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Dafür bereiten die Wildschweine den Jagdpächtern Sorgen / "Treibjagden gibt's seit mehr als 20 Jahren nicht mehr"

Betrübliche Erkenntnis: Fasane sind zur Rarität geworden

Heeßen (sig). Die Wildschweine sind dreister geworden. Sie kennen keinen Respekt vor Sportplätzen und Hausgärten, wie sich vor nicht allzu langer Zeit im Raum Krainhagen zeigte. Auch am Buchholzer Berg wurde auf einer größeren Fläche die Grasnarbe zerstört. "Der zunehmende Maisanbau macht es immer schwieriger, des Schwarzwildes habhaft zu werden", erklärte Friedhelm Baule, Sprecherder Jagdpächter im Bereich der Jagdnossenschaft Heeßen-Bad Eilsen-Buchholz.

Reinhard Baule-Steinmeier.

Bei der Jahreshauptversammlung im "Heeßer Krug" beklagte Baule, dass die Wildschweinrotten in der Gemarkung zu viel Deckungsschutz fänden. Neben den Maisfeldern würden sie sich auch in den immer größer werdenden Rapsflächen zuweilen monatelang aufhalten. Neben der Pflanzennahrung suchten sie nach tierischem Eiweiß, und deshalb würden tiefe Furchen in die Grasnarben gezogen. Viel zu erlegen gab es im abgelaufenen Jagdjahr nicht. Das Muffelwild blieb ungeschoren, weil auf der Strecke zwischen Buchholz und Rehren A.O. ein Regenrückhaltebecken errichtet wurde und dort aus Sicherheitsgründen in dieser Phase nicht geschossen werden konnte. Das ist ein Bereich, in dem man die Mufflons häufig antraf. Wegen der Bauarbeiten sind sie in Richtung Bernsen gewechselt, und das ist ein anderes Jagdgebiet. Veterinär Dr. Hans-Christian Tänzer wies außerdem darauf hin, dass die in Nordrhein-Westfalen aufgetretene Blauzungenkrankheit, die eine große Gefahr für die Wiederkäuer darstellt, auch schon das Schaumburger Land erreicht hat. Im Rintelner Raum sei ein verdächtiger Rehbock erlegt worden, auf dessen Laborbefund man jetzt wartet. Diese Viruserkrankung, deren Symptome der Maul- und Klauenseucheähneln, wird durch Mücken, Zecken und andere stechende Parasiten übertragen. Menschen können jedoch daran nicht erkranken. Wildkaninchen gibt es kaum noch. Die Ursache sieht der Veterinär in einer anderen bundesweit aufgetretenen Viruserkrankung. Die Rebhühner hingegen seien, so Dr. Tänzer, ein Opfer der intensivierten Landwirtschaft geworden. Ihnen fehle ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot, unter anderem Hackfrüchte. Außerdem gebe es nicht ausreichend Hecken zu ihrem Schutz. Zur Dezimierung des Fasanenbestandes tragen Fuchs und Marder sowie Krähen und Elstern bei, die die Gelege der Bodenbrüter ausräubern. "Diese Raubvögel machen alles platt und sind damit auch eine Gefahr für unsere Singvögel", unterstrich ein Jäger. "Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, dass wir mal einen Fasan erlegt hätten, und Treibjagden gibt es bei uns schon seit über 20 Jahren nicht mehr", berichtete Friedhelm Baule. Im vergangenen Jahr sei wieder mehr Wild auf der Straße umgekommen als im Revier auf der Strecke. Dazu gehörten fünf Rehe, vier Feldhasen, ein Fuchs, ein Steinmarder und zwei Dachse. Die Jäger haben neben einem Stück Schwarzwild noch zwei Hasen und vier Füchse erlegt. Abgeschossen wurden außerdem nur noch etliche Rabenkrähen, Elstern und Ringeltrauben. Eine große Bitte haben die Jäger und Landwirte noch an alle, die mit Hunden durch die Feldmark gehen. Sie sollten keine Knüppel mehr zum Apportieren auf die Felder und Wiesen werfen, die dann häufig liegen bleiben und dadurch schwere Schäden an den Mähwerken verursachen. Und an die Kommunalpolitiker richten die Jagdpächter den Wunsch, den Bereich von Steinmeyers Brink bis zur Einmündung der Waldstraße und bis zum Brommelken Busch nur für Land- und Forstwirtschaft freizugeben, damit es mehr Ruhe für das Wild am Rande des Bückeberges gibt, das dann dort auch zur Äsung hinaustreten kann. Besonderes Lob zollte Friedhelm Baule dem Heeßer Bürgermeister Wilhelm Brümmel. Der habe auf seinem Grundstück zentnerweise Eicheln gesammelt und für die Fütterung zur Verfügung gestellt. Das Schwarzwild konnte deshalb vom unerwünschten Besuch landwirtschaftlich genutzter Flächen abgelenkt werden. Der 1. Vorsitzende der Jagdgenossenschaft, Reinhard Baule-Steinmeier, informierte die Versammlungsteilnehmer darüber, dass der Golfclub rund 25 000 Quadratmeter Land am Südhang des Harrls von der Fürstlichen Hofkammer erworben habe. Dieser Bereich gehöre damit nicht mehr zur Privatjagd des Fürstenhauses, sondern zur Gesamtfläche des 552 Hektar umfassendes Jagdbezirkes, von dem aber nur in einem Bereichvon 293 Hektar gejagt werden kann.

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