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Martin Netter aus Bakede hat die weltweit größte Fanartikel-Sammlung zur Kultserie „Star Trek“

Beam me up, Netti

Die Reise durch die endlosen Weiten bis an den Rand des Universums ist zu Ende. Viele Jahre lang war die USS-Enterprise mit ihren legendären Raumschiffbesatzungen unterwegs, um unbekannte Zivilisationen zu erforschen. Jetzt ist sie endgültig gelandet. Oder besser gestrandet? In einer Lagerhalle am Rande des Münderaner Ortsteils Bakede. Dort warten die Raumschiffbesatzungen um Captain Kirk, Mr. Spock, den Maschinisten Scotty, den Androiden Data und all die anderen auf neue, aufregende Abenteuer. Doch das kann dauern.

Autor:

Ernst August Wolf
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Martin Netter, der seit 1992 in Bakede lebt, hat sich ganz dem Geschäft mit Fanartikeln aus Science-Fiction-Filmen und Serien verschrieben. Wer dem Hinweis „Filmwelt“ an der Durchgangsstraße folgt und eine der Hallen betritt, der taucht ein ins Halbdunkel vieler Jahrzehnte Filmgeschichte.

Der aus dem Allgäu stammende 53 Jahre alte Netter ist jedoch beileibe kein verschrobener Sammler. Netter will Kulturgut erhalten. „Ein Sammler sammelt niemals alles“, stellt er klar, und verweist auf die enorme Bandbreite der von ihm zusammengetragenen Artikel. Rund 10 000 sind es, vom Schlüsselanhänger über Kaffeetassen, T-Shirts, Computerspiele und Kostüme hat Netter alles gesammelt und – als Lizenznehmer der Paramount-Studios – auch selbst produziert. Die von seiner Frau betriebene „Filmwelt“ ist derzeit ein Internet-Versand für Fanartikel. „An guten Tagen packen wir bis zu 100 Pakete in alle Welt“, sagt der ehemalige Auktionator und Trödel-Spezialist. Er öffnet eine große Schiebetür und präsentiert stolz ein komplettes Shuttle des Kult-Raumschiffs Enterprise. Ein Original mit Inneneinrichtung. Nicht nur eingefleischte Star-Trek-Fans geraten bei diesem Anblick in Begeisterung. Auch die in einer anderen Halle bis ins kleinste Detail nachgebaute Enterprise-Brücke, auf der einst Captain Kirk und seine Crew ihre Abenteuer bestanden, entzückt die Trekkie-Herzen.

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„Als 2006 die Paramount aufgelöst wurde, bin ich bei Christie’s in London gewesen, klar. Wollte nur mal sehen“, erinnert sich Netter. „Die haben damals über 2000 Positionen angeboten. Na, und dann habe ich eben ein bisschen gekauft. Wenn man schon mal da ist.“ Das Shuttle sei dann in einem der ersten von zehn Containern Richtung Bakede gewesen, erinnert sich der gelernte Dreher im Flugzeugbau.

3 Bilder

In Lizenz hat er Artikel nachproduzieren lassen, doch das Internet, so Netter, habe „viel zerstört und das Geschäft immer schwieriger gemacht“. „Frühe dauerte es gut ein Jahr, bis sich ein Trend durchgesetzt hatte. Da blieb genügend Zeit, um sich auch von den Investitionen her darauf einzustellen. Heute passiert das alles in einer Woche und man kommt nie aus der Investitionsphase raus“, erklärt Netter. „Trendsetting ist heute eine sinnlose Sache.“ Was er angehäuft habe, seien „Kulturgüter der Filmgeschichte“. In den USA sei man daher mitunter „etwas sauer“ auf ihn. „Die sehen mich als Feind an, der ihr Kulturgut nach Europa geschafft hat“, berichtet er leicht amüsiert. Sowohl in der Menge wie auch in der Sammlungstiefe sei das Material in den Hallen und Archiven weltweit einzigartig. „Da sind auch ganze Produktionsabläufe dokumentiert“, sagt Netter. Doch seine „Filmwelt“ scheint Netter aufzufressen, denn die Lagerung der Bestände aus mehreren Jahren Filmkultur geht ins Geld. „Die Lagerkosten sind erheblich und können kaum aufgefangen werden“, klagt er. Sollte sich innerhalb der nächsten vier Jahre keine Möglichkeit finden, die Sammlung für die Präsentation in der Öffentlichkeit herzurichten, dann müsse das „alles liquidiert“ werden.

