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Langsam kommt wieder Bewegung in den Schaumburger Frauenfußball

Beliebt, aber belächelt

Nach dem Filmstart von „101 Dalmatiner“ wollten alle einen kleinen, süßen Dalmatiner haben, nach den Geschichten um Eisbär „Knut“ am liebsten einen Bären. Ähnlich ist das auch beim Frauenfußball. Die Weltmeisterschaft der Männer 2006 im eigenen Land sowie die WM der Frauen 2011 haben auch dem deutschen Frauenfußball gut getan und kurz, nachdem sich die deutsche Damenelf am Sonntag den EM-Titel erspielt hatte, wurde bereits über den nächsten Ansturm auf die Sportvereine diskutiert. Spiegelt sich dieser Hype auch in Schaumburg wider? Auf jeden Fall ist wieder mehr Bewegung in den Frauenfußball gekommen.

Autor:

Kirsten elschner
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Aber so richtig anerkannt scheint der Sport noch immer nicht zu sein. „Mies“, „eher schlecht“, „es könnte besser sein“ – die Kommentare der Spielerinnen vom ASC Pollhagen-Nordsehl sind eindeutig – viele Männer blickten immer noch lächelnd auf die Frauen, und bei Punktspielen finde man deutlich weniger Fans am Spielfeldrand vor als bei den Männern. Davon lassen sich die Spielerinnen allerdings nicht bremsen.

Annika Ebbighausen (21) aus Hannover spielt seit rund zwölf Jahren Fußball beim ASC. „Mir blieb gar keine Wahl“, sagt sie lachend. Die ganze Familie sei fußballbegeistert. Andere sind durch die WM 2006 auf den Ball gekommen – Friederike Nowak (17) aus Stadthagen zum Beispiel. Altersmäßig ist das Team bunt gemischt. Silke Schütte (43) aus Porta Westfalica und Kerstin Niederan (45) aus gelldorf sind mit Abstand die ältesten Damen, nehmen das aber mit Humor. „Gib Mutti mal den Ball“, hört man auf dem Platz. Früher war in Sachen Frauenfußball in Schaumburg wesentlich mehr los. „In den Achtzigern gab es richtig viele Teams im Kreis“, erzählt Schütte, die seit 1982 Fußball spielt. Auch wenn es damals noch viele blöde Sprüche „von wegen Trikottausch“ gegeben hätte, seien die Menschen dem Frauenfußball gegenüber irgendwie offener gewesen als jetzt, meint sie. Es habe ausreichend Teams für eine vernünftige Liga gegeben. Dann sei der Frauenfußball irgendwie eingeschlafen. In dieser Saison habe man nicht mal genug Gruppen für den Spielbetrieb auf Kreisebene zusammenbekommen, sodass einige Teams am Spielbetrieb in anderen Regionen wie Hannover teilnehmen müssen.

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Das bedauert auch Andreas Weigl, kommissarischer Staffelleiter der Frauen im Landkreis. Dabei fehle es weder am Talent noch am Interesse der Frauen. Potenzial gebe es reichlich. „Innerhalb der Vereine wird das nur schlecht umgesetzt“, kritisiert Weigl, der sich mehr Engagement für den Frauenfußball wünscht. „Das Interesse der Spielerinnen ist wahnsinnig groß“, aber es fehle ein Ansprechpartner, der sich um den Nachwuchs kümmert. „Mädchen ticken eben ganz anders“, sagt er. Selbst im Spartenvorstand sei bloß eine Frau. Es gebe zwar mehr als 20 Mädchenmannschaften im Kreis, aber nicht genügend Damenteams, um die Jugendlichen auch langfristig zu halten. Viele der Jugendlichen würde man daher wieder verlieren.




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