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Kreisvorsitzender Otto Deppmeyer spricht im Interview von „zwei interessierten Personen“

CDU hält Landrats-Kandidaten vorerst geheim

Hameln-Pyrmont. Otto Deppmeyer will die CDU im Landkreis aus dem Tief herausholen und auf die Kommunal- und Landratswahl im nächsten Jahr einstimmen. Deshalb hat sich der Landtagsabgeordnete um die Nachfolge des Ex-Bundestagsabgeordneten Hans Peter Thul beworben und sich einer Kampfabstimmung mit dem JU-Kreisvorsitzenden Matthias Koch gestellt. Dewezet-Redakteur Hans-Joachim Weiß sprach mit Otto Deppmeyer über seine Ziele und Pläne als CDU-Kreisverbandsvorsitzender.

Herr Deppmeyer, Sie mussten sich, um CDU-Chef zu werden, mit der Jugend messen. Was war das für ein Gefühl?

Das war ein ganz normales Gefühl, denn bei Vorstandswahlen ist es nichts Außergewöhnliches, wenn es mehr als einen Kandidaten gibt. Es hat lediglich unterschiedliche Interessen in den einzelnen Verbänden der Kreis-CDU gegeben. Das hat sich ausgewirkt.

Belasten diese unterschiedlichen Ausrichtungen Ihre künftige Arbeit?

Da in diesem internen Wahlkampf die Verbände, die meinen Konkurrenten unterstützt haben, immer wieder deutlich gemacht haben, wie zufrieden sie mit meiner politischen Arbeit sind, gehe ich davon aus, dass mein Appell zur Zusammenarbeit angenommen wird.

Wie wollen Sie die Kreis-CDU neu positionieren?

Kommunalwahlen sind immer eine Stärke der CDU gewesen. Auch in Hameln-Pyrmont gab es sehr gute Zeiten. Ziel muss es einfach sein, an diese Zeiten wieder anzuknüpfen. Dazu bedarf es einer einheitlichen Partei und einer Vielzahl guter Kandidaten.

Wo sollen bei der Politikverdrossenheit diese Kandidaten herkommen?

Hier sprechen Sie ein Problem an, das vorhanden ist. Richtig. Deshalb kommt es darauf an, geeignete Kandidaten zu finden, die die CDU-Interessen vertreten, in den Parteivorständen mitarbeiten und die Bürger überzeugend ansprechen. Dass es schwer ist, sie zu finden, ist auch richtig. Dass es aber möglich ist, haben wir bei der letzten Wahl gesehen, und das wird auch wieder so sein.

Ihre Kandidaten müssen Themen und Ziele vertreten. Welche Themen wollen Sie für die CDU auf Kreisebene besetzen?

Die unterscheiden sich nicht so sehr von den Themen auf Landes- und Bundesebene. So ist in den letzten Jahren zu Recht ein Schwerpunkt auf Bildung gelegt worden. Das gilt auch für uns, und das zeigen wir auch im Kreistag. Wir fühlen uns für die vorschulische Bildung verantwortlich, aber auch für die Grundschulen sowie die Haupt- und Realschulen. Das Ziel, auf diesem Gebiet auch im Zuge des demografischen Wandels gut aufgestellt zu sein, werden wir weiterverfolgen. Aber es gibt noch viel zu tun.

Apropos viel zu tun: Die Kreis-CDU hat sechs Jahre im Dornröschenschlaf gelegen. Ist es nicht primäre Aufgabe, die Partei zunächst wachzuküssen? Bildung allein reicht doch da nicht.

Bildung allein reicht sicher nicht. Ein weiteres Thema wäre die Energieversorgung, schließlich haben wir das Atomkraftwerk in Grohnde. Wir müssen vom Kreisvorstand, von unseren Verbänden und über unsere Kandidaten dafür sorgen, dass dem Wähler klargemacht wird, wo die großen Unterschiede in den einzelnen Sichtweisen der Parteien liegen. Dann bin ich überzeugt, dass wir Chancen haben, voranzukommen.

Das habe ich jetzt nicht verstanden – wie wollen Sie denn nach vorne kommen? Mit Kernenergie? Oder ohne?

Die Bundes-CDU hat entschieden, dass in Deutschland keine neuen Kernkraftwerke mehr gebaut werden sollen, sondern sie verfolgt das Ziel, einzelne Kernkraftwerke etwas länger am Netz zu lassen, als es die Beschlusslage ist. Mein Ziel ist, dem Wähler deutlich zu machen, dass wir mit einer überschaubaren Laufzeitenverlängerung verhindern können, dass fossile Kraftwerke neu gebaut werden müssen und dass wir die Brücke zu erneuerbaren Energien schaffen können.

Dieses CDU-Vorhaben ist seit der Landtagswahl in NRW Geschichte, weil sich die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat geändert haben ...

... hierüber gibt es unterschiedliche Ansichten, wie das bewegt werden kann. Nämlich, dass auch ein Bundestagsbeschluss allein genügen kann.

Und mit diesen Themen wollen Sie bei den Wählern punkten?

Ich kann nur darauf verweisen, dass wir im Landkreis im Zusammenhang mit dem Kernkraftwerk in Grohnde bisher keine Auffälligkeiten festzustellen hatten und es hier in der Region eine große Zahl von Befürwortern gibt. Und schließlich handelt es sich um ein Kernkraftwerk, das hervorragend läuft.

Herr Deppmeyer, warum haben Sie die Kreis-CDU eigentlich nicht schon eher übernommen?

Es macht wenig Sinn, rückwärtsgerichtet zu diskutieren. Ich möchte nach vorne gucken. Der Unterschied zum bisherigen Vorsitz besteht darin, dass ich hier kommunal verankert bin. Und dieses wird dazu führen, dass die Partei künftig mehr ausgerichtet wird auf die kommunalen Belange.

Kommunal verankert waren Sie ja auch vorher. Spielt es da nicht doch eine Rolle, dass Sie sich als CDU-Kreisvorsitzender bessere Perspektiven in der CDU-Landtagsfraktion versprechen?

Diese kommunale Verankerung gilt für mich, nicht für meinen Vorgänger. Deshalb wird sich nun einiges tun. Wenn Sie mich jetzt fragen, warum ich mich als Kreisvorsitzender beworben habe, dann kann ich Ihnen nur sagen, dass sehr früh die Verbände, die mich auch unterstützt haben, auf mich zugekommen sind. Weil es auch ihnen darauf ankommt, dass wir vor Ort unsere Meinung deutlich machen müssen.

Früh hat die SPD Amtsinhaber Rüdiger Butte wieder zum Landrats-Kandidaten gekürt. Gibt es in der CDU schon einen Herausforderer?

Ich wusste seit langem, dass Rüdiger Butte wieder antritt. Von daher ist das keine Überraschung. Warum er sich der Öffentlichkeit so früh als Kandidat präsentiert – die Erklärung kann ich nicht geben.

Das war auch nicht die Frage – sondern wer wird Kandidat der CDU?

Wir werden einen Kandidaten haben und es gibt hierfür auch bereits interessierte Personen, die nicht aus der Region kommen. Aber deren Namen kenne zurzeit nur ich. Wir überlegen, wann der richtige Zeitpunkt ist, sie zu präsentieren und zu wählen. Das wird aber sicher noch eine Weile dauern, weil ich der Überzeugung bin, dass ein langer Wahlkampf für einen frischen Kandidaten schwierig durchzuhalten ist. Wir werden uns darauf ausrichten, dass es am Ende gut klappt und unser Kandidat neuer Landrat wird.




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