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Geplante Trasse bei Bad Nenndorf streift den Vogelpark / Anlieger geschockt von den Plänen

B 65-Ausbau: Das Ende der Flamingowiese

Bad Nenndorf (rwe). Hat der Landkreis für den B 65-Ausbau bei Bad Nenndorf die Rechnung ohne den Wirt gemacht? Die vom Baudezernat als "fast konsensfähig" präsentierte Lösung, die Kreuzung Drei Steine einfach 250 Meter südlich zu einem Knotenpunkt auszubauen, könnte mehr Konfliktpotenzial offenbaren, als es im Kreisbauausschuss den Anschein hatte. Die geplante Trasse streift den Vogelpark - dessen Inhaber Werner Schulz ist von den Plänen nicht angetan. Anlieger der gewünschten Trasse und Eigentümer der benötigten Flächen wissen ebenfalls von nichts.

Mit der Aussicht auf Rodenberg und den Deister könnte es eines T

Bei der nächtlichen Rückkehr vom Flughafen hätte sich Reinhold Weinstock eine bessere Nachricht gewünscht. Im Briefkasten steckte frühmorgens die druckfrische Zeitung mit der Skizze der geplanten B 65-Trasse. "Die sehe ich zum ersten Mal",ärgert sich der Bad Nenndorfer, der vor den Toren der Stadt hinter dem Saunaclub mit seiner Familie wohnt. Die fünf Meter hohe Brücke der neuen Trasse würde später an seinem Grundstück vorbeiführen. Ein Nachbar hatte ihn am Vortag gefragt, ob er auch vom Landkreis angesprochen worden sei. "Ich hatte keine Ahnung." Umso erstaunter war er, von der konsensreifen Planung zu lesen. Auf der einen Seite die Sauna, auf der anderen die fast fünf Meter hohe Straßenbrücke mit Lärmschutzwand: "Das Haus sollte meine Alterssicherung sein, das ist doch dann fast nichts mehr wert", sorgt sich der 57-Jährige. In seinem Alter noch umzusiedeln, das kann er sich kaum vorstellen. "Das ist mein Elternhaus, erst kürzlich ist meine Mutter hier gestorben." Das jetzt vorgestellte Vorhaben war bis zur Ausschusssitzung vor Ort so gut wie nicht bekannt. Kurz zuvor war der Landkreis auf zwei Anlieger zugegangen. "Wir haben die besonders Betroffenen besucht, damit sie es nicht aus der Presse erfahren", sagt Baudezernent Karl-Erich Smalian. Das waren Vogelparkbetreiber Werner Schulz sowie die Familie Homeier mit dem an der B 442 ansässigen gleichnamigen Ölhandel. Allerdings handelte es sich dabei nur um eine Vorinformation, denn auf den Meter genau steht der Verlauf der neuen B 65 noch gar nicht fest. Smalian hatte nach eigenen Worten den Eindruck, dass es nicht viele Schwierigkeiten geben dürfte. Er berichtet von "angenehmen Gesprächen". Diese Juckepunkte seien "lösbar", so sein Fazit. "Wir wollen helfen und uns nicht nur auf unsere Rechtsposition zurückziehen", sagt er und spielt damit indirekt auf das öffentliche Interesse an dieser Baumaßnahme an, das in der Regel vor privaten Interessen steht. Der Saunaclub und die beiden Grundstücke auf der Ostseite der B 442 mit den beiden privaten Wohnhäusern - eines davon gehört der Familie Weinstock - blieben von der Trasse unberührt. Der bisherige Stadtrand werde entlastet, wirbt Smalian für den neuen Entwurf. Schaumburg sei der am dichtesten besiedelte Landkreis in Niedersachsen. "Da kann niemand erwarten, dass wir mit so einem Projekt glatt überall vorbeikommen." Der Kreisdezernent räumt ein, dass der Vogelpark betroffen wäre. Die Trasse verliefe zwischen Radweg und Zoo. "Wir erwischen die Südspitze mit der Sommerwiese für die Flamingos." Für die Fläche ließe sich nebenan auf der Brache, auf der die Schuppen stehen, Ersatz schaffen. Das sieht Werner Schulz ganz anders. Für den Eigentümer des Parks zerstört der dreispurige Ausbau mehr als ein Drittel des Kraterzoos. "Das geht bis zum Teich, da leben nicht nur die Flamingos." Der Verkehr würde das Leben in dem beliebten Areal verändern, Wasserläufe und Gehege wie das der Uhus fielen weg. Er kann sich kaum vorstellen, dass sich das angebotene Brachland als neuer Lebensraum für die Flamingos eignet. "Die brauchen Ruhe und ein Feuchtgebiet." Er steht dem Entwurf deshalb auch "abweisend" gegenüber. Schulz: "Was soll denn das überhaupt bringen?" Völlig überrascht ist auch der ehemalige Landwirt Heinrich Krömer. Ihm gehört ein Teil der Flächen östlich des geplanten Knotenpunktes, über die der Verkehr später rollen soll. "Ich weiß von nichts." Der 85-Jährige kennt bisher nur die Skizze aus der Zeitung. Anlieger Reinhold Weinstock wartet nun erst einmal ab. "Wir werden uns in Ruhe dazu Gedanken machen." Und er hofft dabei, dass sich das Thema in ein bis zwei Jahren erledigt hat. "Das ist doch alles eine Nummer zu groß."

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