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Angela Kane aus dem Weserbergland ist für die UN in Syrien in schwieriger Mission unterwegs

Bürgerkrieg, Elend und Tod

Es war im März 2011 in der südsyrischen Stadt Dar’a, als Kinder verhaftet wurden, nachdem sie den im Arabischen Frühling in Tunesien und Ägypten verwendeten Slogan „Das Volk will den Sturz des Regimes“ an Hauswände geschrieben hatten. Die Kinder wurden von der syrischen Polizei verhaftet und gefoltert. Friedliche Demonstrationen in Dar’a verlangten die Freilassung dieser Kinder, doch Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad griffen brutal durch und töteten vier Demonstranten. Die bis dahin friedlichen Proteste griffen daraufhin auf andere Städte in Syrien über. Mittlerweile befindet sich Syrien seit über zwei Jahren im Bürgerkrieg. Nach Zählung der Vereinten Nationen (UN) sind in diesem Krieg bislang mindestens 100 000 Menschen getötet worden. Rund 1,8 Millionen Syrer sind bereits aus ihrem Land geflohen, mehr als vier Millionen sind innerhalb Syriens auf der Flucht.

Autor:

von Weedah Hamzah, Gerd Roth und Chris Melzer
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Das Regime von Präsident Assad geht immer wieder brutal gegen Demonstranten vor, soll sogar Giftgas gegen das eigene Volk eingesetzt haben. Die UN sondieren nun in Syrien das Terrain für künftige Chemiewaffen-Inspektionen. Zwei ranghohe UN-Vertreter sind in Damaskus eingetroffen, um die Prüfung des Einsatzes von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg einzuleiten. Die deutsche Direktorin des UN-Abrüstungsprogramms, Angela Kane, und der schwedische Leiter der UN-Untersuchung zum Chemiewaffen-Einsatz in Syrien, Åke Sellström, wollen in Gesprächen mit Regierungsvertretern erreichen, dass Experten Zugang zu Gebieten erhalten, in denen mutmaßlich Chemiewaffen eingesetzt wurden. Die beiden Experten führen demnach Vorgespräche über die künftige Arbeit einer UN-Expertengruppe für Chemiewaffen in Syrien. Das Team wurde von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon beauftragt.

Für besonders kniffelige Fälle hat Ban Ki Moon seine erfahrenen Experten. Prominent sind sie selten, doch manchmal sehr wirkungsvoll. Die Deutsche Angela Kane und der Schwede Åke Sellström gehören dazu, doch ihre gemeinsame Syrien-Mission kann komplizierter kaum sein.

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Angela Kane hat sich, von der Öffentlichkeit wenig beachtet, bis in eines der höchsten Ämter der Vereinten Nationen emporgearbeitet. Sie wurde 1948 in Hameln geboren und studierte in München, bei Philadelphia und in Washington. Kane ist mit einem Amerikaner verheiratet. Sie arbeitete früh für die Vereinten Nationen. Maßgeblich wirkte Kane im „Department for Political Affairs“, quasi Bans „Außenministerium“. 2008 wurde sie oberste Managerin der UN mit der Verantwortung für den Haushalt und das Personalwesen. Im März vergangenen Jahres ernannte der UN-Generalsekretär Kane zur Hohen Repräsentantin des Generalsekretärs für Abrüstung.

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Åke Sellström ist bei den Vereinten Nationen ein alter Bekannter. Er war Chefprüfer bei der Unscom genannten Mission, die in den neunziger Jahren die Vernichtung von chemischen Waffen des Iraks überwachte. Auch beim späteren Unmovic-Einsatz im selben Land war er an führender Stelle beteiligt. Derzeit ist er Projektleiter am „European CBRNE Center“, einem Institut an der Universität Umeå in Nordschweden, das die Wirkung auch von biologischen und chemischen Waffen erforscht. Seit Monaten kämpft Sellström darum, dass Syrien die Chemiewaffen-Experten der UN, die es selbst angefordert hat, einreisen lässt.

