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Vor Gericht: Prozessauftakt im Fall Krystyna Pagacz-Znoj / Verteidigung will auf Totschlag hinaus

Bernd S. (30) gibt zu: "Ich habe sie getötet"

Rinteln/Bückeburg (ly). Zum Auftakt des Indizienprozesses um den Tod von Krystyna Pagacz-Znoj hat der Angeklagte gesternüberraschend zugegeben, die Rintelnerin umgebracht zu haben. Den Mordvorwurf bestreitet er.

Bernd S. will die 47 Jahre alte Polin in seiner Wohnung im Streit erwürgt haben. Mit dieser Erklärung möchte Verteidiger Dr. Volkmar Wissgott offenbar auf Totschlag hinaus, möglicherweise im Affekt. "Es trifft zu, dass ich sie getötet habe", ließ S. durch Wissgott verlesen. Staatsanwalt Frank Hirt glaubt dagegen unverändert, dass der 30-Jährige das Opfer am 10. November 2000 oder kurz vorher ermordet hat, um eine vorausgegangene Vergewaltigung zu verdecken. Überraschung Nummer zwei betrifft einen bisher nicht geladenen Zeugen mit unbekanntem Wohnort, dessen Namen die Verteidigung gestern präsentiert hat. Dieser Mann, angeblich ebenfalls Rintelner, soll die Leiche beseitigt haben, an der eigentlichen Tat aber nicht beteiligt gewesen sein. Wenige Tagedanach hatten Spaziergänger die Tote neben einem Waldweg am Hohenroder Ortsausgang entdeckt. Der Zeuge soll an einem der nächsten Prozesstage vor dem Bückeburger Schwurgericht vernommen werden. Bernd S. ist außerdem wegen des hinterlistigen Angriffs auf eine Eisbergerin angeklagt. Im September 2001 war die damals 58-Jährige schwer verletzt auf einem Radweg an der Dankerser Straße zwischen Eisbergen und Rinteln gefunden worden, niedergeschlagen mit einem Knüppel. Mit dieser Tat will S., vorbestraft unter anderem wegen zweier Banküberfälle in Eisbergen (August 2001) und Rehren (November 2001), nichts zu tun haben. Eigenen Angaben zufolge war der Koch an jenem Morgen gegen 5.30 Uhr auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle, einer Klinik in Bad Oeynhausen. "Am Straßenrand sah ich eine Frau liegen", behauptet er. "Sie hat gestöhnt und gejammert. Ich habe versucht, sie aufzurichten." In dem blutüberströmten Opfer will der Rintelner, der zuletzt in Lindhorst gelebt hat, "eine gewisse Ähnlichkeit zu Frau Pagacz-Znoj erkannt" haben, die er knapp ein Jahr zuvor getötet hat. "Da ist alles in mir hochgekommen." In Panik will der Mann daraufhin den Tatort verlassen haben. An beiden Frauen waren DNA-Spuren des Angeklagten sichergestellt worden. Mit Krystyna Pagacz-Znoj, so behauptet der Angeklagte, habe erüber Monate eine sexuelle Beziehung gehabt. Beide wohnten damals im selben Rintelner Mehrfamilienhaus. Am Abend der Tat soll es zu einem teils handgreiflichen Streit gekommen sein, in dessen Verlauf S. "regelrecht ausgerastet" sein will. "Dann ist bei mir der Faden gerissen. Ich bin erst wieder zumir gekommen, als ich über ihr kniete und die Hände um ihren Hals hatte." In dieser Situation will der Rintelner einen langjährigen Freund angerufen haben. "Dir würde sowieso keiner glauben", soll der Bekannte abgeraten haben, zur Polizei zu gehen. Am besten sei es, die Tote verschwinden zu lassen. Angeblich haben beide Männer die Leiche mit einer Plane, Seil und Klebeband eingewickelt. Beseitigt haben soll der Freund die Tote allein. Am kommenden Montag um 9 Uhr wird der Mordprozess fortgesetzt.




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