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Wieder angekommen: Die Geschwister Alma Sutkovic und Enes Muric führen den Salon Nina

Bad Münder – Montenegro – Bad Münder

Bad Münder (lil). „Immer wieder Bad Münder“ – diesen Titel könnte die Geschichte der Geschwister Alma Sutkovic (32) und Enes Muric (37) stehen. Geboren wurden beide in Deutschland, doch noch vor Murics Einschulung kehrt die Familie nach Montenegro, das damals zum ehemaligen Jugoslawien gehörte, zurück. Während des Bürgerkriegs fand die Familie 1992 Zuflucht in ihrem ehemaligen Wohnort: Bad Münder. Seitdem sind die Geschwister in der Kurstadt fest verwurzelt. Seit vier Jahren betreiben sie gemeinsam das Studio Nina an der Petersilienstraße.

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„Unser Vater hat bei der Glashütte gearbeitet“, erzählt Sutkovic. „Er war zwischendurch immer mal wieder in Bad Münder, auch als der Krieg ausbrach.“ Mit ihrer Mutter und ihren Schwestern flohen sie und ihr Bruder Enes nach Kroatien – lediglich mit ein paar persönlichen Sachen im Gepäck. „Unser Onkel hat uns aus Kroatien abgeholt. Wir sind dann bei ihm in Bad Münder untergekommen. Unser Vater hatte nur eine kleine Wohnung.“

Erinnerungen an ihre ersten Jahre in Deutschland haben die Geschwister kaum. „Mich haben nur bestimmte Gerüche an Deutschland erinnert“, so Sutkovic. Und auch an Sprachkenntnissen mangelte es ihnen, als sie vor rund 20 Jahren nach Bad Münder zurückkehrten. „In einer Vorbereitungsklasse habe ich Deutsch gelernt, dann bin ich zur Realschule gekommen“, so die 32-Jährige. „Ich habe angefangen bei der Glashütte zu arbeiten“, so Muric. „‚Glashütte kann nicht alles sein‘, habe ich gedacht und zwei Jahre später eine Ausbildung zum Frisör angefangen und später meinen Meister gemacht.“ Für seine Schwester war das erste Jahr nicht ganz einfach, sie musste ein Schuljahr wiederholen. „Ich bin dann in eine ganz liebe Klasse gekommen, habe Freunde gefunden und mich integriert.“ Nach ihrem Schulabschluss absolvierte sie die Kosmetikschule und ein einjähriges Praktikum im Studio Nina. „Frau Warnecke hat mich übernommen.“ Und ihr Bruder ergänzt schmunzelnd: „Sie gehört hier also schon zum Inventar.“

Ausländerfeindlichkeit hat die Familie nach eigener Aussage in Bad Münder nie erfahren. „Wir sind sehr deutsch geworden: pünktlich und diszipliniert. Man kann sich auf uns verlassen“, sind sie sich einig. „Bad Münder ist unsere Heimat geworden“, sagt Muric. „Für uns gibt es nichts Anderes, außer wir gewinnen im Lotto“, scherzt Sutkovic. „Wenn wir aus dem Urlaub kommen, denken wir ‚Endlich zuhause!‘“ Das Einzige, was ihr noch fehlt: „Man lebt hier, man ist deutsch, da braucht man auch einen deutschen Pass.“ Ihr Bruder Enes hat seit April 2011 die deutsche Staatsbürgerschaft.

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