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Rot-Grüne Vorherrschaft könnte nach Wahl zu Ende sein / Fraktionen bringen Kandidaten in Stellung

Bricht die Mehrheit?

RINTELN. Eine Ära neigt sich ihrem Ende zu. Schon jetzt ist die Rot-Grüne Mehrheit im Rat hauchdünn. Zu dünn, wie sich bei der gescheiterten Wahl des Ersten Stadtrats zeigte. Und die Kommunalwahl im September dürfte die Verhältnisse noch einmal ordentlich durchrütteln. Der wahrscheinliche Einzug der AfD, das starke WGS-Team, der neue Anlauf der FDP, die bundesweite Schwäche der regierenden Parteien: Alle Zeichen stehen auf Sturm auf die Rot-Grüne Machtbastion. Die hatte die letzten fünf Jahre selbst ohne Koalitionsvertrag gezeigt, dass sie in den entscheidenden Fragen zusammenhält.

Autor:

von Jakob Gokl

Doch wie geht es weiter, wenn aller Zusammenhalt nicht mehr für eine Mehrheit reicht? In der SPD will man zunächst niemanden ausschließen und sich bei der Auswahl auf Sachthemen beschränken. Schon jetzt wurde bei vielen wichtigen Themen die CDU von Anfang an mit einbezogen. Doch dass nach dem Ende von Rot-Grün nun einfach eine Große Koalition das Ruder übernimmt, ist nicht gesetzt.

Denn die CDU möchte lieber mit der WGS, die beiden Oppositionspartner arbeiten seit längerer Zeit eng und gut zusammen. Aber ob es für eine Mehrheit reicht, ist unsicher. Sollte der FDP der Wiedereinstieg als Ein-Mann-Fraktion gelingen, wäre auch sie ein natürlicher Koalitionspartner für die Christdemokraten.

Außerdem überrascht CDU-Stadtverbandsvorsitzender Matthias Wehrung zuletzt mit einem Bekenntnis zur möglichen Liste von Heinz-Josef Weich, dem ehemaligen Kreisvorsitzenden der Linken, der schon bei der Bürgermeisterwahl den CDU-Kandidaten unterstützte. Also eine Koalition von links nach rechts gegen Rot-Grün? Heinrich Sasse von der WGS möchte am liebsten einen ganz anderen Weg gehen: Seiner Meinung nach sollten nicht feste Partner, sondern wechselnde Mehrheiten im Stadtrat herrschen. Darin stimmt er – einer von nicht vielen Berührungspunkten – mit Christoph Ochs von den Grünen überein. Koalitionen will Ochs ebenfalls nicht tragen, lieber in der Sache kooperieren.

Letztendlich werden nicht nur Themen, sondern auch Köpfe diese Entscheidung prägen. Denn genauso, wie Kommunalwahlen seit jeher Personenwahlen sind, wird Politik in den Kommunen von der Frage (Mit-)bestimmt: Wer kann mit wem, und wer mit wem nicht?

Ende der Grabenkämpfe

Der SPD gelingt es, ihre Grabenkämpfe zu beenden, ein Teil der alten Garde tritt ab. Junge Kandidaten rücken nach und die SPD erfüllt ihre Frauenquote. Heute ab 19 Uhr im Hotel Stadt Kassel will die SPD über ihre Listen für die Kommunalwahl abstimmen. Die örtlichen Parteichefs Bernd Wübker und Astrid Teigeler-Tegtmeier können einigermaßen entspannt in die Versammlung gehen. Der gefährlichste Brandherd ist gelöscht. Die Genossen in Westendorf, Schaumburg, Deckbergen haben ihren Grabenkrieg beendet und sich auf eine überraschende Lösung geeinigt: Die Alten gehen, eine junge Garde mit Phillip Skoruppa und David Kuhr tritt an. Birte Bredemeier ist wieder dabei, Gisela Stasitzek soll Ortsbürgermeisterkandidatin werden. Überraschung auch in Steinbergen: Hier kandidiert Teigeler-Tegtmeiers Tochter Anna Lena Tegtmeier, im Dorf kennt man sie als stellvertretende Ortsbrandmeisterin.

Ein Teil der alten Garde tritt ab wie Uwe Kuhr, Eckhard Hülm und Gerlinde Göldner-Dorka. Andere „Silberrücken“ und „Platzhirsche“ wollen es noch einmal wissen, wie Dieter Horn (Häuptling in Engern), Heiner Bartling (Steinbergen), Reinhold Kölling (in Möllenbeck eine sichere Bank), „Nordstadtfürst“ und Willy-Brand-Medaillienträger Karl Lange (Generation 70-Plus) und Klaus Wißmann, der es für den Kreistag auf einen abgesicherten oberen Listenplatz geschafft hat.

Jünger und weiblicher

Weiblicher zu werden, das ist für die CDU-Fraktion nicht schwer. Elf Männer sitzen derzeit für die Christdemokraten im Stadtrat. Künftig könnten auch zwei Frauen dazukommen. Andrea Gar und Stefanie Lecker sollten beide auf aussichtsreichen Plätzen landen, so , Stadtverbandsvorsitzender Matthias Wehrung. Aber auch die elf bisherigen Stadträte wollen samt und sonders wieder kandidieren. Und natürlich will auch Wehrung selbst in diesem Jahr in den Stadtrat einziehen. Jünger und weiblicher zu werden, das sei das Ziel der CDU gewesen. Wehrung und Lecker tragen dazu bei, zusätzlich könnte Philipp Arndt, der bereits auf die Kreistagsliste gewählt wurde, die U30-Generation vertreten. Entsprechendes Interesse sei bereits signalisiert worden.

Relativ eindeutig sei auch, so Wehrung, dass man in diesem Jahr gerade auf der Außenliste mehr Kandidaten haben werde. Auf beiden Listen würden wohl 15 oder mehr Namen stehen. Der eine oder andere stadtbekannte Name könne da auch noch hinzukommen, meint der Vorsitzende.

Thorsten Kretzer, derzeit Ortsbürgermeister von Exten, wird nicht mehr kandidieren. Jetzt gehe das Familienleben vor, sagte er auf Anfrage.

So viele Kandidaten wie nie

So viele Kandidaten hatte die WGS noch nie auf ihren Listen: honorige Bürger, die gut vernetzt sind. Und die WGS hofft, vom Bundestrend zu profitieren, der für die großen Parteien abwärts zeigt. Sasse sagt: „Wir haben uns bei den Bürgern den Ruf erworben, dass wir genauer nachfragen, ich denke, das wird man honorieren.“ Gert Armin Neuhäuser ist überzeugt: Im Rintelner Rat sind die Zeiten von rot-grünen Mehrheiten vorbei.

Am Montag, 23. Mai, ab 19 Uhr will die WGS im Hotel Stadt Kassel über ihre Listen abstimmen. So optimistisch ist die Wählergemeinschaft noch in keine Kommunalwahl gegangen: Die Listen 1 und 2 für den Stadtrat zählen 21 Kandidaten, die maximal zulässige Zahl.

Dass Heinrich Sasse und Gert Armin Neuhäuser für alle drei Kommunalparlamente, Ortsrat, Stadtrat und Kreistag kandidieren, ist keine Überraschung, dafür vier Namen: Timo Sandmann, bekannt als Betriebsratsvorsitzender bei Wesergold, Karl-Heinz Stahlhut über den Verschönerungsverein bestens vernetzt, der Orthopäde Dr. Hermann Moschner und der Bezirksschornsteinfeger Björn Rinne. Stadtverbandsvorsitzender Dieter Edler ist wieder dabei, Jens Maack und Antje Rinne. Und bei Sasse tritt Sohn Heinrich, der gerade 19 Jahre alt geworden ist, nun in die Fußstapfen seines Vaters.

Frische Kräfte auf den Listen

Mit vier politischen Neuzugängen trumpfen die Grünen in diesem Jahr auf. Nachdem Fraktionsvorsitzende Ursula Helmhold nicht mehr antritt (siehe unten), sicherten sich die Grünen gleich vierfache Unterstützung: Janina Röntgen, Karin Dennhardt, Jörg Walter und Uta Fahrenkamp kandidieren für den Stadtrat, erklärt Ratsmitglied Christoph Ochs. Er selbst wird erneut für Stadt- sowie Kreistag auf dem ersten Platz kandidieren. Auch das bisherige Ratsmitglied Dietmar Vogt wird wieder ins Rennen gehen. Besonders froh ist er, dass die Grünen mit einer ausgeglichenen Liste, 50 Prozent Frauen, 50 Prozent Männer, in den Wahlkampf gehen, sagt Ochs.jak




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