponierenden Veranstaltung übrigens mit Spürsinn Martin Küssner. Almut Hentschel Dis selkamp hingegenübernahm die Violoncello-Parts und konnte unter anderem in Kuhnaus "Tristis est anima mea" mit sonorem Ton aufwarten. Das unkonventionelle, doch sinnfällig zusammengetragene Programm beinhaltete Werke von Bach, Brahms und Eccard genau so wie Modernes aus der Feder Störbys, Parettis, de Klerks und weiteren Kapazitäten sowie Dichterisches ganz eigener Art. Insgesamt handelt es sich da auf den ersten Blick zwar um eine gewagte Gegenüberstellung, doch aus den Kompositionen und der selbsterdachten oder von Hammarskjöld und Kollegen stammenden Literatur sprach eine unmittelbar überzeugende Aufrichtigkeit, die manche lange Predigt in den Schatten stellte. Dank ihrer unermüdlichen Koordinatoren Richter und Knevel besaß das stets in Bewegung gehaltene Team den richtigen Sinn für diese ungewöhnliche Aufführungspraxis. Geschickt im Raum verteilte Gruppen ließen ausgeleuchtete Klangspektren zu, und Momente intensiver stiller Klage hielten die Darbietung in Balancezwischen Außenwirkung und Innerlichkeit. Nach drück lich kam dieses bei dem sowohl gesprochenen als auch pantomimisch zelebrierten "Vater unser" zur Geltung. Dankbarer Applaus und stehende Ovationen waren ein Plädoyer für eine ebenso eindrucksvolle wie aus dem Rahmen fallende Einstudierung.




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