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Autor Günter von Lonski ließt neuen Krimi in Bad Münder

BAD MÜNDER. „Was ist denn da schief gelaufen?“ Krimi-Autor Günter von Lonski überspielt seine Enttäuschung, doch sein Blick wird noch eine Spur grimmiger. Gerade mal ein halbes Dutzend Zuhörer verlieren sich im Foyer des Martin-Schmidt-Konzertsaals zur Lesung aus von Lonskis neuestem, seinem sechsten Hannover-Krimi.

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Autor

Christoph Huppert Reporter

Die Vorbereitung vor Ort sei „nicht sonderlich engagiert“ gewesen, von „gerade mal einem oder zwei Plakaten“ ist die Rede. Wo sich sonst 50, 60, 70 Krimi-Freunde drängen, herrscht diesmal Totenstille. „Der zuständige Herr ist erkrankt“, so von Lonski mit einem Anflug von Bitterkeit.

In seiner Vorstellung präsentiert sich der Pattensener Autor, der vor allem durch seine Wesemann-Krimis hervorgetreten ist, unverdrossen als Multitalent: Werbetexter, Hörspiel- und Kinderbuchautor, und eben Schöpfer von beliebten Ermittlern wie dem Hamelner Lokalradioreporter Hubert Wesemann und der hannoverschen Kommissarin Marike Kalenberger.

Nein, entgegen anderslautenden Gerüchten sei Wesemann noch nicht am Ende. Ein neuer Fall in einem anderen Verlag sei in Arbeit und für den Herbst 2017 eingeplant, kündigt von Lonski an. Daniela Weibler, die mündersche Teilnehmerin beim „Großen Backen“ bei Sat.1 werde in diesem „Koch- und Backbuch“ mit 20 Rezepten vertreten sein. Und auch das Gerücht, dass von Lonski an einem spektakulären Krimi-Musical über das spannende Leben der legendären Hamelnerin Elsa Buchwitz schreibe, wird an diesem Abend im Foyer des Martin-Schmidt-Konzertsaals bestätigt.

Doch dann entführt von Lonski seine wenigen Zuhörer in den Deister. Ein Toter mit unklarer Todesursache liegt dort auf einem Hochsitz. Es ist Harald Perkuhn, Immobilienberater, Finanzinvestor und Großprotz. Eine forsche Lebenspartnerin, eine schwangere Geliebte, teure Autos und Oldtimer – „Ideal zum Geldwaschen“– sind Attribute eines Krimis, der nicht nur bald rasant Fahrt aufnimmt, sondern auch immer wieder zwischen den Jahren 1945 und 2015 hin- und her springt.

In Rückblenden, Erzählungen und Briefen lässt von Lonski – im Gegensatz zu seinen Texten aus der Jetzt-Zeit ohne latent ironisierenden Unterton – die Schrecken von Flucht und Vertreibung und die schwierige Integration in der neuen Heimat im Land zwischen Deister und Weser lebendig werden.

Aus alten Zeitungen hat von Lonski die heute kaum noch vermittelbare Lebenswirklichkeit von damals zusammengetragen und trifft damit den Nerv der Zuhörer: In der Pause berichtet etwa Heidrun Rauscher ausführlich von jener Zeit, in der erst die Kinder aus Hannover auch in Bad Münder Schutz vor den Bombenangriffen suchten und später die Vertriebenen aus dem Osten einquartiert wurden.

So führt von Lonskis sechster Hannover-Krimi Marike Kalenberger und ihr Team zum einen dorthin „wo die Luft zu frisch ist für Großstadt-Lungen“, zum anderen aber auch zurück in eine Zeit, die auf beklemmende Weise heute noch präsent ist – obgleich auch in anderen Zusammenhängen. Und am Ende steht einmal mehr die bedrückende Einsicht „Hass verjährt nicht“.


Günter von Lonski: „Hass verjährt nicht“. 6. Hannover-Krimi mit Marke Kalenberger. 250 Seiten. Erschienen im CW Niemeyer Verlag Hameln.

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