weather-image
Diese Woche geht es ab in die Wüste

Canyonlands: Ein großer Spielplatz für Abenteurer

Im Canyon nebenan geht ein Gewitter nieder. Isle in the Sky heißt dieser Teil des Abenteuerspielplatzes Canyonlands Nationalpark. Geteilt durch die Flüsse Colorado und Green River präsentiert die Natur auf dieser Hochebene ein Labyrinth aus tief zerklüfteten Tälern mit schimmernden Kalkrändern. Terrassenförmig fällt das Gelände ab zum gewundenen Green River, dessen schlammbraunes Wasser an grüne Uferränder stößt. Eine fantastische Fernsicht eröffnet sich: bizarre Felsgebilde, prärieartige Ebenen und in der brütenden Sonne leuchtender Sandstein in allen rötlichen bis ockerfarbenen Schattierungen. Am Green River Overlook ist das Gewitter plötzlich überraschend nah. Hinweisschilder warnen vor Springfluten.

270_008_5091555_rei_110_2412_Bryce_Canyon.jpg

Autor:

Gabriele Laube

Angie Jungesbluth ist Lehrerin. Ihre Sommerferien verbringt die engagierte Frau freiwillig als Hilfsrangerin im nahe gelegenen Arches Nationalpark mit seinen riesigen Felslöchern. Ihre Leidenschaft gilt dieser außergewöhnlich kargen Landschaft mit von Wind und Wetter ausgelaugten Felsformationen und versteinerten Sanddünen. Anschaulich sind ihre Erklärungen. Sie erzählt von den Überlebenskünstlern der Wüste und deren Anpassung an die heiße Umgebung: Juniper Trees (Kriechwacholder), Eichen mit winzigen Blättern, Schatten spendende Nadeln der Kakteen und die krümeligen Bodenkruste – „die millionenfaches Leben hervorbringen kann, wenn es regnet. So don’t touch the cryptobiotic Crust“, sagt sie. Ein Miniaturkontinent – oft auf Schuhsohlengröße, der nicht zertreten werden darf. Die Wanderer folgen ihr auf den Wegen und stehen bald staunend unter den riesigen Felsbögen der Windows-Sektion. Ein Sonnenuntergang am Delicate Arch gerät zum Volksfest, und die auf dünnen Felsfundamenten balancierenden Steine wirken wie ein Zauberkunststück.

Die Ausmaße des Colorado Plateaus im Westen der USA sind riesig und nur in endlosen Autostunden zwischen Utah und Colorado im Norden sowie Arizona und New Mexico im Süden zu messen. Das spärlich besiedelte Gebiet ist in etwa so groß wie Deutschland und bietet Erlebnishungrigen neben den acht Nationalparks weitere 14 Schutzgebiete.

Fantastische Lichtspiele finden mittags zwischen den Felswänden des Antelope Canyon bei Pryce statt. „Ein Wunder, das jährlich mehr als 300 000 Besucher anzieht“, sagt Josh, ein junger Navajo. Geografisch gesehen liegt der Platzangst verursachende schmale Canyon bei Pryce fast auf dem Mittelpunkt des uralten Plateaus. Hier wird auch Sühne für die amerikanischen Ureinwohner fällig, denn die schlingernde Sandpisten-Jeeptour zum schmalen Schlot ist teuer – und eine abenteuerliche Fahrt. Im korkenzieherartig verdrehten Canyon macht Josh auch Fotos für die Gäste, denn er weiß, wie man die leuchtenden Felsrundungen am besten in Szene setzt. So kann es schnell weitergehen, denn die nächste Führung wartet schon.

270_008_5091562_rei_108_2412_Lake_Powell_Stausee_in_der_.jpg
  • Am Antelope Point liegen viele Yachten. Rundherum ist Wüste.
270_008_5091558_rei_106_2412_Antelope_Canyon.jpg
  • Wie gemalt wirkt das Innere des Antelope Canyons.
270_008_5091549_rei_101_2412_canyonlands.jpg
  • Bizarre Felsgebilde, prärieartige Ebenen und in der brütenden Sonne leuchtender Sandstein in allen rötlichen bis ockerfarbenen Schattierungen prägen das Erscheinungsbild des Canyonlands Nationalpark. Fotos: gl

Bei so viel Stress ist es gut, dass die Glen Canyon Recreation Area sehr nahe liegt. Eine Gegend, die bekannt wirkt – die Science-Fiction-Komödie „Evolution“ aus dem Jahr 2001 wurde hier gedreht. Ein Bad im Lake-Powell-Stausee bei Pryce unter der imposanten Felskulisse ist in der sommerlichen Hitze sehr erfrischend. Sogar Strandleben findet in der Oase mitten in der Wüste statt, und im Hafen am Antelope Point liegen viele Yachten.

Für einen Besuch des Bryce Canyons sind Erklärungen überflüssig. Hier kann der Besucher seinen Gedanken freien Lauf lassen. Das ganze Ausmaß urzeitlicher Verwerfungen wird an diesem bizarren Abgrund sichtbar, der trotz seines Namens kein Canyon ist. Denn Wind, Regen, Hitze und Frost nagen erheblich an dieser Felskante, von der irgendwann einmal nur noch Sand übrigbleiben wird. In allen Größen reihen sich Kalk- und Sandsteine zersprungen in knubbelige Gebilde mit Zähnen und Spalten aneinander. Und zeigen unter dem makellos blauen Himmel ein utopisches Landschaftsbild in Orange, Grau, Beige und Schokoladenbraun.

Ein Ort schier endloser Weite liegt zu Füßen des Rainbow Point. Einer der ältesten Zeitzeugen hier ist der etwa 1600 Jahre alte verdrehte Bristlecone Tree (langlebige Kiefer). Bergabwärts scheint das riesige Amphitheater zwischen Sunrise und Sunset Point mit Leben erfüllt. Die unzähligen langen Felsnadeln ähneln einer Armee aus Kriegern mit bunt bemalten Gesichtern. Böse Menschen, die zur Strafe versteinert wurden, sagen die Paiute Indianer. Der obere Rand wirkt wie der Befestigungswall einer immens großen Burg, entsprungen einer Fantasie-Saga. In Serpentinen führt ein Weg durch die „Wall-Street“ – einen schmalen Felskorridor – abwärts in diesen Irrgarten aus Kuppeln, Statuen und Türmen. „Ist das steil hier“, stöhnt eine Besucherin. Später wird sie versuchen, im idyllischen Queen Victorias Garden die kleine Königin-Statue zu finden.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt