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Meisterschaft in historischer Kampfkunst in Apelern zu Ende gegangen

Blaue Flecken gehören dazu

Apelern (nah). Nach 420 Begegnungen ist die Meisterschaft in historischer europäischer Kampfkunst nach einem dreitägigen Turnier zu Ende gegangen. Teilnehmer aus zwölf Nationen waren nach Apelern gekommen, um sich bei diesem ersten Kräftemessen zu platzieren. An den fünf Vortagen boten sich 22 Workshops für Training und Fortbildung an.

Colin Richards und Sandra Schneider waren am Ende der Mammutveranstaltung sichtlich gezeichnet. "Ich habe kaum geschlafen", gab der Experte zu, der von Soldorf aus die fast in Vergessenheit geratenen mittelalterlichen Techniken neu propagiert. Zusammen mit seiner Frau hat er ein zweisprachiges Buch herausgegeben - dem erstenüberhaupt auf diesem Gebiet seit einigen hundert Jahren. Richards leitet eine Sparte im örtlichen TuS Germania und ist international als Trainer oder Multiplikator tätig. So lag der Gedanke nahe, für die ständig steigende Zahl versierter Kämpfer ein erstes Turnier zu organisieren. Deren Können erlebten annähernd 500 Besucher zum Auftakt. Der Innenhof eines der beiden örtlichen Rittergüter hätte nicht besser gewählt werden können: "Der Name meiner Familie ist 948 zum ersten Mal bei einem Ritterturnier in Konstanz dokumentiert worden", freute sich Hausherr Börries von Hammerstein, der zugleich versprach, in dem ihm überreichten Lehrbuch genau zu lesen: "Dann mache ich beim nächsten Mal auch mit." Hammersteins Rede und die Grußworte von Bürgermeister Heinrich Oppenhausen wurden von Gritli Tegtmeier für die vielen internationalen Gäste in die englische Sprache übersetzt. Danach gab es an diesem sommerlichen Abend vor historischem Ambiente allerhand zu bestaunen: Der Franzose Philipp Willaume legte seine 30 Kilogramm schwere Rüstung an, die trotz sorgfältig genieteter Teile gegnerischen Klingen Angriffsflächen bietet. Der Braunschweiger Schwertschmied Stefan Roth hieb mit der Nachbildung einer aus dem 15. Jahrhundert stammenden Waffe vierfach ineinander gerollte Strandmatten in Stücke. Mit dem Degen kämpften der Brite Philipp Marshall und der Deutsche Alex Kiermeyer gegeneinander; die Langschwerter klapperten bei den ebenfalls aus Deutschland stammenden Athleten Alexander Neppe und Thomas Howe. Zum Abschluss der Veranstaltung wurden die Zuschauer Zeugen eines ersten Finales: Weil für einen der beiden Teilnehmer bereits am nächsten Morgen ein Flug gebucht war, traten die Degenspezialisten Alexander Brainin (Israel) und Lee Smith (Kanada) in das Feld. Nach zwei Runden mit jeweils einer Minute wurde der Kanadier von der Jury zum Sieger erklärt. Die blauen Flecken, die er sich offenbar im Kampfgetümmel am Unterarm zugezogen hat, blieben verdeckt. Aber Blessuren dieser Art gehören zum Alltag, auch wenn die Waffen teilweise aus Holz gefertigt oder dick mit einer Schutzhülle ummantelt sind. Zudem achten die Juroren auf ausreichenden Schutz von Kopf und Hals. Dass die Kämpfer sich ohnehin mit dicken Jacken, Gelenkschutz und gepolsterten Armen in die Arena begeben, konnten die Zuschauer an den beiden Folgetagen in der örtlichen Sporthalle noch wiederholt betrachten.




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