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Aus Bad Münder auf die große Bühne

BAD MÜNDER/BONN. Die junge Frau, die am Wochenende beim Sonderparteitag der SPD zum Ende der Debatte ans Mikro trat, kurz durchatmete und dann energisch die Position der Groko-kritischen Jusos erläuterte, ist vielen Münderanern gut bekannt: Jessica Rosenthal.

Jessica Rosenthal am Rednerpult des SPD-Sonderparteitages am vergangenen Wochenende – und vor der Universität in Bonn: Die Münderanerin setzt sich als stellvertretende Bundesvorsitzende der Jusos gegen eine große Koalition ein. Foto: PR
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Das parteiintern gebräuchliche Du geht ihr locker von den Lippen. Selbst, als sie „Andrea“ und später auch „Martin“ direkt angeht und zu den Redebeiträgen der SPD-Führungsspitze Stellung nimmt. Die 25-Jährige, aufgewachsen in Bad Münder und in Springe zur Schule gegangen, ist im vergangenen November zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Jungsozialisten in der SPD gewählt worden. In Bonn, wo sie derzeit Geschichte und Deutsch auf Lehramt studiert, ist sie zudem stellvertretende Parteivorsitzende. Seit 2013 gehört sie der SPD an, in die Wiege gelegt wurde ihr das politische Engagement allerdings nicht. Sehr wohl aber eine Haltung: „Das Schlimmste im Leben ist es, keine Meinung zu haben“, hat ihr ihre Mutter Kerstin Rosenthal in Bad Münder mitgegeben. Wenn sie eine Überzeugung habe, müsse sie auch dafür einstehen – eine Maxime, die Jessica Rosenthal auch als Schulsprecherin am OHG berücksichtigte. Nachdenken, hinterfragen, infrage stellen – bereits als 17-Jährige sorgte sie mit der Bereitschaft dazu für Aufsehen. Mit einem Aufsatz entschied sie den Philosophiewettbewerb „Jugend denkt“ der Kulturregion Hannover für sich.

Und viel nachgedacht hat Jessica Rosenthal auch über die SPD, die Entwicklung der Partei und ihre Rolle in einer künftigen Bundesregierung. Ihre Position, die sie Martin Schulz, Andrea Nahles und den anderen Teilnehmern des Sonderparteitages offensiv und unaufgeregt verdeutlichte: „Wir sind nicht der Korrekturverein der Union, wir sind der Gegenentwurf. Und wir sind überzeugt, dass der Weg in eine neue große Koalition nicht der richtige für dieses Land ist.“ Dafür, dass sie diese Positionen auf der ganz großen Parteibühne wie selbstverständlich vermitteln konnte, hat sie eine einfache Erklärung: „Es ist schon etwas anderes, ob man für eine Gruppe spricht oder nur für sich.“ Und als Mitglied des Juso-Vorstandes habe sie die Position des Verbandes vertreten.

Ihr persönlich sei sehr wichtig, dass die Debatte in der Partei „auf Augenhöhe“ geführt werde, Angst vor Kritik am Kurs des Vorsitzenden sei da fehl am Platz. „Ich habe Respekt vor Martin Schulz, aber nur, weil ich erst 25 bin, heißt das nicht, dass ich in Schockstarre verfallen muss. Es ist wichtig, auch junge Leute in die Entscheidung einzubeziehen. Es ist unsere Zukunft, um die es da geht.“

Die Entscheidung des Parteitages – 56 Prozent der Stimmberechtigten sprachen sich für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen aus – versteht die 25-Jährige nicht als Signal, das Werben für ein „Nein“ zur großen Koalition einzustellen. Noch stehe die Mitgliederbefragung aus, und seine Position deutlich zu machen, sei Teil eines demokratischen Prozesses. „Wir glauben nicht, dass die große Koalition der richtige Kurs für unsere Partei ist“, sagt Rosenthal.

Dass die unterschiedlichen Auffassungen die SPD spalten könnten, glaubt sie nicht, es handle sich lediglich um unterschiedliche Sichtweisen auf eine Fragestellung. Sehr wohl aber gebe es einen Zusammenhang mit der Frage der Notwendigkeit der Erneuerung der Partei. „Und in dieser Frage scheinen sich alle einig zu sein.“



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