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100 protestieren an künftiger Baustelle des Klinikums in Vehler Feldmark

Beschäftigte aller drei Krankenhäuser legen Grundstein für Tarifvertrag

Vehlen (tw). Es ist der Höhepunkt des dreitägigen Streiks am kirchlichen Krankenhaus Bethel und der Warnstreiks an den beiden Landkreiskrankenhäusern in Rinteln und Stadthagen: Mit dem Ablegen eines symbolischen „Grundsteines für einen Tarifvertrag“ tragen etwa 100 Beschäftigte aller drei Einrichtungen ihren Protest am gestrigen Donnerstag ab 11 Uhr auf die künftige Klinikumsbaustelle in der Vehler Feldmark; zuvor haben sich die Mitarbeiter, flankiert von Kollegen aus dem ver.di-(Senioren-)Ortsverein und dem Marburger Bund, auf dem Parkplatz am Ahnser Mehrzweckhaus versammelt, den sie mit Fahnen und Transparenten im Rahmen eines Sternmarsches bei leichtem Schneetreiben erreichen.

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Was sie erstmals in der Geschichte des Landkreises eint, drückt Aysun Tutkunkardes. ver.di-Gewerkschaftssekretärin für den Bezirk Hannover/Leine-Weser, so aus: „Es kann nicht sein, dass die Bückeburger alleine für ihren Tarifvertrag streiken müssen.“ Bereits jetzt wüchsen die erst später in einem Klinikum vereinten Beschäftigten zusammen, „aber anders, als sich die Arbeitgeber das vorstellen“.

Denn auch die dritte oder vierte Aufforderung zu Tarifverhandlungen an die Arbeitgeber am Standort Bethel/Bückeburg sei bis heute ohne eine Antwort geblieben; ähnliche Funkstille herrsche aufseiten des Landkreises. Erst am zurückliegenden Montag sei dann ein „hektischer Anruf“ von Bethel-Geschäftsführer Ralph Freiherr von Follenius eingegangen, aufgrund dessen dann am Dienstag ein allererstes, konstruktives Gespräch stattgefunden habe. Gleichwohl sei man am Ende ergebnislos auseinander gegangen, „denn ein Angebot hat es nicht gegeben“, so Tutkunkardes. Das sei dann zwar am Mittwochabend auf den Tisch gekommen, aber: „Es hat definitiv nichts mit unserer Forderung nach einem Tarifvertrag zu tun, zielt nur darauf ab, die ohnehin gesetzlich bestehenden Beteiligungsrechte im Überleitungsverfahren um die Beteiligung von ver.di etwas zu erweitern. Es geht darin aber nicht um echte Mitbestimmung“, so die Gewerkschaftssekretärin. Deswegen habe man den Streik auch nicht abgesagt; die Aktionen gingen weiter.

Vor den im Zuge der archäologischen Grabungen aufgeworfenen Vehler Erdhügeln werden die Marschierer von etwa 25 Mitgliedern der Initiative „Landschaftsschutz Schaumburg“ erwartet; die Gegner eines Klinikums an diesem Standort solidarisieren sich mit den Streikenden ebenso wie die Rintelner und Stadthäger Kollegen. Gleichfalls im Begrüßungskomitee: die Arbeitgeberseite mit den Bethel-Geschäftsführern Claus Eppmann und Ralph Freiherr von Follenius …

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  • Der Protestzug von Beschäftigten aus allen drei Krankenhäusern zieht durch die Feldmark.
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  • Will gemeinsam Steine aus dem Weg räumen: Bethel-Geschäftsführer Claus Eppmann.
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  • Will einen Tarifvertrag für „Bethel“-Beschäftigte: Bezirkssekretärin Aysun Tutkunkardes.
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„Wir haben den (Grund)Stein im Oktober von der Geschäftsführung überreicht bekommen – als Gegenstück für ein ,Schwarzes Schaf’, das die zuvor von uns erhalten hat“, erklärt Tutkunkardes. Die Gewerkschaftssekretärin via Megafon: „Der Stein sollte ein Symbol für die ,Betonköpfigkeit’ von ver.di sein – genauer, dafür, dass wir noch immer an unserem Wunsch festhalten, einen Tarifvertrag abzuschließen.“ Dabei: Betonköpfe seien die ver.di-Mitglieder nicht, im Gegenteil: „Wir sind gesprächsbereit, halten aber an unserem Ziel fest, schon jetzt einen gemeinsamen Tarifvertrag für die Beschäftigten aller drei Krankenhäuser, die später im Klinikum arbeiten werden, abzuschließen.“

Am Ende der Kundgebung meldet sich auch Eppmann zu Wort. Weil sich der Bethel-Geschäftsführer mit Follenius zuvor über den Protestzug lustig gemacht haben soll – was beide aber bestreiten – wird er zunächst niedergepfiffen. Als Eppmann schließlich zu Wort kommt, sagt er: „Wir möchten mit unserem Erscheinen zeigen, dass wir die begonnenen Gespräche mit Mitarbeitern wie Gewerkschaften weiter führen wollen.“ Auch der Bethel-Geschäftsführer hat Gewichtiges mitgebracht; es ist ein etwa backsteingroßer Findling. „Er soll symbolisieren, dass wir den Weg, der durchaus steinig sein kann, gemeinsam aufräumen müssen.“ Keine Seite werde das allein schaffen, weder Geschäftsführung, noch Mitarbeitervertretung oder Gewerkschaften.



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