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Bad Münder mehr Wohn- als Wirtschaftsstandort

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VON Mira Colic

Beim Thema Wirtschaft ist der Standort einer der wichtigsten Faktoren. Es ist die große Gefahr, die Politik und Verwaltung immer wieder sehen: Heimische Unternehmen könnten der Stadt den Rücken kehren, weil Standorte in anderen Kommunen für sie attraktiver sind. So hat sich der Baustoffhändler Fremy erst vor Kurzem im Lauenauer Gewerbepark niedergelassen, weil es in Bad Münder „keine adäquaten Flächen“ gab, wie Geschäftsführer Oliver Fremy erklärte. Zwar gibt es Gewerbegebiete – aber die sind offenbar nicht sonderlich attraktiv. So wie die Flächen an der Rahlmühler Straße. Auch für Fremy kamen diese nicht infrage: zu weit weg von der Bundesstraße und ohne benachbarte Betriebe, die Publikum anziehen, so seine Argumente.

Auch die Akademie für Handrehabilitation wird die Kurstadt Anfang 2017 verlassen. Her sprechen die Verantwortlichen davon, keine passende Immobilie gefunden zu haben. Tatsächlich hätten sich aber auch Seminarteilnehmer über die geringen Möglichkeiten, die die Stadt biete, beschwert.

So gebe es bei den Unterbringungsmöglichkeiten für Gäste kaum Möglichkeiten, sagt auch Burkhard Remmers, Pressesprecher vom Büromöbelhersteller Wilkhahn, der 363 Mitarbeiter in Eimbeckhausen beschäftigt. Es gebe aber auch Vorteile, die die Stadt biete – neben dem hohen Natur- und Freizeitwert und die günstige Wohnsituation für Familien. Positiv sei die gute Verkehrsanbindung über die A 2. „Damit sind wir schnell am Flughafen und zurück, das ist für uns als internationaler Konzern sehr wichtig.“ Die Umgehungsstraße sei für den Ort dringend nötig gewesen und habe die Lebensqualität sicherlich erhöht. Den größten Nachteil sieht Remmers in der fehlenden öffentlichen Verkehrsanbindung. Zwar komme man mit der S-Bahn bis in die Kernstadt, aber die Busverbindung nach Eimbeckhausen sei schlecht. Die gesamte Region sei leider nicht strukturstark und „die Infrastruktur zieht sich aus der Fläche immer mehr zurück“.

Dass Bad Münder mehr ein „Wohnstandort“ ist, wie Stadtentwicklerin Anika John sagt, wird auch am Vergleich von Ein- und Auspendlern deutlich. So kommen – Stand 2014 – 1878 Menschen täglich zum Arbeiten nach Bad Münder, während 4321 Münderaner zur Arbeit aus der Stadt fahren. „Das erscheint mir aufgrund der Lage zwischen Hameln und Hannover aber ganz normal“, so John. Aber natürlich wäre es von Vorteil, wenn Bad Münder endlich mit in den Großraum-Tarif käme. Ob sich letztlich ein Unternehmen für Bad Münder entscheide, liege aber an externen Faktoren, auf die die Stadt kaum Einfluss habe.

Anders ist es bei der Gewerbesteuer. Der Hebesatz wurde 2012 von 340 auf 380 erhöht. Damit liege die Stadt, erklärt Kämmerer Marcus Westphal, über dem Durchschnitt im Landkreis, der zwischen 340 bis 360 liegt, in Hameln 455. Die Einnahmen haben sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, und liegen aktuell bei 2 670 000 Euro.

Ein Vorteil der Stadt liegt darin begründet, dass sie nicht vom Wohle eines einzigen Arbeitgebers abhängig ist. Mit Ardagh Glass, Haworth, Wilkhahn und Hytera Mobilfunk sind in der Kurstadt große Konzerne beheimatet. Die „Restrukturierungsmaßnahmen“, die 2013 beim Büromöbelhersteller Haworth angekündigt worden waren, sind für Bad Münder glimpflich abgelaufen. Während das Werk in Ahlen geschlossen wurde, sind 6,1 Millionen Euro in den hiesigen Standort geflossen. Und auch Hytera hat in seinen Standort in Eimbeckhausen investiert. Im vergangenen Oktober ist das neue Technologiezentrum eingeweiht worden. Mit einem Investitionsvolumen von rund 6 Millionen Euro und gefördert durch das Land Niedersachsen entstand in nur 14 Monaten der neue Arbeitsplatz von rund 100 Mitarbeitern.

Mehr Betreuung solcher Firmen, prangerte CDU-Ratsgruppenchef und Kreistagsabgeordneter Hans-Ulrich Siegmund an. Diese Firmen sowie aktive mittelständische Unternehmen seien „Glücksfälle“ für die Stadt. Um diese am Standort zu halten, müsse mehr auf ihre Ansprüche eingegangen werden.



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