„Und dann geht’s ab, und zwar mit

Warp-Geschwindigkeit.“

Träume, was mit den einzigartigen Materialien geschehen könne, habe er reichlich. „Natürlich ein Hotel in Form der Enterprise“, schwärmt er, „mit Einrichtungen wie in den Unterkünften aus der Serie, bewohnbar und mit allem, was dazugehört. Ein Projekt, das aber viele Millionen kosten würde.“

Doch auch bescheidenere und realistischere Lösungen könnten zum Tragen kommen. „Vielleicht in regionalem Rahmen?“, fragt Netter. Sonst werde auf kurz oder lang das gesamte Material wieder in die Staaten zurückkehren. „Ich würde mich über Angebote freuen“, sagt der Film-Fan. „Möglich ist alles, von einer Ausstellung im Hochzeitshaus bis zur Musical-Produktionen.“ Gerade Hameln habe mit seinem Rattenfänger schließlich einen hohen Bekanntheitsgrad bei internationalen Touristen, den könne eine „Star-Trek-Filmausstellung“ zusammen mit ein paar prominenten Darstellern nur steigern, ist sich Netter sicher.

Gute Erfahrungen habe er bereits mit Ausstellungen in Potsdam und Jena gemacht. „Sehr erfolgreich“ seien die gewesen, berichtet er. So seien im Bahnhof Potsdam die Menschen nur so geströmt und selbst aus Köln und Mannheim seien Besucher eigens nach Jena gereist, um dort seine Ausstellungsstücke zu bestaunen. „So etwas ist ein wahrer Magnet“, meint Netter. Mit Einkaufszentren und anderen Einrichtungen stehe er in Verhandlungen. „Die haben erkannt, dass das hier ein riesiges touristisches und kulturgeschichtliches Potenzial ist, und natürlich auch ein Wirtschaftsfaktor.“ Ohne Schwierigkeiten könne er mit seinen Ausstellungsstücken aus den Bakeder Filmwelt-Hallen 300 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche füllen, ganz abgesehen von den Möglichkeiten, die sich durch die vielen andere Objekte aus 100 Jahren Filmgeschichte böten. „Ich habe etwas mehr als 100 Kinoprojektoren, stellen Sie sich mal vor, was man damit alles machen könnte.“ Und so warten in Netters vollgestopften Hallen die Serienhelden auf ihre Wiederauferstehung und ein neues Kommando. Martin Netter ist hoffnungsvoll, dass irgendwann mal wieder auf der Brücke das Kommando ertönt: „Mr. Zulu, Energie“. Und dann geht’s ab, und zwar mit Warp-Geschwindigkeit.

Martin Netter lebt in seiner eigenen Welt, einer Filmwelt. Der aus dem Allgäu stammende Star-Trek-Fan ist jedoch beileibe kein verschrobener Sammler. Netter will Kulturgut erhalten. Rund 10 000 Artikel hat er bereits zusammengetragen. Doch es gibt ein Problem: Netter hat Feinde, die Sammlung ist bedroht.

Martin Netter, der seit 1992 in Bakede lebt, hat sich dem Geschäft mit Fanartikeln aus Science-Fiction-Filmen und Serien verschrieben. Er besitzt einen Nachbau eines Raumschiffes sowie Figuren und Masken.eaw




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