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Vor Gericht: Nachschlag für zwei Schläger / Einer muss zwei Jahre in Jugendhaft ohne Bewährung

Behinderten Mann fast zu Tode geprügelt

Bückeburg (ly). Unsicher betritt der Behinderte den Gerichtssaal. Spindeldürr sieht er aus in seinem Anzug, fast zerbrechlich. Jeder im Raum erkennt, dass dieser Mann hilflos ist. Über seine Peiniger, die auf der Anklagebank sitzen, verliert der 67-Jährige kein böses Wort. Dabei haben die beiden Burschen ihn vor einem Bückeburger Kaufhaus fast zu Tode geprügelt.

Nachschlag für zwei Schläger: Im Berufungsverfahren hat das Landgericht die Strafen deutlich angehoben. Für einen Obernkirchener ("Ich schäme mich") bedeutet das zwei Jahre Jugendhaft, acht Monate mehr als in erster Instanz. Zum Tatzeitpunkt hatte der wiederholt wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Arbeitslose (20) unter Bewährung gestanden und gerade einen sozialen Trainingskurs absolviert. Vor Gericht wollte er trotzdem eine Chance, Bewährung nämlich. "Dem Opfer hat der Angeklagte keine Chance gegeben", erklärte Staatsanwalt Wilfried Stahlhut, dessen Anträgen das Gericht gefolgt war. Der andere Brutalo bekam 16 Monate Jugendstrafe, bei Bewährung blieb es. In seinem Fall überbot die 1. Große Jugendkammer das Urteil des Jugendschöffengerichts um sieben Monate. Der Bückeburger (20) hat deutlich weniger Vorstrafen, er hat dem Opfer freiwillig 1000 Euro gezahlt, echte Reue gezeigt, macht eine Lehre und verdient in den Augen der Richter eine positive Sozialprognose. Dem Behinderten muss er weitere 1500 Euro Schmerzensgeld überweisen. "Ein hilfloses Opfer wurde übel zugerichtet", so Verteidiger Dr. Volkmar Wissgott. Beide Urteile sind nicht anfechtbar. Die Tat ist von so unfassbarer Brutalität, dass Richterin Dr. Birgit Brüninghaus sich "erschüttert" zeigte. Das Motiv: Ein Täter hatte eine Woche zuvor Streit in einer Portaner Diskothek. Offenbar aus Frust darüber schlug er dann in Bückeburg zu. Sonntag, 18. Februar 2007. Gegen sechs Uhr kommen die Heranwachsenden angetrunken aus einem Disko-Club. Auf der Straße treffen sie ihr Opfer, einen stadtbekannten Behinderten. Der 66-Jährige bittet um Hilfe, weil er seine Jacke nicht allein zumachen kann, und bekommt einen Faustschlag. Die Schläger gehen erst weiter, kehren dann aber zurück. Wieder und wieder schlagen sie zu. Als der Wehrlose bereits in seinem Blut kauert, folgt mindestens ein Tritt an den Kopf. Am Ende sind Nasenbein, Jochbein, Augenhöhlenboden und Augenhöhlenseiten gebrochen. Hinzu kommen Blutergüsse und Prellungen, die Kieferhöhle hat sich mit Blut gefüllt. Der Verletzte kommt ins Mindener Klinikum, wo er operiert wird und zehn Tage bleiben muss. Demnächst soll die Metallplatte in seinem Jochbein entfernt werden. Er hätte tot sein können. Ein Rechtsmediziner attestierte "ein erhebliches Schädel-Hirn-Trauma", nennt die Gewalteinwirkung "potenziell lebensbedrohlich" und zählt auf, was hätte passieren können: Hirnblutung, Hirnquetschung, Ersticken an Erbrochenem. Übrigens: Sieben Wochen nach der Tat war ein Schläger beim Bergdorfer Osterfeuer, wo ein Mann einen Kopfstoß bekam, erneut als Aggressor aufgefallen. Dafür wurde er jetzt ebenfalls verurteilt.



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