Die UNO prüft mittlerweile 13 Berichte über Angriffe mit Chemiewaffen in Syrien. Insgesamt geht es um 14 Orte in verschiedenen Landesteilen, für die entsprechende Verdachtsmomente vorlägen. Damaskus will den UN-Kontrolleuren aber nur Zugang zur Kleinstadt Chan al-Assal in der Nähe von Aleppo gewähren, wo am 19. März bei einem Angriff 26 Menschen getötet worden waren, darunter 16 Regierungssoldaten. Damaskus verlangt, die UN-Kontrolleure sollten sich auf den Vorfall in Chan al-Assal konzentrieren, wo die Rebellen nach Darstellung der syrischen Führung und auch des russischen UN-Botschafters Witali Tschurkin Nervengas einsetzten. Beide Seiten im Bürgerkrieg beschuldigen sich gegenseitig, mit den weltweit geächteten Chemie-Waffen zu kämpfen. Die Staatsführung von Assad und auch Russland werfen den Rebellen vor, das Nervengas Sarin eingesetzt zu haben.

Frankreich und Großbritannien bezichtigen dagegen die syrischen Regierungstruppen, mehrfach Chemiewaffen gegen Aufständische eingesetzt zu haben. Deshalb fordern die von der UN entsandten Angela Kane und Ake Sellström freien Zugang eines Inspektorenteams zu den betroffenen Regionen, um Zeugenaussagen und Beweismittel sammeln zu können. Auch die Bundesregierung erwartet, „dass diese Experten ihre Arbeit machen können“. Syriens UN-Botschafter Baschar Dschaafari hatte jedoch im Zusammenhang mit der vor zwei Wochen ergangenen Einladung an die beiden erklärt, seine Regierung habe ihre Ansicht über den Umfang und das Ziel einer UN-Mission nicht geändert. Gestern verhandelten Kane und Sellström mit Syriens Außenminister Walid al-Muallim.

Unterdessen wirbt der neue Chef der oppositionellen Syrischen Nationalen Koalition für die Lieferung von Waffen an die Aufständischen. „Wir bitten Frankreich um absolute politische Unterstützung, um diplomatische Unterstützung, um humanitäre Hilfe und um Militärhilfe“, sagte Ahmed Dscharba nach einem Treffen mit französischen Abgeordneten in Paris. Die syrische Opposition sei „noch nie so geeint wie heute“ gewesen. Der von Saudi-Arabien unterstützte Stammesführer, der vor zwei Wochen an die Spitze der Koalition gewählt worden war, erklärte das Einwerben von Waffen für den Kampf gegen die syrische Regierung zu seiner Priorität. Auch der gemeinsam mit Dscharba nach Paris gereiste Chef der Freien Syrischen Armee, General Selim Idriss, äußerte die Hoffnung auf „Hilfe in Form von Waffen und Munition“. Auf französischer Seite wurde im Vorfeld hingegen die politische Dimension des Treffens in den Vordergrund gerückt. Die deutsche Regierung betont, dass der Schlüssel zur Problemlösung in Syrien für sie darin bestehe, die Nationale Koalition der Opposition zu stärken. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts verwies auf die „ganze Bandbreite“ organisatorischer, technischer und logistischer Unterstützung. Auf den Wunsch der Aufständischen nach Militärhilfe ging er jedoch nicht ein. Der Sprecher verwies indes auf Hilfen für Bürgerkriegsflüchtlinge und „weitere umfangreiche Mittel für verschiedene Fonds der UN“, die von deutscher Seite schon bereitgestellt oder zugesagt worden seien.

Die UN unternehmen erste Schritte für Chemiewaffen-Inspektionen in Syrien. Zwei ranghohe UN-Vertreter sind in Damaskus eingetroffen, um die Prüfung des Einsatzes von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg einzuleiten. Eine der beiden UN-Sonderbeauftragten ist Angela Kane.

Angela Kane hat im Auftrag des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon eine schwierige Aufgabe übernommen.




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