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Bad Münder: Kampfabstimmung um den Ratsvorsitz

Mit einer überraschenden Kampfabstimmung um den Ratsvorsitz ist Bad Münders Rat am Donnerstagabend in die neue Legislaturperiode gestartet.

Neuer Ratsvorsitzender: Detlef Olejniczak (SPD) gewann die Kampfabstimmung mit 17:15 Stimmen gegen Petra Joumaah (CDU).
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

BAD MÜNDER. Der Erste tanzte schnell aus der Reihe: Mindestens ein Mitglied der Koalition aus SPD, Grünen und Piraten verweigerte Detlef Olejniczak gestern Abend in der Kampfabstimmung um den Ratsvorsitz die Gefolgschaft: Mitsamt dem Bürgermeister kommt die Gruppe auf 18 Stimmen - eine mehr, als Olejniczak erhielt. Es reichte trotzdem knapp zum Sieg gegen Petra Joumaah (CDU, 15 Stimmen).

Die hatte CDU-Fraktionschef Hans-Ulrich Siegmund zuvor überraschend nominiert - und dabei ein bisschen abgerechnet mit Olejniczak: Wer seiner eigenen Frau sage, sie solle sich einen Besuch im Rat nicht antun und wer wenige Tage vor der Kommunalwahl die Menschen in Flegessen und Umgebung falsch informiere, „der sollte nicht Ratsvorsitzender werden“.

Siegmund spielte mit seiner Kritik auf zwei Vorfälle aus den vergangenen Jahren an: Als Olejniczak im Herbst 2014 für 30 Jahre Ratstätigkeit geehrt wurde, hatte er sich kritisch gegenüber dem Gremium geäußert. Seiner Frau habe er empfohlen, ihn nicht zur Ehrung zu begleiten: Sie hätte sich „maßlos gelangweilt“, berichte der SPD-Mann damals.

Kurz der Kommunalwahl im September dieses Jahres eskalierte außerdem ein länger schwelender Streit zwischen CDU-Vertretern und Olejniczak: Dabei geht es grob darum, wer sich wann und wie für Schließung oder Erhalt kleinerer Grundschulen im Stadtgebiet eingesetzt hat.

Nach dem verbalen Angriff beantragte Helmuth Mönkeberg (Pro Bürger) geheime Abstimmung, die Olejniczak knapp für sich entschied. In seiner Dankesrede reichte er Joumaahs Unterstützern verbal die Hand: Er biete ihnen „eine vertrauensvolle Zusammenarbeit an“. Dass es zu seinen Aufgaben gehört, den Rat zur Ordnung zu rufen, hält er für unnötig: „Das wird kein einziges Mal der Fall sein. Wir sind Manns genug, einen geordneten Ablauf zu schaffen.“

Die nächsten Wahlrunden des Abends liefen wesentlich unspektakulärer ab: Uwe-Peter Keil (SPD) machte der Rat einstimmig zum ersten (ehrenamtlichen) Stellvertreter von Bürgermeister Hartmut Büttner. Auch Peter Meyer, Kandidat der CDU für den Posten des zweiten Stellvertreters, erhielt die Stimmen aller anwesenden Ratsmitglieder. Keil und Meyer vertreten auch den Ratsvorsitzenden Olejniczak, sollte der verhindert sein.

Zumindest Keil konnte gestern Abend seine Erfahrung schon mal unter Beweis stellen: Weil der Ratsälteste Peter Mönkeberg (Pro Bürger) fehlte, leitete Keil als Zweitältester gemäß Kommunalverfassung die Sitzung bis zur Wahl des Ratsvorsitzenden.

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