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Bad Münder gehört für sie dazu

Bad Münder. „Wie immer, Herr Hellwig?“ „Wie gehabt, Herr Neumann.“ Dialoge wie dieser sind es, die so typisch sind für den münderschen Wochenmarkt. Das 25-jährige Bestehen des Marktes wird am kommenden Donnerstag mit einem kleinen Rahmenprogramm gefeiert – die NDZ hat sich vorab beim Marktspaziergang bei denen umgehört, deren Verkaufswagen und Stände bereits vor 25 Jahren in der Innenstadt zu finden waren.

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„Damals habe ich noch von einem kleinen Tapeziertisch verkauft“, erinnert sich Ursula Schumacher. Die Münderanerin ist 65 Jahre als und damit nicht nur Frau der ersten Stunde, sondern auch die älteste Marktbeschickerin. Eier, Obst, Gemüse und Hausmacherwurst gab es damals bei ihr, Hausmacherwurst, Gemüse, Obst und Eier gibt es noch heute. „Damals war allerdings mehr los“, sagt sie. Sie kann es beurteilen: Seit 25 Jahren hat sie keinen Markttag ausgelassen.

Gleich gegenüber hat Karl-Heinz Harms seinen Stand. Er entstammt einer Familie, in der der Handel auf dem Wochenmarkt einfach dazugehört. Schon seine Urgroßmutter verdiente auf diese Weise ihren Lebensunterhalt, und auch Harms möchte nichts anderes machen. „Im Büro am Computer sitzen und etwas entwickeln? Das wäre heute nichts für mich“, sagt der gelernte Fahrzeugbauer. Seine Arbeit macht ihm Spaß, auch wenn die Rahmenbedingungen nicht einfach sind: Um 3 Uhr öffnet in Hannover der Großmarkt, bei dem der Obst- und Gemüsehändler frische Ware ordert, ab 5 Uhr wird in Bad Münder auf- und gegen 14 Uhr wieder abgebaut. Bei Wind und Wetter, sommers wie winters, steht er am Stand und sagt doch: „Das ist ein gesunder Beruf. Markthändler werden in der Regel recht alt.“

Den Markt in Bad Münder schätzt er, weil er auch optisch sehr schön sei – insbesondere die Neuordnung habe ihm gut getan: „Die Leute mögen keine Lücken zwischen den Ständen, keine großen Abstände.“ Und seit etwa zwei Jahren entdeckt er bei seinen Kunden auch stärkeres Bewusstsein für Qualität, verstärkt würde der Wochenmarkt zum Einkaufen genutzt.

Mit 36 Jahren ist Daniel Theis noch recht jung im Markt-Geschäft, doch er kennt es ebenfalls von Kindheit an. Vor zwei Jahren übernahm er den Handel mit frischen Blumen, Sträußen und Topfpflanzen von seiner Mutter – ihr Geschäft gehörte zu den ersten des münderschen Wochenmarktes. Der Beruf des Markthändlers macht ihm Spaß, auch wenn die Rahmenbedingungen – Arbeitstage mit 14 bis 16 Stunden – nicht einfach seien: „Man ist selbstständig. Das beinhaltet selbst und ständig“, lacht er.

Von Beginn an gehört auch Udo Neumann zum Wochenmarkt in Bad Münder. Zum Beginn vor 25 Jahren stellte er sich aus ganz praktischen Überlegungen in den Verkaufswagen: „Besser, als wenn es die Konkurrenz macht.“ Damals hatte er noch ein Fischgeschäft in der Innenstadt, an Markttagen wurden die Öffnungszeiten geteilt: „Vormittags auf dem Wochenmarkt, nachmittags im Geschäft“, erklärt er. Heute hat er seinen festen Stammkundenkreis auf dem Wochenmarkt und eine feste Überzeugung: Halten kann man sich nur, wenn man sich mit hoher Qualität vom Supermarkt-Angebot absetzt.

Eine Erfahrung, die auch René Zielmann unterschreibt. Der Käse-Experte hat den Marktstand seines Vaters vor 21 Jahren übernommen. Damals sei lediglich noch das Lebensmittelgeschäft Messerschmitt als Konkurrenz zu sehen gewesen, heute gebe es Einkaufsmöglichkeiten an jeder Ecke. Zielmann punktet bei seinen Kunden mit einem zentralen Argument: Geschmack. „Im Supermarkt schmeckt nicht zuletzt durch das Verpackungsmaterial alles gleich“, sagt er.

Zu den ersten Beschickern des münderschen Wochenmarktes zählt auch Lohmeier & Zabell. Seit 13 Jahren verkauft Florian Lohmeier Fleisch- und Wurstwaren. Als sein Vater ihn vor 25 Jahren das erste Mal auf den münderschen Wochenmarkt mitnahm, konnte er kaum über den Verkaufstresen schauen. Inzwischen bedient das Unternehmen mit sechs Wagen 28 Wochenmärkte in der Region zwischen Minden und Hannover. Auch Lohmeier hat festgestellt, dass sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren das Bewusstsein der Kunden für Qualität verändert habe. „Die Leute fragen nach, und wir haben die Antworten: Wir wissen noch, wo unsere Schweine auf der Wiese gestanden haben.“

Für das Markt-Jubiläum am Donnertag, 31. Oktober, hat Marktmeisterin Petra Loges das übliche Markt-Programm erweitert. Um 12.30 Uhr findet vor dem Rathaus eine Verlosungsaktion statt, bis 15 Uhr sind viele Marktbeschicker vor Ort.jhr

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