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Wiedensahl feiert seinen weltberühmten Sohn / Bürgermeister kommt als Wilhelm Busch

Bolte, Böck und Lempel - alle gratulieren

Wiedensahl (sk). Das Wilhelm-Busch-Geburtsdorf hat den 175. Geburtstag seines weltberühmten Sohnes gefeiert - und Wilhelm Busch war (fast) höchstpersönlich mit dabei. "Der siehst aber richtig gut aus", "Unseren Bürgermeister habe ich nicht erkannt" und ähnliche Sätze sind kurz vor der Festeröffnung im Publikum zu hören gewesen. Dennoch: Gegen 11.30 Uhr stieg tatsächlich Helmut Schaer vor dem Festzelt auf den Stuhl und hielt das Mikrofon vor den Rauschebart. Der Bürgermeister trat in äußerst gelungener Maskierung und Verkleidung auf: als Wilhelm Busch.

Wiedensahls Bürgermeister Helmut Schaer als Wilhelm Busch - die

Bart und Haar waren dem Gesicht perfekt angepasst, der Hut treffend auf dem Kopf zurecht gerückt. Gehrock und Pfeife vervollständigten die typgerechte Erscheinung. Zwei Stunden hatte Schaer am Sonntagmorgen bei Friseur Günter Oetker "in der Maske" gesessen. Und so kam es, dass Wilhelm Busch - zumindest optisch - bei herrlichem Frühlingswetter unter blauem Himmel, neben blühenden Forsythien und vor hunderten angeradelten, heranspazierten oder -kutschierten Besuchern zum "eigenen" Geburtstag sprach. 60 Jahre, so Schaer, habe Busch mit vielen Unterbrechungen "still und bescheiden in seinem Heimatdorf gelebt." "So gut wie alle meine Werke sind in Wiedensahl entstanden", zitierte der Bürgermeister den Dichter. Schaer erinnerte an die Mutter des Dichters und an dessen Schwester Fanny, die ihn im Alter versorgt hat. Hier in Wiedensahl habe sich Busch verbunden gefühlt "mit seinen Lieben, die ihm Kraft und schöpferische Gedanken eingaben". Angeregt worden sei Busch aber auch durch Auseinandersetzungen mit der Geistlichkeit, unter anderem mit seinem Schwager, dem Pastor Nöldeke. Dieser Name hat direkten Bezug zu einem weiteren Redner des Tages. Auf der Kanzel der Nicolai-Kirche predigte am Morgen in einem Festgottesdienst der Pastor im Ruhestand und Busch-Rezitator Hermann Alves. Alves stammt aus Bad Münder, wo er von einem Großneffen Wilhelm Buschs, Martin Nöldeke, konfirmiert worden war. Eingebettet in dasösterliche Glaubensbekenntnis berichtete Alves von der Auseinandersetzung des Dichters Wilhelm Busch mit dem christlichen Glauben und schließlich dem Findens des Glaubens nach einer schweren Krankheit. Bei den bekannten Philosophen habe Busch keine Antwort auf seine Fragen nach dem Woher und Wohin, nach Anfang und Ende des Lebens gefunden. Die Schlüssel der Philosophen passten zu vielen Türen, "aber keiner passt zur Ausgangstür", zitierte Alves den Wiedensahler. Zum Glauben sei Busch schließlich durch die Augustinus-Schrift "De Confessiones" gekommen, eines Bekenntnisses des berühmten Kirchenvaters zu Gott. "Nur was wir glauben, wissen wir gewiss" nannte Alves eine entscheidende Erkenntnis Buschs. In der vollbesetzten Kirche hörten die Gottesdienstbesucher die Predigt. In den ersten Stuhlreihen saß wie "gemalt" im milden Licht Wilhelm Busch, alias Helmut Schaer mit Bart und Hut und im Gehrock. Ihm zur Seite bevölkerten die Witwe Bolte, Lehrer Lempel, Schneider Böck und weitere Busch-Figuren das vordere Kirchenschiff. Mit dabei waren auch Max und Moritz, die von Pastorin Susanne Link-Köhler des öfteren mit einem Augenzwinkern ermahnt wurden. Papierkrampen, geschossen aus der Zwille, zischten trotzdem durch die Luft, wenn auch nicht gerade bei der Predigt. Den Gottesdienstbesuchen legte Link-Köhler schließlich eine Gabe in den Klingelbeutel ans Herz. Die Pastorin in Gedenken an Max und Moritz-Streiche: "Aber keine Maikäfer einwerfen."

Hermann Alves predigt mit Wilhelm Busch-Gedanken und Zitaten von
  • Hermann Alves predigt mit Wilhelm Busch-Gedanken und Zitaten von der Kanzel herunter.
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