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Bis Sachzwänge sie einholen

Zu: „Das Wunder von Athen“, vom 11. April

Beim genaueren Hinsehen entpuppt sich die fulminante Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt nicht als Wunder, sondern als Luftnummer mit Betrugscharakter. Da werden große Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung gemeldet. Sogar ein Überschuss von 2,9 Milliarden wird erwartet, wenn man den Schuldendienst ausklammert. Die hohe Verschuldung Griechenlands ist doch das ursächliche Problem. Wenn man das rechnerisch ausklammert, hat man es damit leider noch nicht aus der Welt geschafft. Die Staatsverschuldung der Helenen beträgt 175 Prozent des Sozialproduktes. Es ist Konsens unter Volkswirten, dass ein Staat, der die Schallmauer von 100 Prozent durchbricht, nicht mehr zu retten ist. Bereits bei 90 Prozent Staatsverschuldung wird das Wachstum erheblich gebremst und staatliche Handlungsfähigkeit eingebüßt. Der Zinssatz von knapp 5 Prozent, den die Anleger für die neuen Anleihen erhalten, ist in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase offensichtlich genug Anreiz. Vermutlich vertrauen die Investoren auf weitere Rettungspakete. Die Transferunion lässt grüßen.

Auch der Beleg für das Anspringen der griechischen Konjunktur ist zu hinterfragen. Wenn die Zulassung neuer Kfz im ersten Quartal um 22,3 Prozent gestiegen ist, so ist dieser Anstieg in erster Linie auf die Target-Salden zurückzuführen. Dieses Buchungssystem ermöglicht es den Griechen, den Kauf neuer Autos quasi bei der Deutschen Bundesbank anschreiben zu lassen. Der Artikel hat die katastrophale Lage der griechischen Bevölkerung angedeutet. Eingedenk der o.a. Fakten ist eine Konjunktur-Ankurbelung nicht mehr möglich. Die Rettungsversuche werden sich als Schrecken ohne Ende erweisen. Es ist mehr als tragisch, wenn politische Wünsche die ökonomische Realität ersetzen sollen. Der Besuch von Frau Merkel zu diesem Zeitpunkt muss als reine Wahlkampfhilfe für ihre konservativen Freunde gewertet werden. Aber auch eine Kanzlerin kann die Realität nur so lange leugnen, bis die Sachzwänge sie einholen!

Reinhart Stichweh, Salzhemmendorf



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