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Am kommenden Montag endet die 23-jährige Dienstzeit des Kirchenmannes in Nettelrede

Bernd Petermann – der Diakon, den sie liebten

Nettelrede (st). Er kommt ursprünglich aus der Stadt, und er liebt die „Rolling Stones“ – dennoch hat Bernd Petermann es als Diakon im kleinen Deisterdörfchen Nettelrede geschafft, die Einwohner für sich zu gewinnen. Gestern hat der eifrige Fahrradfahrer mit der Vorliebe fürs Reimen seinen 65. Geburtstag gefeiert – nicht nur ein Grund zur Freude, denn am kommenden Montag endet damit seine 23-jährige Dienstzeit als Diakon. Petermann geht in den Ruhestand.

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Aber er wird der Kirchengemeinde wohl erhalten bleiben – als Kirchenvorsteher vielleicht. Sein Freund und Weggefährte, der langjährige Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Wilfried Wehrhahn, hat bereits durchblicken lassen, seinen Posten im Frühjahr zur Verfügung zu stellen. Durchaus eine Option für den baldigen Ruheständler. Dabei stand zu Beginn seiner Zeit in Nettelrede, gar nicht fest, dass er für immer bleiben würde.

Am 1. Januar 1988 hat Petermann seinen Dienst im münderschen Ortsteil angetreten. Zuvor hatte er in Lübeck als Altenpfleger in der Gerontopsychiatrie gearbeitet – nicht viel länger als ein Jahr lang, der Beruf sei auf Dauer nichts für ihn gewesen, sagt Petermann. Doch von vorn: Petermann ist 1946 in Lübeck geboren, mit neun Jahren ist der Norddeutsche mit seinem Stiefvater und seiner Mutter in den Pott nach Bochum gezogen. „Dort habe ich Maschinenschlosser gelernt, nachdem mein Stiefvater mir davon abgeraten hatte, ihm in seinen Beruf als Bergmann zu folgen.“

Mit 21 heiratet Petermann seine Frau Marija, eine Kroatin, die er im Urlaub kennengelernt hatte. „Mein liebstes Souvenir“, sagt Petermann heute. Sie gehen zurück nach Lübeck, wo Petermann zunächst als Schlosser weiterarbeitet, sich ehrenamtlich aber bereits in einer Kirchengemeinde engagiert. „Der Pastor hat mir dann gut zugeredet, und ich habe mich entschieden, eine Diakon-Ausbildung in Hannover zu beginnen“, sagt Petermann. Das war mit 24. In Lübeck arbeitet er nach seiner Ausbildung vorwiegend in der Jugendarbeit, bis sein ältester Sohn ihm irgendwann sagte, er wolle einen erwachsenen Papa haben, keinen Berufsjugendlichen. Petermann wurde Altenpfleger – nur kurz, dann geht er nach Nettelrede.

Seniorenkreis, Frauenkreis, Konfirmanden, Gottesdienste – Petermann ist in seinem Element. „Natürlich haben wir als Städter uns am Anfang schon an das Dorfleben gewöhnen müssen“, gibt der Diakon zu. „Nettelrede ist schon etwas Besonderes. Hier kann man besonders gut feiern“, sagt Petermann grinsend.

Doch ein Ereignis und die Reaktion der Nettelreder darauf hat den Diakon endgültig mit der Gemeinde verschweißt. „Meiner Frau und mir wurden drei Söhne geschenkt“, sagt Petermann: „Einer hat sich am 31. Mai 2003 das Leben genommen.“ Er fügt dankbar hinzu: „Und die Menschen hier waren für uns da. Sie haben uns angenommen in der Trauer und gemeinsam haben wir die Trauerzeit bewältigt. Seit dieser Zeit steht für uns fest, dass wir hier bleiben wollen.“

Es habe zahlreiche Herausforderungen in der Zeit in Nettelrede gegeben, und er habe sie gern angenommen, sagt Petermann. „Es ist nie langweilig geworden“, fügt er lachend hinzu. Besonders die Senioren lagen und liegen ihm am Herzen. „Die 14-tägige Seniorenfreizeit war für mich immer die schönste Zeit des Jahres“, sagt Petermann. „Da konnte ich nach Herzenslust Andachten vorbereiten, Themenabende gestalten und meiner Leidenschaft fürs Basteln freien Lauf lassen.“ Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand will er sich als Vorsitzender des Seniorenbeirates weiter um die Belange der Älteren in Bad Münder kümmern.

Zu den herausragenden Projekten während seiner Dienstzeit zählen die „Rund-um-Erneuerung“ der St.-Dionysius-Kirche, die Einführung des 14-tägigen 10-Uhr-Gottesdienstes in Nettelrede und die Restaurierung des Altars vor wenigen Wochen. „Das alles hätte ich ohne meine Frau gar nicht geschafft. Die hat mir immer meine Freiräume gelassen und auch geschaffen, sodass ich meine Arbeit gut machen konnte.“

Und es bleibt: das Bild des radelnden Reimers. Denn auch in Zukunft wird Petermann viele Strecken statt mit dem Auto mit dem Rad zurücklegen. „Das habe ich mir mal von meinem Arzt verschreiben lassen – wegen der Gesundheit“, sagt er lachend. Gar nicht so gesund ist die Tatsache, dass er während des Fahrens auch gerne mal die Zeitung liest, wie böse Zungen im Ort behaupten. „Ein, zwei Mal ist das vorgekommen“, sagt der Diakon augenzwinkernd. Ach: Und viele seiner Reden hat er in Reimform verfasst. Weil ihm leere Worthülsen bei Ansprachen „zuwider“ seien. Als Chef des Seniorenbeirates wird er auch zukünftig Gelegenheit haben, seine lyrisch-lustigen Beiträge zu Gehör zu bringen.



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