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Vor Gericht: Ehepaar lässt sich nicht übertölpeln / 36-Jähriger erhält ein Jahr Haft auf Bewährung

Betrug mit schwarzen Papierschnipseln

Stadthagen (menz). "Wash-wash" heißt ein neuer Geldnoten-Betrügertrick, mit dem versucht wird, bei gutgläubigen Mitmenschen Geld abzuzocken. Das hat ein 36-jähriger Kameruner in Stadthagen versucht. Er tappte aber in eine Falle der Polizei. Nun wurde er zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Jahrhunderte haben Alchemisten nach einer Formel zur künstlichen Herstellung von Gold gesucht, die Märchenwelt wimmelt von geknechteten Müllerstöchtern, die für irgendwelche Könige Gold herstellen sollen. Das schnelle Geld scheint ein alter Menschheitstraum zu sein und Betrüger machen sich das gern zu nutze. Manche scheinen auch einen Weg gefunden zu haben, aus Stroh Gold zu spinnen. Und fast scheint es so, als könnten Betrüger umso erfolgreicher absahnen können, je haarsträubender die Geschichte ist, die den potenziellen Opfern präsentiert wird. Je höher der in Aussicht gestellte Gewinn ausfällt, desto schneller setzt der Verstandaus. "Wash-Wash" ist die neueste Masche, mit der abgezockt wird. Schwarze Papierschnipsel werden als geschwärzte Banknoten ausgeben, die mittels echter Geldscheine und Chemikalien entfärbt und wieder brauchbar gemacht werden könnten. 35 Prozent von vorgeblich echten gefärbte 800 000 Euro wurde einem Ehepaar aus Schaumburg angeboten, wenn sie denn erstmal 400 000 tatsächlich echte Scheine für das Reinigungsverfahren zur Verfügung stellten. Bei den Geschäftsleuten sind die Betrüger aber an die Falschen geraten. Die Schaumburger wandten sich an die Polizei, die den Gaunern eine Falle stellte. Ein 36-Jähriger aus Kamerun wurde in Stadthagen jetzt wegen versuchtem Betruges und diverser Vergehen im Zusammenhang mit illegaler Einreise zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. "Extrem laienhaft" hatte die Verteidigerin in ihrem Plädoyer den Betrugsversuch genannt und, dass selber schuld sein müsse, "wer darauf reinfällt"`. Dagegen sagte Strafrichter Kai-Oliver Stumpe, man würde "staunen", wie verbreitet die "schier unglaubliche Betrugsmasche" sei und warnte vor Überheblichkeit. Stecke ein potenzielles Opfer erst einmalin einer Gesprächssituation fest, könne man ihm vieles glauben machen, über das "die Leute sonst nur den Kopf schütteln, wenn sie das in der Zeitung lesen". Das Schaumburger Paar hatte in erster Linie Sorge, mit heiler Haut aus der Geschichte zu kommen. Was der Mann als Zeuge schilderte hat alles, was ein Krimi braucht. Ein konspirative Treffen im Hotelzimmer, dubiose Erklärungen, ein Koffer, angeblich voller Geld. Angefangen hatte alles ganz harmlos mit einer privaten Begegnung in einem Laden Stadthagen. Anschließend wollte man auch ins Geschäft kommen, die Schaumburger Geschäftsleute sollten Waren für den Export nach Afrika liefern. Nach angeblich afrikanischer Geschäftstradition bestanden die vorgeblichen Kunden auf Barzahlung und lotsten die Eheleute in ein Hotel nach Hannover. Auf einem Zimmer wurden die Schaumburger dann mit dem Ansinnen der Geldwäsche überrascht. Rundweg abzulehnen, traute sich das Paar nicht, zu brenzlig schien es, als unliebsame Zeugen eingestuft zu werden. Als die Gauner zwischenzeitlich ausgehandelte 47 000 Euro im Schaumburger Land abholen wollten, wurden sie geschnappt. Auch mit Bewährung hat das Urteil für den Schwarzafrikaner schwerwiegende Folgen. Die Strafaussetzung erspart ihm zwar Haft, aber nicht die zwangsweise Rückkehr nach Kamerun. Fürs Erste ist damit der Versuch gescheitert, dem Elend in seiner Heimat zu entkommen.

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