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Vor Gericht: Urteil in zweiter Instanz abgemildert / 5000 Euro Schmerzensgeld - 150 Stunden gemeinnützige Arbeit

Bewährung: Messerstecher muss nicht ins Gefängnis

Rinteln (maf). Nach einer blutigen Auseinandersetzung im türkischen Kulturverein in der Bäckerstraße muss ein 37-jähriger Messerstecher nun doch nicht ins Gefängnis: Vom Amtsgericht Rinteln in erster Instanz zu neun Monaten Haft verurteilt, setzte das Landgericht Bückeburg jetzt die Freiheitsstrafe zur Bewährung aus.

Im April 2005 hatte der Arbeitslose mit einem Küchenmesser einem Landsmann ins Gesäß gestochen und dabei dem Opfer eine knapp zwei Zentimeter lange und sechs Zentimeter tiefe Wunde zugefügt. Die Berufungskammer unter Vorsitz von Richter Friedrich von Oertzen erkannte auf gefährliche Körperverletzung und verband die Bewährungsstrafe mit einem Bündel von Auflagen. So muss der Familienvater 150 Stunden gemeinnützig arbeiten und 600 Euro an die Opferhilfe in Bückeburg überweisen. Außerdem wurde er der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellt. Der Fall: In einer Aprilnacht hatte der stark alkoholisierte Angeklagte (mehr als zwei Promille ermittelte die Polizei) und das spätere Opfer mit zwei weiteren Gästen Karten gespielt - vermutlich Poker und vermutlich um Geld, aber das ließ sich vor Gericht nicht hundertprozentig klären. Obwohl es nach Zeugenaussagen keinen größeren Streit gegeben habe, habe der Mann plötzlich ein Messer gezogen und auf seinen Landsmann eingestochen. "Eine potentiell lebensbedrohliche Verletzung", wie ein Sachverständiger vor Gericht erklärte. Nach der Messerattacke ist die Wunde des Opfers im Krankenhaus genäht worden. Seine erfolgreiche Berufung hat der Angeklagte nicht zuletzt einem veränderten Verhalten zu verdanken. Im Gegensatz zur ersten Verhandlung zeigte sich der von Rechtsanwalt Ralf Jordan verteidigte 37-jährige nun geständig und entschuldigte sich bei dem Verletzten. Darüber hinaus bekannte er sich zur Schadenswiedergutmachung: Von einem Zivilgericht war der Messerstecher zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 5000 Euro verurteiltworden. Seine Berufung gegen dieses Urteil hat er inzwischen zurückgenommen.

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