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200 Motorradfahrer im Konvoi gegen Sperrung der Kreisstraße 80 / "Ausreißer gibt es immer"

Biker-Protest: "Wir sind keine Bekloppten"

Möllenbeck. Der Widerstand rollt. Knapp 200 Biker haben am Mittwochabend gegen die Sperrung der Kreisstraße 80 an Wochenenden und Feiertagen demonstriert, die ausschließlich Motorräder betrifft. Unterwegs waren etwa 130 Maschinen, viele davon doppelt besetzt. Und das ist erst der Anfang.

Autor:

Stefan Lyrath

"Wir machen weiter, bis die Sperrung weg ist", kündigte Günter Beyer an, Wirt der Biker-Kneipe "Günter's Kurve" in Kükenbruch (Extertal), der sich an die Spitze der Protest-Bewegung gesetzt hat. Fürs erste war Beyer "selbst ein bisschen überwältigt", denn "mit so vielen Teilnehmern hatte ich nicht gerechnet". Unterstützung kommt von der "Biker Union", einer bundesweiten Vertretung der Motorradfahrer. "Wir werden alles tun, damit die Sperrung möglichst schnell wieder verschwindet", versprach deren Vize Christian "Terror" Görlitz (Hamm). Das Fahrverbot stehe "auf wackeligen Beinen". Biker halten zusammen. Sie grüßen sich auf der Straße, ohne einander zu kennen, duzen sich, und wenn einer eine Panne hat, halten andere an, um zu helfen. Dies mag auch daran liegen, dass Biker mangels Knautschzone eine gefährdete Art sind. So etwas macht solidarisch. Als besonders ruhiger und besonnener Vertreter seiner Art, der es nur auf der Rennpiste krachen lässt, gilt Günter Beyer. Das Fahrverbot bringt den Wirt jedoch auf die Palme, da reißt ihm fast der Kinnriemen. "Wir sind keine Bekloppten, keine Rowdys oder Menschen zweiter Klasse", stellte Beyer klar, bevor die Demo-Fahrt über Silixen, Möllenbeck, Krankenhagen und wieder zurück führte. Gleichzeitig setzte der Sprecher sich kritisch mit einem Teil der eigenen Fraktion auseinander. "Leider gibt es in jeder Gruppe Ausreißer, auch bei den Autofahrern", sagte er. Wegen einzelner Biker sei die Straße gesperrt. "Und dagegen wehren wir uns." An den Rasern sollten die Vernünftigen künftig "rütteln", verbunden mit der Ermahnung: "Du machst uns die ganze Szene kaputt. Junge, lass das sein!" Auf einer Landstraße mache Raserei keinen Sinn. Dennoch sieht Beyer in dem Fahrverbot eine einseitige Diskriminierung von Bikern: "Weil zu viele Autos, Laster oder Wohnwagen unterwegs sind, wird keine Straße gesperrt." Die K 80 durch den Möllenbecker Wald ist bei Bikern besonders beliebt. Erstens führt sie zum Treffpunkt "Günter's Kurve", zweitens ist dieser Weg mit reizvollen Kurven gepflastert. Wohl deshalb verwechseln einige Motorradfahrer die Strecke mit einer Rennpiste und pfeifen aufs Tempolimit. Wiederholt hat es dort Stürze gegeben, zum Teil mit schweren Verletzungen. Darüber hinaus können Heizer Lärm verursachen, der Anwohner ebenfalls stört. Seit dem 19. Juli ist die Kreisstraße deshalb an Wochenenden und Feiertagen zunächst bis Ende Oktober für Kräder gesperrt. Um Platz für den Kiesabbau zu schaffen, soll sie eines Tages ganz verschwinden. Widerstand leistet eine Interessengemeinschaft gegen die Einziehung. Deren Sprecher Manfred Stoller (Silixen) vertrat währendder Abschlusskundgebung bei "Günter's Kuve" die Auffassung, dass das Fahrverbot die Probleme nur auf andere Straßen verlagere. "Statt Sperrung hätten wir uns stärkere Kontrollen gewünscht", sagte Stoller. Den Protest der Biker sieht er als "weiteres Mosaiksteinchen gegen die Einziehung". Extertals Bürgermeister Hans Hoppenberg erinnerte daran, dass "Günter's Kurve" ein wichtiges touristisches Ziel sei. Noch.




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