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Aus der Leitstelle zwitschert’s

Kommunikation im Wandel: Rettungseinsätze werden künftig über Twitter kundgetan

Autor:

jan-Christoph Prüfer

Landkreis. Die Integrierte Rettungsleitstelle Schaumburg/Nienburg beschreitet neue Wege der Kommunikation. Pressevertreter sollen ab 1. Juli über den Kurznachrichtendienst Twitter von Einsätzen erfahren – zunächst nur als Ergänzung zur bisher verwandten SMS.

Das Verfahren spare Zeit und Kosten, erklärt der Leiter der Leitstelle, Thorsten Reiter. Das Programm, über das die Mitarbeiter mit der Presse kommunizieren, heißt „Cobra“. Geht ein Notruf ein, werden darin Daten wie Gemeinde, Straße und Art des Vorfalls vermerkt – zum Beispiel „Küchenbrand“ oder „VU“ für Verkehrsunfall.

Cobra fasst die Informationen zusammen und erstellt daraus SMS, die an Redaktionen sowie freie Journalisten und Fotografen verschickt werden. Jede SMS kostet Geld. Und: „Das Verschicken an rund 20 Empfänger legt einen Arbeitsplatz für ein bis zwei Minuten lahm“, so Reiter.

Das klingt unbedeutend, kann aber bei Rettungseinsätzen durchaus zum Ärgernis werden. Schließlich handelt es sich um ein „Geschäft“, in dem buchstäblich jede Sekunde zählt.

Zunächst zusätzlich zu SMS wird Cobra nun ab Juli Tweets („to tweet“: zwitschern, Anm. d. Red.) erzeugen. Dabei handelt es sich um jene auf 140 Zeichen begrenzten Kurznachrichten, mit denen zum Beispiel auch Prominente ihre Fans auf dem Laufenden halten.

Unterschied: Der Twitter-Zugang der Rettungsleitstelle ist geschlossen. Nachrichten bekommt nur, wen die Leitstelle dafür freischaltet. Ein offenes System könnte dazu führen, dass Schaulustige zum Unglücksort strömen und dort die Rettungskräfte behindern. In einer Bekanntgabe bittet deshalb die Kreisverwaltung auch die Pressevertreter, nach dem Tweet eines Einsatzes eine Sperrfrist von 30 Minuten für die Verbreitung der Nachricht einzuhalten.

Auch wenn die Kosten für die SMS nicht eben gigantisch sind, wie Thorsten Reiter erklärt: Das Versenden von Nachrichten über Twitter kostet gar nichts. Das einmalige Versenden spare zudem Zeit: Der Text geht ein Mal als E-Mail an Twitter raus, statt wie bisher als SMS an mehrere Handys. Der Rechner muss also weniger rechnen und ist entsprechend schneller fertig.

Wegen der Zeichenbegrenzung muss die Leitstelle allerdings ein bisschen tricksen. Ortschaften werden abgekürzt, Straßen ohne Hausnummer angegeben. „Auch in längeren Straßen gibt es zumeist nur ein Haus, vor dem zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Ansammlung von Feuerwehrautos steht“, sagt Reiter.

Seit fünf Jahren erst informiert die Leitstelle Journalisten über SMS. Twitter gab es damals auch schon. „Aber wir warten immer erst, bis ein Kommunikationsstandard sich durchgesetzt hat“, sagt Kreissprecher Klaus Heimann. Twitter bedeute außerdem nicht das Ende der Fahnenstange. „Es gibt immer wieder neue technische Möglichkeiten“, sagt der Kreissprecher. „Vielleicht benutzen wir bald schon wieder etwas ganz anderes.“




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