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Gästeführerin Monika Werner führt Interessierte auf Einladung des CDU-Ortsverbandes durch Nettelrede

Cherusker, Nesseln und der Heilige Dionysius

Nettelrede (gho). „Ein Dorf im Wandel der Zeit“ – gut zwanzig Nettelreder und Gäste lauschten jetzt gebannt den fundierten Ausführungen von Gästeführerin Monika Werner während eines anderthalbstündigen Rundgangs durch den Ort. Der CDU-Ortsverband Nettelrede-Luttringhausen hatte eingeladen.

Sie ließen sich von Monika Werner (r.) die Geschichte des Dorfes

Werner spannte einen großen Bogen von der Entstehungsgeschichte Nettelredes bis zur Gegenwart – von den Cheruskern, die im damals voll bewaldeten Deister-Süntel-Tal lebten, über die Sachsen 300 nach Christus bis zu den ersten Siedlern, denen es hier gefallen hatte, nachdem sie viele „Netteln“ (Nesseln) gerodet hatten und dem Ort damit seinen Namen gaben.

Ausgangspunkt der Exkursion war jener Platz ganz oben im Dorf, an dem es Wasser gab, an dem die ersten fünf Höfe entstanden und der deshalb Fünfhausen hieß.

Die Zuhörer hörten viele Geschichten und Anekdoten, die sich um Höfe, Betriebe und Familien rankten, manche älteren Semester konnten die Ausführungen der Gästeführerin noch aus eigener Erinnerung ergänzen. Schon 1845 habe sich eine Wassergenossenschaft gegründet, die von einem höher gelegenen Brunnen das Wasser in Holzrohren an etwa 40 Feuerstellen verteilte. Mägde mussten das Wasser dann in Schwerstarbeit eimerweise in die Häuser tragen.

Auch war die Rede von den Handwerksbetrieben um 1910, als es vier Schmiede, zwei Schuster, drei Schneider, sieben Tischler und einen Maurermeister gab. Der größte Betrieb heute sei die Tischlerei Wehrhahn. Sehr ausführlich schilderte Werner die Kirchengeschichte beim Halt an und in der Kirche, die dem Heiligen Dionysius gewidmet ist. Hier ließ Carsten Werner die 1999 sanierte Giesecke-Orgel erklingen. Aus den Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern wusste die Gästeführerin beispielsweise, dass im Jahr 1628 acht Kinder geboren, aber 109 an der Pest gestorben seien. Die Einwohnerzahl Nettelredes sei nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Zuzug der Flüchtlinge um das Doppelte gewachsen, und mit dem Wirtschaftswunder entstanden viele neue Eigenheime.

Seien noch vor 50 Jahren zehn Handwerksbetriebe und sechs Geschäfte ansässig gewesen, seien 1997 außer der schon erwähnten Tischlerei und einigen Landwirten keine mehr da gewesen. Das Leben im Ort ginge aber heute dennoch weiter, die Erwerbstätigkeit habe sich nur gewandelt: ein Hofcafé, eine Friseurin, Fußpflegerinnen, eine Krankengymnastin, EDV-Fachleute, ein Fenster- und Türenbauer, eine Goldschmiedin und ein Autodesigner verdienen heute ihren Unterhalt in Nettelrede. Und dass das Vereinsleben noch lebendig sei, könne man bei den diversen Festen im Ort erleben. Ortsverbandsvorsitzender Rainer Klockemann dankte am Ende der Tour an Volkers Hof nicht nur Monika Werner, sondern auch den Teilnehmern der „wissenswerten Exkursion“.



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