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Bad Münder bekommt ein Wohnraumkonzept

BAD MÜNDER. Leere Wohnungen und Häuser, sinkende Bevölkerungszahlen – was bedeutet das für die Stadt? Was wird gebraucht – und was nicht? Der Landkreis hat auch für Bad Münder ein umfassendes Wohnraum-Konzept erstellen lassen, das Angebot und Nachfrage analysiert und auf die nächsten Jahre hochrechnet.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Ergebnis: Zusätzlicher Wohnraum und weitere Neubaugebiete werden nicht empfohlen – dafür aber Modernisierungen, Barrierefreiheit und eine gemeinsame Strategie.

Das Papier, erstellt vom Hamburger Gewos-Institut, sagt Bad Münder bis zum Jahr 2030 einen Bevölkerungsrückgang um 8,3 Prozent auf dann 17 200 Einwohner voraus. Damit sinkt auch der rechnerische Wohnungsüberhang: Anhand von Daten wie aktuellen Haushaltsgrößen und -zusammensetzungen (Singles, Senioren, Familien) und von vorhandenem Wohnraum haben die Experten einen sogenannten Überhang errechnet: Wie viele Wohnungen eines bestimmten Typs sind vorhanden? Und wie viele werden gebraucht?

Ergebnis: Bis zum Jahr 2030 gibt es in Bad Münder in allen Wohnformen 900 Einheiten mehr als gebraucht werden. Insbesondere bei Ein- und Zweifamilienhäusern hat das Institut einen Überhang von 600 errechnet: Ein Bestand von 6100 stünde dann einem Bedarf von nur 5500 gegenüber.

Hintergrund des jetzt vom Landkreis vorgelegten Konzepts ist die Förderung von sozialem Wohnraum (etwa für einkommensschwache Mieter). Dessen Anzahl nimmt immer weiter ab – um vom Land jedoch Fördergelder für neue Einheiten zu bekommen, müssen Kommunen über die Studie den konkreten Bedarf nachweisen. Für Bad Münder haben die Planer dabei nur noch 13 geförderte Wohnungen gezählt – mit 0,8 pro 1000 Einwohnern erreicht nur noch Coppenbrügge (0,6) landkreisweit einen niedrigeren Wert. Hameln selbst ist nicht Teil des Konzepts – dort macht man seine eigenen Planungen.

Die Empfehlung des Papiers ist also klar: Statt weitere Baugebiete auszuweisen, solle der Fokus lieber auf dem (teils stark sanierungsbedürftigen) Bestand liegen: Fördergelder könnten die Kommunen wie Bad Münder dann etwa nutzen, um marode Gebäude abzureißen und sie durch Neubauten zu ersetzen. Aber auch das Wohnumfeld, der Fokus auf barrierearme Wohnungen und Projekte für den Generationenwechsel seien wichtig.

Auch das belegen die Zahlen: In Bad Münder etwa soll laut Gewos-Institut die Zahl der Seniorenhaushalte zwischen 2015 und 2030 um satte 12 Prozent steigen – von 2700 auf 3000. Gleichzeitig gehen die Haushalte mit Familien um 15 Prozent zurück. Deshalb sei eine Möglichkeit, ältere und schwerer zu bewirtschaftende Einfamilienhäuser durch barrierefreie Mehrfamilienhäuser zu ersetzen.

Schließlich empfehlen die Experten den Kommunen, zusammenzuarbeiten: Man müsse eine „gemeinsame Strategie für die Siedlungs- und Wohnungsbauentwicklung“ schaffen – etwa beim Management von Flächen und Baulücken. Ende vergangenen Jahres haben sich Vertreter der Städte und Gemeinden bereits im Kreishaus zu ersten Gesprächen zum Thema getroffen. Am Mittwoch spricht auch der Bauausschuss des Kreises über das Konzept.

Information

Die Fachleute vom Gewos-Institut haben für Bad Münder und die Nachbarkommunen zahlreiche Daten erhoben, um sie in ihre Studie einfließen zu lassen.

So ist die Stadt rechnerisch jünger als der Landkreisschnitt: Der Anteil Minderjähriger beträgt in Bad Münder 15,2 Prozent, im gesamten Landkreis 14,8. Andersherum sieht es bei der Rentnergeneration aus: 23,7 Prozent der Münderander sind 65 und älter – Landkreis-Schnitt: 23,3 Prozent.

Insgesamt haben die Statistik-Profis in Bad Münder 9100 Wohneinheiten gezählt. Dazu rechnen sie Ein- und Zweifamilienhäuser (6300) ebenso wie Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (2800). Der Anteil der Single-Haushalte beträgt 32,6 Prozent.



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