weather-image

Bad Münder geht App

270_0900_15318_lkbm109_1108_WLAN_QR_Code_Lukas55.jpg

Autor:

Lukas Hoffmann

BAD MÜNDER. Nicht häufig verschlägt es mich auf die andere Seite des Deisters. Zugegeben – ich bin viel zu selten in Bad Münder und mein Wissensstand zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt ist auch nicht gerade berauschend. Dabei ist Springe – meine Heimat – nur einen Steinwurf entfernt. Höchste Zeit für mich, die Kleinstadt zu erkunden. Aber nicht irgendwie: Der Rotary Club bietet seit Ende letzten Jahres einen kostenlosen interaktiven Rundgang an. Für mich als Smartphone-Junkie klingt das natürlich sehr verlockend. Ein QR-Code, ein kleiner Strichcode, lässt sich so an allen relevanten Sehenswürdigkeiten per Kamera einscannen. Danach zeigt das Handy oder Tablet Informationen und Wissenswertes zu den jeweiligen Attraktion der Stadt an.

Bei bestem Wetter starte ich meinen kleinen Stadtrundgang am Kurpark. Auf meinem Handy-Display erscheint nach dem Scannen des Codes eine interessante Information: Das „Bad“ im Namen wurde der Kurstadt erst 1936 verliehen.

Beim Namen der nächsten Stadt-Attraktion werde ich stutzig: Hoppenmarkt? Das klingt doch nach Hopfen! Korrekt. Bad Münder war einst eine echte Stadt des Bieres. Mehrere Bürger waren wohl mit dem Braurecht ausgestattet. Viel ist von der Braukunst leider nicht übrig geblieben, das Pils vom Deister ist fast ausgestorben. Apropos Bier: Den Gerstensaft kann man vorzüglich im Kornhus genießen, das sich in den vergangenen Jahren gewandelt hat. Ursprünglich wurden hier verschiedene Getreidearten für Hungersnöte und Belagerungen gespeichert.

Zu einem kleinen Mittagsnickerchen inklusive freiem WLAN lädt der Kurpark ein. Schon 1879 fand die Eröffnung statt, seit 1990 strahlt er in aufgefrischter Optik. Wie wäre es mit einer Runde Minigolf, um das Mittagstief zu überwinden? Hochklassige Minigolfplätze wie der mündersche am Kurpark sind nur schwer in der Republik zu finden. Mehrere Weltmeisterschaften wurden hier ausgetragen, zuletzt 2013. Aktuell wirkt der Platz allerdings verlassen und recht trostlos.

Nachdem ich per App dem Orgelspiel der Petri-Paul-Kirche gelauscht habe, steuere ich den Steinhof an. Gleich hinter dem Gebäude finde ich eine 150 Jahre alte Süntelbuche, die mich zur Rast einlädt. Die heimische Art des Baumes ist eine seltene Mutation der Roteiche. Hier unter den Blättern lässt es sich aushalten.

Ich breche auf zum Söltjerbrunnen. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die Figuren am Brunnen so vermummt sind? Ich auch. Es liegt an der Tätigkeit der Männer. Zur Salzgewinnung wird das salzhaltige Wasser der Quelle gesiedet. Der entstehende Mineralstaub brennt auf der Haut, ähnlich wie beim Sonnenbaden am Strand nach einem Salzwasserbad. Logisch, dass die Arbeiter sich dieser „Berufskrankheit“ nicht aussetzen wollten. Bereits seit 1033 wurde der begehrte Rohstoff in der Stadt gewonnen. In der damaligen Zeit wurde Salz hauptsächlich zur Konservierung von frischen Lebensmitteln genutzt – an Kühlschränke war in dieser Zeit natürlich noch nicht zu denken, geschweige denn an Stadtführer-Apps.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt