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Jugendliche befassen sich im Workshop mit dem Thema "Konzentrationslager" / Gedenken im Harzer Bergstollen

Bewegende Andacht vor einem ehemaligen Krematorium

Obernkirchen (sig). Im Rahmen eines viertägigen Workshops befasste sich die Evangelische Jugend der Bergstadt mit dem Nationalsozialismus und dem ehemaligen

Kon zen trationslager Mittelbau-Dora in Nordhausen (Thüringen). Unter dem Motto "Raus aus der Schule - Geschichte selbst erforschen" informierten sich die Jugendlichen vor Ort. Mit dabei waren die Jugendleiter Ralf und Elke Schönbeck sowie Pastor Herbert Schwiegk. Das Lager Dora war im Sommer 1943 gegründet worden, zunächst als Außenstelle des KZ Buchenwald. Bekannt wurde es vor allem durch die Produktion der sogenannten "Vergeltungswaffen", die noch in aussichtsloser Lage den "Endsieg" herbeiführen sollten. Dazu gehörten Flügelbomben und die Raketen V1 und V, die von Häftlingen in unterirdischen Anlagen montiert wurden. Im Oktober 1944 wurde aus der Außenstelle ein selbständiges KZ, das kurz vor Kriegsschluss aus 40 Einzellagern bestand. Zu Beginn des mehrtägigen Besuchs besichtigte die Obernkirchener Jugendgruppe das im Jahre 2005 errichtete Museum. Hier erhielten die Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 14 Jahren einen ersten Einblick in die Entstehung dieser mörderischen Einrichtung und in ihre Hierarchien sowie in das ganze System; außerdem gab es Informationen über die Herkunft und die Einweisungsgründe der Inhaftierten. Bisher vermuteten die Jugendlichen, dass in dem KZüberwiegend Juden saßen. Bei diesem Besuch wurde deutlich, dass die Insassen aus über 40 Nationen und aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten kamen. Eine Pädagogin der Gedenkstätte machte den Jugendlichen deutlich: "Niemand von euch soll ein schlechtes Gewissen haben. Das muss nur der, der sich die falschen Freunde aussucht." Mit dieser Aussage sollten die jungen Gäste aus der Bergstadt darauf hingewiesen werden, wie wichtig es ist, auch heute noch gegenüber rechten und fremdenfeindlichen Tendenzen klar Stellung zu beziehen und Zivilcourage zu beweisen. Nach einem ausführlichen Rundgang über das Lagergelände arbeiteten die Workshop-Teilnehmer in kleinenGruppen das Gesehene und Erfahrene für einen am 9. November geplanten Gottesdienst multimedial auf. Auf Wunsch der Jugendlichen hielt Pastor Herbert Schwiegk vor den Toren des ehemaligen Krematoriums eine Andacht ab. Anschließend begaben sie sich stillschweigend in die Bergstollen, um dort Kerzen zum Gedenken zu entzünden. Abgeschlossen wurde die Freizeit mit einer Kanutour auf der Unstrut und mit einem Grillabend auf dem Gelände der Jugendherberge "Rotleim-Mühle" in Nordhausen. Weitere Informationen zu diesem Workshop sind zu finden unter www.dora.de. Interessenten sind eingeladen zum Gottesdienst am Sonntag, 9. November, Gemeindezentrum "Rote Schule".




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