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Rechtsstreit um Dachziegel: Paar will auf Bauunternehmer und Stadt vertraut haben

Bauherren wehren sich gegen Vorwürfe

Bad Münder. Vor sieben Jahren haben Tania Schrader und Steffen Iredi ihr Haus an der Straße „Zur Großen Wiese“ gebaut. Sie suchten sich damals engobierte – also schimmernde –Ziegel aus, was sie heute bitterlich bereuen.

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Autor:

MIra Colic

Bad Münder. Vor sieben Jahren haben Tania Schrader und Steffen Iredi ihr Haus an der Straße „Zur Großen Wiese“ gebaut. In dem Baugebiet waren die meisten Häuser bereits Anfang 2000 entstanden, das Paar schloss die letzte Lücke. Sie suchten sich damals engobierte – also schimmernde –Ziegel aus, was sie heute bitterlich bereuen. Denn seit das Dach fertig ist, leben sie mit der drohenden Anordnung eines Rückbaus (wir berichteten). Jetzt möchte auch das Paar erstmals öffentlich Stellung beziehen: „Wir haben nicht mutwillig und wissentlich etwas Falsches getan.“

Der Aktenordner zu dem Fall, den Steffen Iredi mitgebracht hat, ist dick. Kein Wunder, seit sieben Jahren schieben sich der Bauunternehmer des Paars, die Stadt, der Landkreis Hameln-Pyrmont und das Verwaltungsgericht den schwarzen Peter hin und her. Und mittendrin stehen die Bauherren: „Für uns ist das, was hier passiert, unbegreiflich.“ Schließlich hätten sie gedacht, als sie mit dem Hausbau begannen, alles richtig zu machen.

„Wir haben uns extra ein lokales Bauunternehmen genommen, in der Hoffnung, dass er die örtlichen Gepflogenheiten kennt“, sagt Schrader. Dieses habe sich damals sogar die Bestätigung der Stadt eingeholt, dass der Dachstein als nicht glänzend gilt, also auch nicht gegen die geltende Bauvorschrift verstößt. Der Landkreis als Genehmigungsbehörde widersprach der Meinung der Stadt jedoch. Allerdings seien die Arbeiten nicht gestoppt worden, weil die mündersche Verwaltung bereits zu dem Zeitpunkt signalisiert hatte, die Bauvorschriften ändern zu wollen. Dies nahm die Stadt kurze Zeit später wieder zurück – trotz anderslautender Bestrebungen der damaligen Bürgermeisterin Silvia Nieber. „Dabei wäre der Rückbau zu dem Zeitpunkt um einiges günstiger gewesen, weil das Gerüst noch stand und wir die Ziegel sogar hätten weiterverkaufen können“, glaubt Iredi.

Sollte der Rat in seiner Sitzung am 17. Dezember nicht für die Änderung der Bauvorschriften stimmen, hat der Landkreis bereits angekündigt, keinen weiteren Aufschub mehr zu gewähren und den Rückbau anzuordnen. Besonders bitter für das Ehepaar: Nach fünf Jahren sei ihr Bauunternehmer aus der Gewährleistung raus. Auf den Kosten, mindestens 15 000 Euro, wie sie schätzen, würden sie also sitzen bleiben. „Hätte die Verwaltung nicht immer wieder signalisiert, auf eine Änderung hinzuarbeiten, hätten wir die Firma in Regress nehmen können. Dann hätten entweder der Unternehmer oder seine Versicherung zahlen müssen“, klagt der Münderaner.

„Hätten wir damals gewusst, was auf uns zukommt, hätten wir uns für einen einfachen Tonziegel entschieden“, sagt die frischgebackene Mutter seufzend.

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