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Gewalttat in Hameln

Bruder des Opfers erhebt Vorwürfe: Morddrohung auch gegen Anwältin?

HAMELN. Nurettin B. soll nicht nur seine Ex-Frau, sondern auch deren Anwältin bedroht haben. Einen entsprechenden Vorwurf erhebt nun der Bruder des Gewaltopfers aus Hameln. Die Familie ist zudem überzeugt davon, dass die Tat geplant war. Die Anwälte des Opfers wollen eine lebenslängliche Haftstrafe erwirken.

Am Tatort sind Kerzen und Bilder des Opfers aufgestellt. Eine zentrale Forderung: „Stoppt Gewalt gegen Frauen“. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Nach Angaben von Maruf K., dem Bruder des Opfers, soll Nurettin B. der Juristin gesagt haben: „Ich bringe dich und auch Kader um, wenn ich noch einmal einen Brief von dir bekomme.“ Die Dewezet hätte die Aussage gern überprüft. Die Anwaltskanzlei war aber nicht zu einem Gespräch bereit. „Mit der Presse sprechen wir nicht“, hieß es am Donnerstag.

Kader K. zog mit dem Kleinen zur ihrer Mutter nach Hameln, Nurettin B. blieb in Bad Münder. Jedes zweite Wochenende verbrachte der Junge bei seinem Vater. Sowohl Kader K. als auch Nurettin B. wollten das alleinige Sorgerecht bekommen. Darüber gab es Streit. Das Gold, das eine Braut bei einer kurdischen Hochzeit erhält, soll er für sich behalten haben. „Wir haben gesagt: Soll er es doch nehmen, um des Friedens willen“, erzählt der 36-Jährige im Gespräch mit der Dewezet.

Freunde, die dem Opfer nahestehen, sind fest davon überzeugt, dass sich Nurettin B. in seiner Ehre verletzt gefühlt hat. Mit der Tat habe er ein Zeichen setzen wollen. „Alle sollten sehen, dass er ein Mann ist. Er wollte damit sagen: Mit mir kann man das nicht machen. Ich bin der Boss. Ich kann sogar ein Leben beenden. Für ihn war das eine Frage der Ehre.“

Kaders Familie glaubt, dass Nurettin B. die Tat geplant hat. „Warum hätte er sonst ein Messer und ein Seil dabeihaben sollen?“, fragt sich Maruf K.

Zeitweise sei der Ex-Mann seiner Schwester „explosiv wie eine Bombe“ gewesen. „Vor einem Jahr hat er meine Mutter angeschrien. Als sie ihn fragte: ,Kannst du nicht reden wie ein Mann?‘ hat er sie ins Gesicht geschlagen und ihr die Nase gebrochen“, erzählt Maruf K. Die Tat sei angezeigt worden. Er könne sich nicht erklären, warum es niemals zu einer Anklage oder Verurteilung gekommen sei. Nurettin B., meint Maruf K., „ist ein schlechter Mensch“. In nur vier Jahren habe er vier Frauen gehabt. „Er nimmt sich heute die eine und morgen eine andere. Das ist nicht normal.“

Der Bruder des Opfers betont, dass die Familie keine Rache üben werde. „Wir sind anständige Leute und Gäste in diesem Land. Wir halten uns an Recht und Gesetz, vertrauen auf die Staatsanwaltschaft und das Gericht.“

Die Rechtsanwälte Raban Funk und Roman von Alvenleben kümmern sich um die Rechte des Opfers. Es wird später auch um Schmerzensgeld und Schadenersatz gehen. „Als Opfer-Anwälte verfolgen aber noch ein anderes Ziel“, sagt von Alvensleben. „Wir werden alles juristisch Notwendige dafür tun, dass die Strafe nicht gemildert wird, weil Kader überlebt hat und es bei einem versuchten Mord geblieben ist.“ Derjenige, der dieses außergewöhnlich grausame Verbrechen verübt habe, müsse lebenslänglich bekommen. „Das Gericht sollte meiner Auffassung nach bei einer Verurteilung auch die Schwere der Schuld feststellen.“ Nurettin B.s Verteidiger Bastian Quilitz will sich vorerst nicht äußern. „Ich muss erst die Akten lesen“, sagte er.



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