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Bad Münder diskutiert Steuersenkung für Rettungshunde

BAD MÜNDER. Die CDU möchte die Steuern für Rettungshunde senken - als Zeichen der Anerkennung. Bisher zahlen die Halter der Rettungshunde bereits einen ermäßigten Satz von 50 Prozent im Vergleich zum vollen Steuersatz - also 50 statt 100 Euro im Jahr. Die Unionsfraktion will den Betrag nochmal halbieren.

Ein eingespieltes Team: Anja Rocksin und ihr Rettungshund Evan. Foto: JUH/Brade
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Um 16 Uhr war die Seniorin zum letzten Mal gesehen worden. Als kurze Zeit später das Fehlen der alten Dame in der Pflegeeinrichtung bemerkt wurde, suchte zunächst das Personal. Gegen 18.30 Uhr wurde die Polizei in die Suche nach der als dement und orientierungslos geltenden Frau einbezogen. Und am späten Abend klingelte auch bei Anja Rocksin und Lutz Fricke in Bad Münder das Telefon – Einsatz für die erfahrenen Hundeführer und ihre ausgebildeten Rettungshunde. Diese Bereitschaft der ehrenamtlichen Mitglieder der Rettungshundestaffeln, sich und ihre Tiere für den Einsatzfall vorzubereiten und zur Verfügung zu stehen, will die CDU-Ratsfraktion Bad Münder jetzt honorieren: Für ausgebildete Rettungshunde soll es deutlich reduzierte Hundesteuersätze geben. Ein entsprechender Antrag liegt zur Beratung in den politischen Gremien vor.

Für CDU-Fraktionschef Hans-Ulrich Siegmund ist es ein Zeichen, das in Richtung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte gegeben werden soll. „Die Arbeit der Mitglieder der Rettungshundestaffeln erfolgt ehrenamtlich und dient unterstützend im Rettungswesen. Die hier geleistete ehrenamtliche Arbeit verdient Respekt und Anerkennung“, sagt er – und diese Anerkennung könne die Stadt durch die Ermäßigung der Hundesteuer deutlich werden lassen.

Der Vorstoß der CDU zielt auf eine Reduzierung der Hundesteuer für geprüfte Rettungshunde, die nicht von Organisationen gehalten werden, um 75 Prozent. Bislang wird Haltern von Rettungshunden in Bad Münder in der im Dezember 2015 aktualisierten Satzung der Stadt eine Ermäßigung von 50 Prozent gewährt – ähnlich wie beispielsweise Jägern für geprüfte Jagdhunde.

Die Festlegung der Hundesteuer ist eine kommunale Steuer, über deren Höhe jede Kommune selbst bestimmen kann. Wird ein Rettungshund als Einzeltier und damit als erster Hund gehalten, muss sein Halter bislang jährlich 50 statt 100 Euro für einen Nicht-Rettungshund zahlen. 25 Euro wären es nach dem CDU-Antrag.

Deutlich wird dabei: Es geht weniger ums Geld als um das Zeichen, das mit einer Ermäßigung gesetzt werden kann. Lutz Fricke, Leiter der Rettungshundestaffel Hannover-Wasserturm der Johanniter-Unfall-Hilfe, kennt aus der Landeshauptstadt noch ein deutlicheres Zeichen als nur eine Ermäßigung – in Hannover wurde die Hundesteuer für Rettungshunde komplett gestrichen. „Es liegt im Ermessensspielraum der Kommune“, sagt er. Und er macht deutlich, dass die Halter von Rettungshunden, die viel Zeit und Energie in die Ausbildung ihrer Tiere investieren, letztlich keine anderen Vorteile aus ihrem Engagement ziehen als zufriedene, geforderte Hunde zu besitzen und sich für andere, häufig für Menschen in Notsituationen, einzusetzen.

Ein Aspekt, den auch Rüdiger Lohmann, Vorsitzender der Rettungshundestaffel Weserbergland mit Sitz in Bad Münder, betont. 25 Mitglieder hat die Staffel, auf vielleicht zehn ausgebildete, geprüfte und einsatzbereite Tiere schätzt er den Bestand in Bad Münder. Ob Ermäßigung oder Streichung der Hundesteuer für Rettungshunde – dramatische Auswirkungen auf den städtischen Haushalt wären seiner Auffassung nach nicht zu erwarten. „Im Gespräch hat uns der Bürgermeister schon einmal angedeutet, dass selbst eine 100-Prozent-Ermäßigung denkbar wäre – wenn denn die Hundesteuersatzung in Bad Münder angepasst würde“, sagt Lohmann. Zumindest ein Nachdenken darüber steht mit dem Antrag der CDU zu erwarten – der Verwaltungsausschuss befasst sich am Donnerstag mit dem Thema.

Dass die ehrenamtliche Arbeit der Rettungshunde damit gewürdigt würde, steht außer Frage, auch wenn der größte Lohn für Hund und Hundeführer noch immer der Erfolg ist. Bordercollie Evan und die mündersche Tierärztin Anja Rocksin wissen das – sie waren es, die die vermisste demente Seniorin im vergangenen Winter unter einem Gebüsch fanden. Unterkühlt, aber lebend.

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