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3500 Disco-Jünger feiern Kool & The Gang, Chic, Imagination & Co

„Big Five der Disco-Ära“ verwandeln die AWD-Hall in Party-Tempel

Es war die Zeit der Spiegelkugeln, Stroboskopleuchten, Lichtorgeln und Nebelmaschinen, die in den Diskotheken in den 70er- und 80er Jahren den jungen Leuten ein neuartiges akustisch-visuelles Erlebnis verschafften – im gleichen Atemzug entwickelte sich unter den Disco-Jüngern eine neue Mode- und Feierkultur.

„Celebrate Good Times, Come On!“ heißt das Motto, mit dem RTL im Rahmen des TV-Formats „Die ultimative Chartshow“ Bands wie Kool & The Gang, Earth Wind And Fire Experience feat. Al McKay, Sister Sledge, Chic und Imagination nach mehr als 30 Jahren wieder auf eine gemeinsame Tour schickt. Doch die „Big Five der Disco-Ära“ entflammen an diesem Abend nicht jedes Herz der Konzertbesucher – zu unterschiedlich war letztendlich der Geschmack des Publikums.

Ein absoluter Ohren- und Augenschmaus ist jedoch der Auftritt von Chic, die mit ihrem Chef, Nile Rodgers, den Disco-Marathon eröffnen. Ohne Vorglühzeit geht’s in die Vollen – die Gruppe präsentiert mit Stücken wie „Everybody Dance“, „Le Freak“, „Good Times“ und „I Want Your Love“ einen Hit nach dem anderen. Auch seinem Ruf als exzellenter Produzent wird Rodgers mehr als gerecht, denn die performten Cover „Upside Down“ von Diana Ross, David Bowies „Let’s Dance“ oder „Spacer“ von Shela B. Devotion stammen ebenfalls aus seiner Feder oder wurden von ihm produziert. Mit seiner runderneuerten, ganz in weiß gekleideten Truppe legte der 60-jährige Multiworker die Messlatte für die nachfolgenden Acts auf eine kaum zu überspringende Höhe.

Mit dem etwas langen und umständlichen Namen „Earth Wind And Fire Experience featuring The Al McKay Allstars“ kündigt sich eine Formation an, die den ehemaligen Gitarristen der Gruppe „Earth Wind And Fire“, Al McKay, in ihren Reihen hat. Acht Jahre stand McKay auf der Lohnliste der legendären Kombo, deren noch tourende Originalmitglieder Maurice White (Gründer), Philip Bailey (Gesang – seit 1972) und Ralph Johnson (Schlagzeug – seit 1972) das Publikum sicher lieber auf der Bühne gesehen hätte. Dennoch ist der Auftritt des 13-köpfigen Ensembles vom Feinsten. Insbesondere die drei Frontmänner setzen mit ihren grandiosen Stimmen die Akzente der Al-McKay-Allstars, die mit „Boogie Wonderland“, „Fantasy“, „Jupiter“, „Written In The Stone“, „Thats The Way Of The World“, „September“ oder „Getaway“ die Hits von Earth Wind And Fire zu neuem Leben erwecken.

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Mit Bandana um die Rastalocken, weißem Anzug und cooler Sonnenbrille gehörte Nile Rodgers & Chic zu den Highlights des Abends.

Dass es Sister Sledge nach dem exzellenten Doppelauftakt schwer haben wird, das aufgeheizte Publikum auf ähnlich hohem Niveau zu unterhalten, wird jedem sofort klar. Hätten die drei Schwestern nicht ihre Top-10-Hit-Collection, mit Songs wie „We Are Family“, „Lost In Music“ oder „He’s The Greatest Dancer“, in ihrem Tourgepäck gehabt – der Kurzauftritt des Trios hätte schnell zum Desaster werden können. Gesanglich gehören die Mädels jedenfalls an diesem Abend nicht zu den „Big Five der Disco-Ära“. Der „Dieter“ hätte gesagt: „Das ist gut, aber nicht gut genug, Ladys“.

Steilvorlage für Imagination, die von dem Trio auch genutzt wird – dass Disco-Klassiker wie „Just An Illusion“, „Body Talk“ oder „Music And Lights“ im Halbplayback-Verfahren auf die Massen losgelassen werden, hat von einem fesselndem Liveerlebnis leider wenig. Die Konzertbesucher stört das aber weniger – Gründungsmitglied „John Leee“ freut’s und nimmt die Ovationen seiner Fans dankend entgegen.

Mit einem langen Trailer wird der unumstrittene Headliner „Kool & The Gang“ gebührend angekündigt. Obwohl die Band mit „Cherish“ 1985 ihren letzten großen Hit hatte, erntet die einstige Hitmaschine seit den Neunzigern mehr oder weniger in einer ausgiebigen Tour-Arbeit die Früchte ihrer früheren erfolgreichen Jahre. Nach dem Motto „Bäumchen, wechsle dich“ war insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten die Fluktuation der einzelnen Bandmitglieder enorm – in Hannover übernehmen überwiegend Shawn McQuiller und Lavell Evans den Gesang, während Gründungsmitglied und Namensgeber Robert „Kool“ Bell seine Bass-Arbeit überwiegend im hinteren Teil der Bühne verrichtet. „Ladies Night“, „Celebration“, „Fresh“ oder „Get Down To It“ sind Disco-Klassiker, die noch heute jeden Saal zum Kochen bringen. Ohne Zweifel haben Kool & The Gang mit ihrer schweißtreibenden Show, zusammen mit Chic, den besten Eindruck unter den „Big Five der Disco-Ära“ hinterlassen. Dass während des Auftritts der „coolen Gang“ die Fans langsam den Heimweg antreten, liegt sicher daran, dass nach einem ausgiebigen Funk/Soul-Marathon auch langsam das Sättigungsgefühl einsetzt.

Besonders lobend zu erwähnen: Keine Umbauphase dauerte länger als zehn Minuten. Dass man bei so einem Show-Spektakel jedoch keine Video-Leinwände links und rechts der Bühne platziert hatte, war einfach schade.




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