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Bankraub ist einfacher als Rommé

Bad Münder. Keine Frage, die Akteure um Theaterchefin Brigitte Kolde verstehen ihr Handwerk. Wenige Sätze reichen und schon springt der Funke auf die Besucher über. Schallendes Gelächter im Publikum zeigt, dass die Geschichte von den drei Rentnerinnen, die fast aus Versehen einen Bankraub planen, den Nerv der Zuschauer trifft.

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Zwar blieben bei der Premiere im Berggasthaus Ziegenbuche einige Plätze frei, was wohl den Witterungsverhältnissen geschuldet war, doch den Leistungen des sechsköpfigen Ensembles tat das keinen Abbruch. Die Darsteller boten einen Abend lang allerbeste Volkstheater-Unterhaltung. „Rommé zu dritt“, so heißt das aktuelle Stück, eine Komödie in drei Akten der Husumer Autorin Petra Blume.

Inhalt: Drei Rommé zockende Witwen treffen sich regelmäßig zum Kartenspielen. Bei einer ihrer Spielrunden kommen sie auf die irrwitzige Idee, eine Bank zu überfallen, um einem Seniorenheim zu helfen. Die einfach gestrickte Lisa und vor allem die vornehme Agnes zögern zuerst, aber die resolute Herta ist wild entschlossen.

Im ersten Teil der Aufführung zeigten sich einige Längen, doch allerlei recht turbulente Aktionen trösteten darüber hinweg. Bühnenchefin Brigitte Kolde präsentiert einmal mehr ein textsicheres und routiniert zu Werke gehendes Ensemble. Vor allem Birgit Kupka als Lisa Karstens überrascht durch ihr ausgeprägtes Volkstheater-Talent. Da stimmt alles: Mimik, Gestik, Timing, Intonation. Der Münderanerin gelingt an diesem Premierenabend eine in der Tat herausragende Leistung, die das Publikum mit Lachern und Szenenapplaus honoriert.

Auch Kerstin Bunzenthal spielt ihren Part als leicht zickige und etwas überkandidelte Agnes Bargen überzeugend. Herrlich, wie sie mitunter die Rolle überzieht und so einen interessanten Gegenpol zur herb-deftigen Birgit Kupka bildet. Souverän, jederzeit die Fäden zusammenhaltend, die Prinzipalin der Truppe. Brigitte Kolde spielt die Herta Martens stilsicher und mit bewundernswerter Routine. Die mitunter recht klamaukigen Umkleideszenen, in der sich die Akteurinnen in Bankräuber verkleiden, reduziert sie auf ein erträgliches Maß. Voll sprödem Charme auch die pfiffige Cornelia Kral als Kerstin Lohmann, die dem Trio auf die Schliche kommt.

Ulrich Marten als Erich Butenschön wirkt auf unterhaltsame Weise der Rolle angemessen etwas jungenhaft und tapsig und hat seinen großen Auftritt erst in der Schlussszene im schwarzen Einbrecherdress mit Stirnlampe ganz im Stil der „Katze“, wie sie Cary Grant in Alfred Hitchcocks Spielfilm „Über den Dächern von Nizza“ verkörpert.

Und auch Regisseur Marc Ullrich Schneider, der als falscher Trenchcoat-Kommissar, mit einem Revolver fuchtelnd für Trubel sorgt, und am Ende statt des echten nur das Spielgeld einsackt, gibt dem Stück eine belebende dramatische Note.

Kurz: „Rommé zu dritt“ sollte man sich bei den Wiederholungen nicht entgehen lassen. Nach dem Auftakt am Wochenende treffen sich die drei Damen noch sechsmal, um festzustellen, dass Bankraub wesentlich einfacher und unterhaltsamer ist als ein Romméspiel.hzs



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