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Schriftsteller Herbert Günther liest im Gymnasium / Schüler zeigen starkes Interesse

Bücher schreiben - eine brotlose Kunst?

Bad Nenndorf (tes). Eine Schlange mit Autogrammjägern in der GBN-Bibliothek: Ziel der Gymnasiasten war nicht ein populärer Musiker, sondern ein bekannter Buchautor. Herbert Günther wurde mit Fragen bestürmt. "Die Kinder wollen alles wissen", zeigte sich dieser beeindruckt vom zielgerichteten Interesse. "Viele schreiben selber Geschichten."

Buchautor Herbert Günther wird von Schülern umlagert. Foto: tes

"Am Anfang stehen viele Zettel", hielt der Schriftsteller einen großen Packen Unterlagen hoch. "Das Buch, bevor es ein Buch wird." Zwei Tage lang hat Günther etappenweise die achten und fünften Klassen über die Entstehung eines Buches informiert und aus seinen Werken vorgelesen. 70 bis 80 Lesungen im Jahr absolviert der Autor, der auch Drehbücher für das ZDFgeschrieben hat. Mit dieser Erfahrung und seiner neuesten Geschichte "Mach's gut Lucia" ist es dem 60-Jährigen gelungen, die Aufmerksamkeit der Fünftklässler über 90 Minuten aufrecht zu erhalten. Deren Vorlieben liegen klar im Fantasybereich, aber auch Liebesgeschichten sind gut im Rennen. Favorit unter den mehr als 20 Werken von Günther ist "Leo, der Familienhund", ergab eine kleine Umfrage in der Warteschlange. "Jede Lesung ist anders", sagte der Autor im Pressegespräch. "Das Vorlesen ist das Eigentliche. Die Kinder sehen, da ist ein Mensch und eine Geschichte, die zusammen gehören", bemerke Günther, dass es "in der veränderten Medienwelt für viele eine ganz neue Erfahrung ist, mal länger einer Geschichte zu zuhören". Für die GBN-Schüler war es eine echte Überraschung, wieviel Arbeitsschritte in einem Buch stecken und wie hoch das Risiko für Schriftsteller ist. Nach der Ideensammlung schreibe der Autor erst per Hand in eine Kladde. Günther schmunzelte über die "Oh"-Rufe aus dem Publikum. Erst danach tippe er den Text in den Computer. Dass man das ausgedruckte Ergebnis "Manuskript" nennt, wussten die Schüler. Der nächste Meilenstein sei die Lektorin, so der Autor weiter: "Die entscheidet, ob die Geschichte überhaupt erscheint." Ist die Hürde "Verlagsvertrag" genommen, steht die Entscheidung für das Titelbild an. "Das Tollste für einen Schriftsteller ist, das fertige Buch das erste Mal in den Händen zu halten", sagte Günther. Für Entsetzen sorgte der Lohn für soviel Arbeit: Von jedem verkauften Exemplar erhalte der Autor zehn Prozent. "75 Cent für die aktuelle Ausgabe, das ist ja so als würden Sie nichts verdienen", hatte ein Schüler blitzschnell ausgerechnet. Zudem wisse ein Schriftsteller vorher nie, wie oft sich ein Buch verkauft. Diese unsichere wirtschaftliche Situation war für die Kinder angesichts der Berichte über "Harry Potter"-Autorin Joanne Rowling enttäuschend. Da konnte auch das vom deutschen Erfolgsautor geäußerte "schöne Gefühl" zu wissen, dass die eigene Geschichte in Läden von Hamburg bis Tel Aviv gekauft werden kann, nicht recht trösten. Aber Schreiben ist eben Passion: Vor 14 Tagen hat Günther bereits den Vertrag für ein neues Buch unterzeichnet.



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