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Behörden-Hass auf Landrat projiziert?

Nienstedt. Die „Perle im Deister“ – der Wohnort des Mörders. In Nienstedt gibt es seit Freitag nur ein Thema: Warum tötete Hans B., seit vielen Jahren Einwohner des Ortes, am vergangenen Freitag erst Landrat Rüdiger Butte und anschließend sich selbst? „Die Menschen sind ratlos“, sagt Ortsbürgermeister Karl-Wilhelm Baule.

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Dass der Ort über die bundesweite Berichterstattung zu trauriger Bekanntheit gelangt, registriert er mit einem Schulterzucken: „Haarmann kam aus Hannover – denkt man deshalb bei der Erwähnung der Stadt automatisch an den Mörder?“, fragt er. Er selbst habe B. als „völlig unauffälligen Menschen“ wahrgenommen, allerdings auch nur selten Kontakt mit ihm gehabt. „Der eine wird lauter, wenn er Alkohol trinkt, der andere leiser. Man kann den Leuten ja nur vor den Kopf gucken“, so Baule.

Bei der Frage nach dem Warum, dem Motiv für die Tat, rückt vor Ort immer wieder der Streit mit der Bauaufsicht des Landkreises über die Einzäunung einer Wiese an der Straße Am Osterwohl in den Mittelpunkt. Damals hatten sich B. und seine ehemalige Lebensgefährtin Annemarie S. aus Uelzen anwaltlich vertreten lassen – von einem Experten für Verwaltungsrecht aus Hannover. Gegenüber der NDZ erklärte der Rechtsanwalt gestern jedoch, vor Jahren den letzten Kontakt zu B. gehabt zu haben. Erst durch die Berichterstattung sei er darauf aufmerksam geworden, dass es sich bei dem Täter um den Lebensgefährten seiner damaligen Mandantin handelt.

Gestern verdichteten sich die Hinweise darauf, dass der Streit mit der Bauaufsicht des Landkreises gemeinsam mit anderen Faktoren wohl als das Motiv für die Tat angesehen werden muss. „Bei der Hausdurchsuchung haben die Ermittler eine Reihe von Schriftstücken sichergestellt. Auch nach deren Auswertung gibt es keinen sicheren Hinweis auf das Motiv. Zum jetzigen Zeitpunkt muss aber davon ausgegangen werden, dass ein Zusammenhang besteht“, sagt Oberkommissar Dirk Barnert. Gefunden wurden Schriftstücke, aus denen sich ableiten lässt, dass B. sein Leben in Scherben liegen sah. Heute endete die Frist, in der er das von ihm bewohnte Haus verlassen musste – sonst hätte ihm die Zwangsräumung gedroht. Die Überprüfung seiner Fahrtüchtigkeit und der mögliche Entzug seiner Fahrerlaubnis wurden ihm angekündigt, auch die Zwangsvollstreckung schrieb ihn an. Bauaufsicht, Zwangsvollstreckung, Straßenverkehrsamt – alles Einrichtungen des Landkreises. „Im Briefkopf des Landkreises heißt es unter dem Schriftzug „Landkreis Hameln-Pyrmont“ „Der Landrat““, erläutert Barnert. Möglich, dass B. seinen Hass auf die Person Buttes projizierte. „Hundertprozentige Sicherheit über das Motiv wird es nach jetzigem Stand der Dinge aber nicht geben“, so der Polizeisprecher.

Ortsbürgermeister Baule sagte gestern eine für den kommenden Mittwoch, 8. Mai, geplante Sitzung des Ortsrates Nienstedt in Abstimmung mit Bürgermeister Hartmut Büttner ab. An dem Tag wird in Hameln eine Trauerfeier für den ermordeten Landrat stattfinden. Betroffenheit bestimmte gestern auch in der münderschen Stadtverwaltung den ersten Arbeitstag nach den tödlichen Schüssen im Kreishaus. Bürgermeister Hartmut Büttner berichtet von großer Trauer und Sprachlosigkeit. Vor Steinhof und Rathaus wurde die Fahne der Stadt auf Halbmast gehisst.jhr



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