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Hegegemeinschaft vor der Gründung / Überpopulation und Bestandsschrumpfung sind fatal

Besonderes Augenmerk auf 140 Mufflons

Landkreis (mw). Um das auf dem Bückeberg lebende Muffelwild langfristig zu erhalten, wollen die örtlichen Jagdrevierinhaber, das Kreisforstamt des Landkreises Schaumburg und die Klosterkammer Forstamt Westerhof gemeinsame Sache machen. Das rechtliche Fundament soll eine Muffelwild-Hegegemeinschaft Bückeberg bilden, für deren Gründung sich die Parteien einhellig ausgesprochen haben.

Das Muffelwild im Bereich des Bückebergs ist "mit Sicherheit einer der ältesten Bestände im norddeutschen Raum", berichtet Bernhard Michel, ehemaliger Leiter des Kreisforstamtes Schaumburg. Zudem handele es sich um das vermutlich einzige reinrassige Vorkommen in Norddeutschland. Die heute - grob geschätzt - rund 140 Tiere gehen dabei auf eine kleines Rudel zurück, das die Fürstliche Hofkammer 1914 beim Forstamt Brandshof ausgesetzt hatte. "Unser Muffelwild schält keine Laubbäume", hebt Michel eine weitere Besonderheit hervor. Man könne sich daher einen Muffelwildbestand leisten, ohne dass es forstwirtschaftliche Probleme gibt. Lediglich an Nadelholz würden sich die Tiere gütlich tun, wenn deren Population zu groß sei. Sinke die Zahl der Tiere dagegen unter eine "kritische Grenze", könne der hiesige Bestand der ursprünglich auf Korsika und Sardinien beheimateten Art in sich zusammenbrechen. Von 1995 bis 1996 habe das Muffelwild im Forstamt Brandshof bereits einmal einen "Absturz" um 80 Prozent verzeichnet, ergänzt Kreisjägermeister Heinrich Stahlhut-Klipp. Von dem insgesamt zur Verfügung stehenden Lebensraum (rund 4000 Hektar Wald) nutze die Art zudem nur einen Teil - rund 1400 Hektar im Brandshof und ungefähr 100 Hektar im Revier Wormstal. Die Hauptgründe für den damaligen Bestandseinbruch seien eine falsche Jagdstrategie sowie Störungen durch Hubschrauberflüge im Umfeld der ehemaligen NATO-Station und nächtliche Marschübungen der Bundeswehr gewesen, erklärt Michel. Mittlerweile sei der gesamte Bereich des Forstamtes Brandshof zwar wieder gleichmäßig besiedelt, dafür bestehe nun aber die Gefahr, dass das Muffelwild dort überhandnimmt. Das langfristige Ziel der Hegegemeinschaft werde demnach sein, eine größere Population von bis zu 300 Tieren auf einer größeren Fläche zu halten, erläutert Michel, der die Institution Hegegemeinschaft zusammen mit Stahlhut-Klipp angeregt hat. Zunächst sollen von den beteiligten Revierinhabern verlässliche Bestandsdaten gesammelt und insbesondere in den vom Muffelwild bislang unbesiedelten Bereichen auf dessen Bejagung verzichtet werden. Anschließend wird ein gemeinsamer Abschussplan aufgestellt. Dabei sollen die standorttreuen Mufflons durch eine Erhöhung des Jagddrucks im bisherigen Kerngebiet veranlasst werden, sich auch auf die noch nicht frequentierten Randbereiche zu verteilen. Bei der vor Kurzem ausgerichteten Informationsveranstaltung für die Hegegemeinschaft habe es eine "sehr positive Resonanz" seitens der Revierinhaber, des Kreisforstamtes und der Klosterkammer gegeben, freut sich Michel. "Die jagdlichen und forstlichen Interessen sind unter einen Hut gebracht worden." Eine Arbeitsgruppe bereite nun einen Satzungsentwurf und die für Ende Dezember geplante offizielle Gründungsversammlung vor.




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