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Vor Gericht: Opfer (17) bekommt als Wiedergutmachung 3000 Euro / Einer der Täter ist verstorben

Aus der Verfehlung wird eine Vergewaltigung

Bückeburg (ly). Zwischen harmlosen Zärtlichkeiten unter jungen Leuten und schweren Sexualdelikten liegt manchmal nur ein kleiner Schritt. Dies zeigt ein Fall aus Bückeburg, der am Montag die 1. Große Jugendkammer des Landgerichts beschäftigt hat. Nach einem Zechgelage zur Wohnungseinweihung waren Annäherungsversuche vollends eskaliert, so dass am Ende die Vergewaltigung einer 17-Jährigen stand. Geständnisse und das moderate Jugendstrafrecht bewahrten die bisher unbescholtenen Heranwachsenden vor harten Strafen.

Wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit sexueller Nötigung und Körperverletzung hat das Gericht den Haupttäter (19) zur Zahlung einer Geldauflage von 2500 Euro verurteilt, die das Opfer als Wiedergutmachung erhält. Anstatt dem Mädchen zu helfen, hatte der Wohnungsinhaber bei der Vergewaltigung in dem kleinen Appartement zugesehen. Das Verfahren gegen den 20-Jährigen, der die Situation möglicherweise unterschätzt hat, wurde vorläufig eingestellt, allerdings gegen 500 Euro Geldauflage. Ein dritter Mann, der in jener Nacht zum 11. November 2006 mitgemacht haben soll, ist gestorben. Alle vier waren befreundet. Begonnen hatte diese Straftat, ein Verbrechen, eher harmlos. Zuerst soll das Mädchen, das sich müde hingelegt hatte, noch geduldet haben, von dem 19-Jährigen umarmt und gestreichelt zu werden. Doch als sie aufs Bett gedrückt wurde, begann die junge Frau Widerstand zu leisten, bevor sie sich losreißen und die Wohnung verlassen konnte. "Eine Jugendliche will mit Freunden feiern und ist zwei Erwachsenen ausgeliefert", fasste die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus zusammen. "Man kann sich gut vorstellen, dass das ein Trauma auslöst." Anfangs habe es sich um eine "jugendliche Verfehlung" gehandelt, die später "in nicht hinnehmbarer Weise eskaliert" sei. Einem Erwachsenen hätten für diese Vergewaltigung mindestens zwei Jahre Freiheitsstrafe gedroht. Beim Hauptangeklagten erkannte das Gericht jedoch Reifeverzögerungen, weshalb er einem Jugendlichen gleichgestellt wurde. "Und beim Jugendstrafrechtsteht der Erziehungsgedanke im Vordergrund", so Staatsanwältin Julia Bauer. Eine "erzieherische Maßnahme" sieht das Gericht in der Geldauflage. Schädliche Neigungen seien nicht zu erkennen, die Tat eine einmalige Sache. "Meinem Mandanten war das eine Lehre", versicherte Verteidiger Oliver Theiß. Eingedrungen war der Täter mit einem Finger. Auch dies zählt als Vergewaltigung. Wie häufig in solchen Fällen war viel Alkohol im Spiel. Vom frühen Nachmittag bis zum Eintreffen der jungen Frau gegen 20 Uhr sollen die drei Männer große Mengen getrunken haben. Gekauft hatten sie 20 halbe Liter Bier und drei Flaschen Schnaps.



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