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„Wir haben Stimmen abgegeben“

CDU-Vize Kuhlmann ärgert AfD-Ergebnis

BAD PYRMONT. Selbst im traditionell konservativ wählenden Bad Pyrmont hat die CDU die Landtagswahl verloren. CDU-Vize Walter Kuhlmann machte das zum Teil auch an einen Stimmenverlust zugunsten der AfD fest. „Diese Stimmen haben wir an die AfD abgegeben, wer sonst“, reagierte er am Montag verärgert auf dieses Ergebnis.

Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Freier Mitarbeiter zur Autorenseite

Eine der großen Überraschungen des Wahlabends war für viele nicht nur, dass die SPD und ihr Kandidat Ulrich Watermann sich deutlich von der CDU und deren Kandidatin Petra Joumaah im Gesamtergebnis des Wahlkreises abgesetzt haben, sondern dass die Sozialdemokraten auch die eigentlich traditionell konservativ wählenden Pyrmonter überzeugt haben, ihre Kreuzchen ihnen zu geben.

Für den stellvertretenden CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Walter Kuhlmann hat das einen Hauptgrund. „Der Trend aus Berlin hat bis zur Basis durchgeschlagen“, zog er gestern eine erste Bilanz und machte einen weiteren Grund aus, kombiniert mit leichter Kritik: „Das, was die Parteifreunde in Berlin auf den Weg gebracht haben, ist nicht beim Bürger angekommen.“

Wir haben einen engagierten Wahlkampf für Frau Joumaah geführt.

Walter Kuhlmann, CDU-Vorstand Bad Pyrmont

Die am Sonntagabend aufgekommene Frage, ob Petra Joumaah, anders als bei der Wahl vor vier Jahren, eine Ursula Körtner als starke Unterstützerin gefehlt habe, wollte Kuhlmann so nicht beantworten. „Sicher war Frau Körtner seinerzeit bekannter als Frau Joumaah und hat ihr vor vier Jahren geholfen, sie in Bad Pyrmont bekanntzumachen, aber wir haben auch dieses Mal einen engagierten Wahlkampf für sie und die CDU geführt und nicht weniger Veranstaltungen als sonst organisiert“, so der Parteivize, der schätzt, dass die jüngste Wahl die etwa 50. war, die er in der Kurstadt verantwortet hat. „Und wir hatten genug Mitstreiter, auch wenn Frau Körtner sich dieses Mal aus gesundheitlichen Gründen vom Wahlkampf abgemeldet hatte“, ergänzte er.

Eines ärgere ihn am Wahlergebnis allerdings besonders: Das relativ starke Abschneiden der Alternative für Deutschland (AfD), deren Kandidatin Delia Klages in Bad Pyrmont 7,9 Prozent der Stimmen holte. Bei den Zweitstimmen für die Partei liegt der Anteil mit 8,2 Prozent sogar noch höher. „Diese Stimmen haben wir an die AfD abgegeben, wer sonst“, zeigt sich der Christdemokrat überzeugt und überrascht, dass dies angesichts der Affäre um den Pyrmonter Augenarzt und AfD-Politiker Dr. Eckhard Reichenbach möglich gewesen sei. „Auch das werden wir uns kommende Woche im Parteivorstand genauer ansehen und analysieren“, kündigte er an. Natürlich werde man versuchen, in Bad Pyrmont die Wähler der AfD politisch zurückzuholen. Ob sich das auch auf die kommunalpolitische Arbeit auswirken werde, sei Sache der Ratsfraktion.

Genau das, nämlich eine „gradlinige Politik“ in Bad Pyrmont macht die SPD-Fraktionsvorsitzende Heike Beckord als einen Grund für den Wahlerfolg ihrer Partei in der Kurstadt aus. „Wir nehmen Kontakt auf mit den Entscheidungsträgern und unterhalten uns mit ihnen.“ Als Beispiel nannte sie den ins Leben gerufenen Wirtschaftsbeirat, der am Montagabend das erste Mal tagte. Mit Kuhlmann zeigte sich Beckord in soweit einig, dass auch ihrer Meinung nach die politische Stimmung im Land und im Bund eine große Rolle gespielt habe. „Schon bei der Bundestagswahl haben wir in Bad Pyrmont besser abgeschnitten als sonst.“ Der Blick der Sozialdemokraten fiel am Wahlabend auf einige spezielle Wahllokale. „Wenn wir das Oberdorf von Löwensen so fulminant holen, wie dieses Mal, wissen wir, dass eigentlich nichts mehr schiefgehen kann.“

Beckord freute sich, dass auch Petra Joumaah der Sprung in den Landtag noch gelungen ist und Watermann mit ihr weiterhin im Interesse des Wahlkreises zusammenarbeiten könne. „Das hat auch bisher gut funktioniert“, sagte sie. Das ist ein Trost, den sich sicherlich auch Walter Kuhlmann zu eigen machen kann.




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