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Kostbares Steinbild im Landesmuseum zeigt dieälteste erhaltene Stadtansicht Bückeburgs

Börries von Spyr und die verschollene Kirche

Bückeburg (gp). Das Schaumburg-Lippische Landesmuseum in Bückeburg beherbergt eine ganze Reihe kostbarer, noch weitgehend unentdeckter "Schätze". Einer der interessantesten hängt ein wenig "beengt" im Eingangsbereich: Es ist eine rund 77 mal 64 Zentimeter große, von einem unbekannten Steinmetz kunstvoll behauene Sandsteinplatte. Sie diente einst als Gedenktafel ("Epitaph") für einen offensichtlich bedeutsamen Verstorbenen. Der Mann ist auf dem Relief abgebildet. Er kniet, von mehreren, zum teil bewaffneten Gefolgsleuten umgeben, vor dem auferstehenden Heiland. Am Horizont ist - wenn auch nur schemenhaft - die Silhouette einer Stadtsiedlung erkennbar. Wenn nicht alles täuscht, handelt es sich dabei um die älteste Darstellung Bückeburgs.

Um Entstehung und Herkunft des steinernen Reliefs ranken sich zahlreiche Geschichten. Eindeutig geklärt ist bisher nur, dass das gute Stück aus der Marienkirche stammt - einem uralten, heute nicht mehr vorhandenen Bückeburger Gotteshaus. Als Zeitpunkt der Fertigstellung und Einweihung der Kirche ist das Jahr 1511 nachgewiesen. Den Auftrag zum Bau hat laut Aktenlage der von 1498 bis 1527 residierende schaumburger Graf Johann IV. erteilt. Seine Tat stand unter keinem guten Stern. Die neu errichtete Kirche soll bereits 30 Jahre nach ihrer Fertigstellung einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen sein. Die damals gerade mal 400 Einwohner waren - wie schon zuvor - auf die Kapelle des NachbardorfesJetenburg angewiesen. Die Marienkirche geriet in Vergessenheit. Sichtbare Spuren schienen nicht mehr vorhanden. Schon bald wusste keiner mehr, wo sie gestanden hatte. Dasänderte sich, als sich vor geraumer Zeit einige kunsthistorisch interessierte Bückeburger für vier auffällige, bis dato scheinbar zusammenhanglos und an verschiedenen Stellen in der Stadt entdeckten Bildsteinplatten zu interessieren begannen. Zwei der Reliefs waren und sind an der Südwand des Schloss-Ostflügels (heute Sitz des Niedersächsischen Staatsarchivs) eingelassen. Die beiden anderen - das Epitaph und eine Mariendarstellung - werden seit mehr als einem dreiviertel Jahrhundert im hiesigen Landesmuseum aufbewahrt. Die Nachforschungen förderten eine überraschende Erkenntnis zutage: Alle vier Bildhauerarbeiten stammen aus der vor 500 Jahren gebauten Marienkirche. Drei der Reliefs sollen nach den bisherigen Erkenntnissenüber dem Altar angebracht gewesen sein. Die vierte - nämlich das bereits erwähnte Epitaph - zierte einst eine Seitenwand. Auch den Namen des darauf abgebildeten Verstorbenen glaubt man herausgefunden zu haben. Es soll sich um einen angesehenen Adligen namens Börries von Spyr handeln, der im Jahre 1510 "ther Buckeburgh" totgeschlagen worden war. Mindestens genauso interessant wie die düster-spektakuläre Vorgeschichte des Epitaphs ist - zumindest für die städtebaulich interessierten Zeitgenossen - das im Hintergrund schemenhaft angedeutete Ortsbildpanorama. Bei genauerem Hinsehen sind (von rechts nach links) der Giebel eines hohen Hauses, ein Stadttor, davor ein Baumgarten, dann eine Kirche (eine Hallenkirche mit Westturm) und ein weiterer Turm zu erkennen. Der Historiker und ausgewiesene Bückeburg-Kenner Dr. Brage Bei der Wieden hat in einem 1985 erschienenen Aufsatz eine einleuchtende Zuordnung veröffentlicht. Danach sind auf dem Relief (wiederum von rechts nach links) der Burgmannshof derer von Münchhausen (heute Hubschraubermuseum), das obere Tor (stand am Ende der heutigen Obertorstraße), der Baumhof ("Schaumburger Hof", heute Lange Straße1/ Fahrradhaus Pelzing), die ehemalige Marienkirche und der Schlossturm wiedergegeben. Über den Weg des Epitaphs ins Museum kam man auch dem vermeintlichen Standort der Marienkirche auf die Spur. Der Stein (und auch das Marien-Relief) war dem Museum Anfang der 1930er Jahre von den Besitzern des Hauses Lange Straße 58 (Textiltruhe, vormals Frommhold bzw. Hautau und Sattlerei Hartmann) vermacht worden. Die beiden Bildsteine hatten bis zu einem damals durchgeführten Umbau des Hauses dessen Eingangsfront geziert. Zuvor sollen sie - zusammen mit anderen auffälligen Gesteins- und Fundamentresten eines offensichtlich einst stattlichen Gebäudes - im Garten des Nachbargrundstücks (Lange Straße 59, heute Bäckerei Schäfer, vormals Rauter) herumgelegen haben. Das führte zu der Annahme, dass hier vor 400 Jahren, wenn auch nur für kurze Zeit, Bückeburgs erster Kirchbau gestanden hat. Hundertprozentig sicher ist diese These allerdings nicht.




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