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Vor Gericht: Geständnis und endlose Monologe zum Auftakt des Prozesses gegen Karl Heinz B.

"Bei Lebenslänglich möchte ich entsorgt werden"

Hohenrode/Bückeburg (ly). Mit festem Schritt betritt Karl Heinz B. den Saal des Schwurgerichts. Mit fester Stimme wünscht der 54-Jährige "einen schönen guten Tag", nachdem er kurz festgestellt hat: "Grabesstille hier." In diese Stille hinein sagt der mutmaßliche Totschläger aus Hohenrode: "Jawoll, das Böse ist immer und überall." Zum Auftakt des Prozesses in Bückeburg hatte der Angeklagte gestern einen großen Auftritt.

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Stundenlang philosophiert B. danachüber Martin Luther, Hölderlin oder den Sinn des Lebens, nur unterbrochen durch Fragen der Vorsitzenden Richterin Dr. Birgit Brüninghaus. Er selbst wäre als Richter wohl nicht so verständnisvoll. "Ich bin für die Todesstrafe", erklärt B. und kündigt einen Antrag an: "Bei Lebenslänglich möchte ich entsorgt werden." So weit ist es noch nicht, doch lebenslange Haft wäre möglich in diesem Fall. Angeklagt ist B. wegen Totschlags in einem besonders schweren Fall. Am Abend des 17. Februar soll er seine Frau in der Wohnung am Hohenroder Liethweg mit 21 Axthieben auf den Kopf im Streit getötet haben. Die beiden jüngsten Kinder, so heißt es in der Anklageschrift, mussten die ersten Schläge mit ansehen. Am nächsten Tag mussten sie dem Vater beim Verstecken der Leiche in einem nahen Wäldchen helfen. "Kinder, die Alte ist tot", soll dieser nach der Bluttat gesagt haben. Das Opfer hatte auch einen Namen, es hieß Nina und war eine Mutter. Für den Mann, der diese Frau, die sich in ihrem Sessel verzweifelt wehrte, getötet hat, ist der Prozess nichts als "Theater". Die Justizvollzugsanstalt, wo er seit Februar in Untersuchungshaft sitzt, nennt der 54-Jährige "einen Affenstall". Und zumindest einen Teil seiner Schuld wälzt B. auf eine Gesellschaft ab, die ihn, den "Künstler" und Außenseiter, sowie seine Familie "übelst diskriminiert" habe. "Im Dorf war ich unten durch, der Buhmann." Auch von Rintelner Behörden fühlt er sich ungerecht behandelt. Überhaupt spricht der Angeklagte am liebsten über sich ("Ich bin ein politischer Mensch") und wie er die Welt sieht. Nach einer quälend langen Viertelstunde sagt er zum ersten Mal einen Satz, den die Zuschauer im Saal, darunter Angehörige des Opfers, für das Mindeste halten: "Ich habe sehr großes Unrecht getan, es tut mir unendlich Leid." Anschließend wendet sich der eloquente 54-Jährige wieder anderen Themen zu, bevor er nach der Mittagspause auf die eigentliche Tat zu sprechen kommt. Wieder einmal soll sich der Streit an jenem Abend um Alkohol gedreht haben. Karl Heinz B. will von seiner Frau beleidigt und getreten worden sein, worauf er aus seinem Zimmer die Axt holte. "Ich wusste, das ist der Zeitpunkt", sagt er. "Von da an lief alles automatisch ab." Nach dem ersten Hieb will der Hohenroder "das Gefühl" gehabt haben, "eine Frau, die an der Schwelle zum Tod steht, hinüberretten zu müssen". Ein Gutachter hat ermittelt, dass dem ersten Schlag 20 weitere folgten. "Auf meine alten Tage bin ichäußerst aggressiv geworden", erklärt Karl Heinz B. "Mental plane ich die fürchterlichsten Dinge." Der Prozess wird am kommenden Montag, 23. Juli, um 9 Uhr fortgesetzt.

Am Abend des 18. Februar ist die Leiche der getöteten Nina B. in
  • Am Abend des 18. Februar ist die Leiche der getöteten Nina B. in einem Waldstück gefunden worden (Bild Mitte) - gestern war Prozessauftakt im Bückeburger Schwurgericht. Der Angeklagte Karl Heinz B. (Bild links) nutzt die Fragen der Vorsitzenden Richterin Dr. Birgit Brüninghaus (Bild oben, M.) zur Selbstdarstellung. Im Bild rechts Oberstaatsanwalt Bodo Becker (l.) und Mark Nordmann als Rechtsanwalt der Nebenklage. Fotos: tol
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